Food-Franchise:Modell mit Zukunft?

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Food-Franchise Modell mit Zukunft?

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Franchise-Systeme sind auch im und um den Lebensmittelhandel zahlreich. Sie ergänzen den traditionellen Markt von Selbstständigen und Filialen durch einen dritten Weg. Chancen und Risiken liegen auch hier nahe beieinander.

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Keine Branche ohne Franchise-Angebot. Von mobiler Fahrzeug-Wäsche über Immobilienmakler, Gartenzaunbauer und Discountküchen bis zum Nachhilfeunterricht – alles da und im Franchise-System machbar. Natürlich ist auch der Lebensmittelsektor mit entsprechenden Angeboten reich gesegnet. McDonald’s, Cup & Cino, Pizza Hut, Backwerk, Hol ab oder Vom Fass sind bekannt, andere wie Call a Pizza, Food-Truck, Deinet oder Delice noch jung und als Franchise-Systeme bisher kaum wahrgenommen. Und fast täglich gibt es Erfolgsmeldungen zum Franchise: Café Extrablatt eröffnet den 70. Standort, Dunkin‘ Donuts auch in Hamburg, Kentucky Fried Chicken macht den 100. Markt auf, neue Franchise-Marke Veggie-Burger, 16 Neueröffnungen von Backwerk im ersten Halbjahr und und und.

Es ist ja auch verlockend. Gerade bekannte Systeme, Namen und Marken lassen eine Investition lohnend, das Risiko gering erscheinen. Je mehr Franchiseneh-mer es gibt, umso mehr Vorteile – zum Beispiel Werbung und Bekanntheit – sind aus dem Unternehmensverbund zu ziehen. Dem gegenüber stehen der wachsende Wettbewerb und die größer werdende Schwierigkeit, geeignete Standorte zu finden. Das könnte für kleinere und/oder noch weniger bekannte Systeme sprechen. Aber da sind die Probleme schlicht anders herum gelagert.

Der Erfolg im Franchise hängt entscheidend vom partnerschaftlichen Miteinander ab. Einerseits braucht der Franchise-nehmer viel Freiheit und Gestaltungsmöglichkeiten, um am Standort sein individuelles Profil zu schaffen. Aber im Vorfeld eines neuen Standortes braucht er vielfältige Unterstützung. „Besonders bei der Standortsuche und Ladengestaltung muss geholfen werden“, sagt Pieter Wolters vom Franchisegeber Q-Regio.

Sind Franchise-Systeme für angehende oder gestandene Kaufleute überhaupt interessant? Kommt darauf an, sagt Dr Jürgen Knigge, beratend in der Branche unterwegs (siehe Interview S. 24). Denn es eröffne einen Weg in die Selbstständigkeit, biete aber auch Wachstumschancen für etablierte Händler, und nicht zuletzt sei es auch eine Möglichkeit für Handelsunternehmen, um neue, nischenorientierte Vertriebsideen zu multiplizieren.

Im Lebensmittelhandel und seinem Umfeld gibt es ein breit gefächertes Angebot bereits bestehender Franchise-Systeme. Sie sind zu finden bei allen Betriebstypen wie Super- und Verbrauchermärkten, Frische- und Herstellermarken-orientierten Soft-Discountern, Nahversorgern, Tank- und Bahnhofshops, Kiosken, im Bereich Bio, Tierbedarf, Getränke und Backen. Zusätzlich entstehen neue Vertriebsschienen und Kanäle wie Dorfläden, Bringdienste oder Gastro-Services. Solche Franchise-Systeme operieren erfolgreich im klassischen LEH, im Lebensmittel-Spezial-Handel und im food-aktiven Convenience- und FMCG-Handel. Sie bieten für Selbstständige, Kaufleute und auch für regionale Filialbetriebe und deren Verantwortliche neue und/oder erweiterte Geschäftsmöglichkeiten, so Dr. Knigge.

Übrigens stammt der Begriff Franchise aus dem Französischen, er bedeutete schon Mitte des 19. Jahrhunderts die Erlaubnis zur kommerziellen Nutzung von Rechten Dritter. Das allein ist jedoch keine Differenzierung. Modernes Franchise beinhaltet heute zusätzlich noch die Abtretung von Markenrechten und natürlich die Weitergabe von Wissen und Erfahrungen. Banal könnte man sagen, der Franchisegeber „vermietet” seine Geschäftsidee inklusive Name, Marke, Wissen und Marketing an einen Franchisenehmer. Der kann auf diese Weise den Weg in die Selbstständigkeit wagen und erhält ein gewisses Maß an Sicherheit, weil ihn ja ein erfahrener Unternehmer mit einem vorhandenen Apparat unterstützt.

Wie unterscheiden sich Franchise-Systeme von anderen Partnerschafts-, Gesellschafter- oder Genossenschaftsmodellen im Handel? Franchisenehmer sind direkt nur ausschließlich unter der Franchise-Marke und ohne Beteiligung beim Franchisegeber tätig. Sie sind den rund 5.500 selbstständigen Kooperations-und Partnerkaufleuten in Edeka- und Rewe-Verbundgruppen zwar ähnlich. Sie sind allerdings meist kleiner, schärfer profiliert und oft nur regional aktiv. Franchisegeber bieten unter ihren Franchise-Marken und mit ihren Geschäftsformaten in der Regel erprobte Angebote, Know-how, Starthilfe und laufende Dienstleistungen.