Social Commerce Jeder siebte Online-Käufer hat über Tiktok bestellt

Ein Jahr nach dem Start hat der Tiktok-Shop in Deutschland bereits 15 Prozent der Online-Käufer erreicht. Auch Lebensmittel gewinnen auf der Plattform an Bedeutung – ein Skyr-Hype sorgte zuletzt für leere Supermarktregale. Gleichzeitig droht dem Unternehmen eine EU-Strafe wegen möglicher suchtfördernder Mechanismen.

Dienstag, 24. März 2026, 09:21 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Seit März 2025 ist Tiktok nicht mehr nur ein soziales Netzwerk. Nutzer in Deutschland können in der Video-App seitdem auch einkaufen. Bildquelle: Getty Images

Ein Jahr nach dem Start des Tiktok-Shops in Deutschland hat die Einkaufsfunktion der Video-App laut Marktforschungsdaten eine beachtliche Reichweite erreicht. Gut 15 Prozent der Online-Käufer in Deutschland haben bis Anfang März mindestens einmal über Tiktok eingekauft, wie das Marktforschungsunternehmen NIQ ermittelte. Im Herbst 2025 lag der Anteil noch bei 10,5 Prozent. In der Umsatz-Rangliste der erfassten Onlinehändler in Deutschland belegt der Tiktok-Shop demnach derzeit den 15. Platz.

Lebensmittel und Tierbedarf gewinnen an Bedeutung

Für den Lebensmittelhandel ist die Entwicklung zunehmend relevant: NIQ-Marktforscher Stefan Heidenreich zufolge haben zuletzt auch Lebensmittel und Tierbedarf im Tiktok-Shop an Bedeutung gewonnen. Welche Wirkung die Plattform auf den Lebensmittelmarkt entfalten kann, zeigte sich laut der Mitteilung kürzlich am Beispiel Skyr. Weil Rezepte in den sozialen Medien einen Hype auslösten, war das Milchprodukt bei Supermärkten und Discountern wochenlang teilweise vergriffen. Die umsatzstärkste Warengruppe im Tiktok-Shop bleibt laut NIQ allerdings Mode mit einem Anteil von 17 Prozent, gefolgt von Computer- und Elektronikprodukten mit 16 Prozent sowie der Kategorie Wohnen und Haushaltsgeräte mit 14 Prozent.

Der Leiter des deutschen Tiktok-Shops, Max Burianek, sprach in einer Mitteilung von einer „starken Entwicklung in allen Bereichen“ seit dem Start. Die täglichen Umsätze der Verkäufer hätten sich in den vergangenen sechs Monaten nahezu verdoppelt. Konkrete Umsatz- oder Nutzerzahlen nannte das Unternehmen jedoch nicht. Nach eigenen Angaben nutzen monatlich mehr als 27 Millionen Menschen in Deutschland Tiktok. Mehr als 25.000 Verkäufer seien bereits auf der Plattform aktiv, darunter auch große Marken. Der Sprecher des E-Commerce-Verbandes BEVH, Frank Düssler, sagte laut der Mitteilung: „Tiktok hat dem Handel eine Formel präsentiert, wie man Menschen auch in Zeiten allgemeiner Kaufzurückhaltung wieder zum Impulskauf bringen kann.“

Tiktok verdient bis zu 9 Prozent Provision pro Kauf

Das Einkaufsprinzip des Tiktok-Shops basiert auf einem Algorithmus, der Produkte auf Grundlage des Nutzerverhaltens ausspielt. Influencer stellen Artikel in Videos oder Livestreams vor, die sich direkt in der App kaufen lassen. Tiktok erhält für jeden Kauf den Angaben zufolge eine Provision von bis zu 9 Prozent.

Laut einer Umfrage des Instituts YouGov unter mehr als 2.000 Menschen kaufen 7 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche über Tiktok ein. Jeder Zweite kennt den Shop allerdings noch gar nicht. Die Käufer verteilen sich den Daten zufolge relativ gleichmäßig auf die Altersgruppen bis 66 Jahre.

Gleichzeitig steht Tiktok weiterhin in der Kritik. Die EU-Kommission geht gegen die Plattform vor – wegen möglicher suchtfördernder Mechanismen und schädlicher Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Dem Unternehmen droht eine Strafe. Laut einer Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit nutzen mehr als ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen soziale Medien in riskantem oder sogar krankhaftem Ausmaß. Tiktok weist die Vorwürfe zurück und verweist auf bestehende Sicherheitseinstellungen für Teenager-Konten. In der Politik befürworten CDU und SPD ein komplettes Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren.

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