Potenzielle Interessenkonflikte Schwarz-Chef Chrzanowski verlässt Bosch-Industrietreuhand

Als Manager lenkt er die Geschicke von Lidl und Kaufland. Aber auch bei Bosch spielte Gerd Chrzanowski eine wichtige Rolle. Dort wird er allerdings zum Monatsende ausscheiden.

Freitag, 27. März 2026, 10:14 Uhr
Manuel Glasfort (mit dpa)
Positioniert sich als IT-Dienstleister: Die Schwarz-Gruppe investiert seit Längerem verstärkt in digitale Technologie. Bildquelle: Schwarz-Gruppe

Gerd Chrzanowski, Chef der Schwarz-Gruppe, verlässt die Robert Bosch Industrietreuhand. Der Manager scheidet zum 31. März 2026 als Gesellschafter aus, wie der Technologiekonzern mitteilte. Grund sind zunehmend überlappende Geschäftsaktivitäten von Bosch und der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören. Damit potenzielle künftige Interessenkonflikte vermieden würden, hätten sich beide Seiten vorsorglich auf diesen Schritt geeinigt, hieß es.

Nachfolger wird Alexander Birken

Chrzanowskis Nachfolger wird zum 1. April Alexander Birken, Aufsichtsratschef des Hamburger Onlinehändlers Otto. Chrzanowski war damit genau ein Jahr in dem Gremium vertreten. „Seine tiefe Expertise insbesondere im Bereich der Digitalisierung und sein strategischer Weitblick waren eine Bereicherung für unser Gremium“, sagte der Aufsichtsratschef und geschäftsführende Gesellschafter der Industrietreuhand, Stefan Asenkerschbaumer, über den 54-Jährigen.

Die Robert Bosch Industrietreuhand ist das Machtzentrum des Bosch-Konzerns. Sie hält mehrheitlich die Stimmrechte an dem weltgrößten Autozulieferer, der ein Stiftungsunternehmen ist. Die Mehrheit der Anteile liegt in der Hand der gemeinnützigen Stiftung. Diese übt aber keinen Einfluss auf die geschäftlichen Aktivitäten aus. Mit dieser gesellschaftlichen Struktur soll die langfristige Unabhängigkeit des von Robert Bosch gegründeten Unternehmens gesichert werden.

Schwarz-Gruppe investiert elf Milliarden in Rechenzentrum

Die Schwarz-Gruppe, das Mutterunternehmen von Lidl und Kaufland, stellt sich bereits seit längerem auch als IT-Dienstleister auf. Das Imperium von Lidl-Gründer Dieter Schwarz will insbesondere im Cloud-Geschäft punkten und sich als europäische Alternative zu Cloud-Computing-Marktführern wie Amazon Web Services und Microsoft Azure aufstellen. Dazu investiert die Gruppe unter anderem elf Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum in Brandenburg.

Unterstützt durch Schwarz’ Stiftung entstehen nahe dem Firmensitz in Neckarsulm immer mehr Bildungseinrichtungen, darunter ein Campus für künstliche Intelligenz. Bosch-Chef Stefan Hartung ist ebenfalls Mitglied der Gesellschafterversammlung der Robert Bosch Industrietreuhand.

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