Edeka-Chef Mosa „Der Monat ist oft länger als das Geld vieler Menschen“

Supermarkt des Jahres

Der Lebensmittelhandel steht unter wachsendem Preisdruck, sagt Edeka-Chef Markus Mosa (Foto). Auf dem Kongress zum Supermarkt des Jahres spricht Mosa über verändertes Kaufverhalten, den Aufstieg der Eigenmarken – und warum Daten künftig über den Erfolg entscheiden.

Donnerstag, 21. Mai 2026, 16:00 Uhr
Manuel Glasfort
Hochkarätiger Gast: Edeka-Chef Markus Mosa spricht beim Supermarkt des Jahres 2026 in Essen über die Veränderungen in der Lebensmittelbranche. Bildquelle: Peter Eilers

Der Wettbewerb im Lebensmittelhandel hat sich zuletzt spürbar verschärft, wie Edeka-Chef Markus Mosa auf dem Kongress zum Supermarkt des Jahres der Lebensmittel Praxis in Essen berichtet. Vor allem die wirtschaftliche Unsicherheit und die schwache Kauflaune der Verbraucher setzten die Branche unter Druck.

Natürlich habe der Preiswettbewerb noch einmal zugenommen, so Mosa vor den Gästen des Kongresses in der Grand Hall der Zeche Zollverein. „Das hat aber mit dem politischen und konjunkturellen Umfeld zu tun“, erklärt Mosa. Momentan habe man die Herausforderung, dass „der Monat oft länger ist als das Geld vieler Menschen“. Gleichzeitig fehlten klare politische Perspektiven, was zusätzlich verunsichere. „Alle warten letztendlich auf politische Entscheidungen, die auch wehtun dürften, aber sie fallen nicht. Und diese Unsicherheit wirkt sich dann natürlich auch aufs Verbraucherverhalten aus.“

„Haben zum Teil deflationäre Tendenzen“

Diese Unsicherheit habe direkte Folgen für den Konsum: „Der Konsum stockt, wir haben zum Teil auch deflationäre Tendenzen“, sagt Mosa. Der Handel müsse also mehr Ware bewegen, um gleiche Umsätze zu erzielen. Die Konsequenz sei ein klarer strategischer Druck auf Händler: „Dann ist doch klar, was Händlern einfällt: Sie müssen attraktiver werden. Das geht entweder über Leistung oder über den Preis.“

Auch beim Blick auf das konkrete Einkaufsverhalten der Kunden beobachtet Mosa deutliche Veränderungen. Die Tendenz gehe klar in Richtung günstigere Alternativen. „Wir sehen schon seit Längerem, dass die Eigenmarkenanteile steigen“, sagte der Edeka-Chef. Das liege auch an der wachsenden Preisdifferenz zwischen Markenartikeln und Handelsmarken.

Auch die Markenartikelindustrie gerate dadurch unter Druck. Aktionsangebote nähmen deutlich zu – ein weiteres Zeichen wachsender Preissensibilität. Mosa mahnt: „Wir müssen aufpassen, was wir den Verbrauchern noch zumuten können.“

Gleichzeitig fordert er ein neues Zusammenspiel zwischen Handel und Industrie: „Wir müssen insgesamt wieder näher an den Verbraucher rücken und als Handel und Industrie ein gemeinsames Bild mit Blick auf das Kundenbewusstsein entwickeln.“

Was einen guten Supermarkt künftig ausmacht

Auch die Anforderungen an moderne Supermärkte verändern sich – wenn auch weniger radikal aus Kundensicht, als man denken könnte. Zwar bleibe das Grundbedürfnis gleich, doch Inhalte und Methoden wandelten sich.

„Aus Kundensicht hat sich bei der Frage, was ein Laden bieten muss, gar nicht so viel verändert“, sagt Mosa. Entscheidend sei weiterhin ein lokal passendes Sortiment. Der Edeka-Chef beobachtet Änderungen im Ernährungsverhalten: „Protein spielt heute eine ganz andere Rolle“, erklärt er. Besonders im Riegelsegment gebe es starke Veränderungen. Vegan und vegetarisch sieht Mosa dagegen eher stagnierend. 

„Wer die meisten Daten hat, kennt den Kunden am besten“

Ein zweiter großer Wandel betrifft die Digitalisierung. Sie verändere grundlegend, wie Händler ihre Kunden verstehen, so Mosa. Früher habe gegolten: Der Kaufmann vor Ort kenne seine Kunden am besten. Heute sei das anders: „Wer die meisten Daten hat und sie vor allem am besten auswerten kann, kennt den Kunden am besten.“

Damit entstehe eine neue Wettbewerbsdynamik, auf die sich die gesamte Branche einstellen müsse.

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