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Warenverkaufskunde Milchnahrung für Säuglinge

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Milchnahrung für Säuglinge ist ein beratungsintensives Sortiment. Mitarbeiter in LEH und Drogeriemärkten sollten mit den wichtigsten Produktgruppen und deren Besonderheiten vertraut sein.

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Wenn die Mutter nicht stillt

Manche Mütter möchten oder können nicht (voll) stillen. Dann braucht das Baby eine industriell hergestellte Säuglingsmilch.

Junge Eltern wollen, dass ihr Sprössling gesund aufwächst. Dazu gehört auch eine gesunde Ernährung. Um eins klar zu stellen: Muttermilch ist die beste Nahrung für einen Säugling. Sie liefert ihm in optimaler Zusammensetzung alle Nährstoffe, die das Baby in den ersten Monaten benötigt. Muttermilch unterstützt nicht nur die Entwicklung und das Wachstum des Kindes, sondern sie schützt es beispielsweise auch langfristig vor Allergien und Adipositas (Fettleibigkeit). Deshalb sollte das Baby in den ersten vier bis sechs Monaten ausschließlich gestillt werden. Stillt eine Mutter nicht oder teilweise, ist industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung die einzige Alternative. Sie unterliegt strengen gesetzlichen Vorschriften (siehe Text rechts auf S. 63), wird nach hohen Qualitätsstandards hergestellt und streng kontrolliert.

Hersteller von Babynahrung bieten viele unterschiedliche Säuglingsmilchnahrungen an. Da fällt es manchen jungen Eltern schwer, sich zurecht zu finden. Deshalb sollten die Mitarbeiter im Markt die einzelnen Produktgruppen und ihre wesentlichen Unterschiede kennen, damit sie zumindest grundlegende Fragen der Eltern beantworten können. Dafür kann diese Warenverkaufskunde hilfreich sein.

Herstellung
Säuglingsmilchnahrungen sind hauptsächlich als Milchpulver zum Anrühren erhältlich. Manche Hersteller bieten sie zusätzlich als trinkfertige Nahrung an. Beide Darreichungsformen bestehen in der Regel auf der Basis von Kuhmilch. Im Werk durchlaufen die Rohwaren – das sind verschiedene flüssige Milchanteile und komplexe Fettsäure- und Vitaminmischungen – zunächst zahlreiche Qualitätstests. Untersucht wird zum Beispiel auf Pestizide oder bestimmte Keime. Für Milchpulver werden die flüssigen Milchbestandteile im Sprühturm getrocknet und so in Pulver verwandelt.

Anschließend werden die Komponenten je nach den speziellen Erfordernissen des Produkts entsprechend gemischt und schließlich in die Verpackungen gefüllt. Bis zum letzten Produktionsschritt werden zahlreiche Analysen nach festgelegten Qualitätsstandards durchgeführt.

Klar geregelt

Unabhängig von ihrer Marke und Preisklasse müssen Säuglingsmilchnahrungen gesetzlichen Vorschriften genügen: In der Europäischen Union regelt eine Richtlinie (2006/141/EG) die Zusammensetzung, Rückstandshöchstmengen und Kennzeichnung von Säuglingsmilchnahrungen (Anfangsmilch und Folgemilch; Erläuterung S. 64). In Deutschland wird diese Richtlinie in der Verordnung über diätetische Lebensmittel (Diätverordnung) umgesetzt. Hier sind z. B. der Energiegehalt und der Gehalt an Kohlenhydraten, Fetten, Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen gesetzlich vorgeschrieben. Außerdem muss der Hersteller angeben, ab welchem Alter die Säuglingsmilchnahrungen geeignet sind. Für diese Produkte gelten, wie für alle anderen Lebensmittel auch, die Anforderungen des allgemeinen Lebens-mittelrechts.

In den EU-Mitgliedsstaaten müssen sich Hersteller und Händler von Säuglingsnahrungen an den Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) halten. Hierzulande ist er ebenfalls in der Verordnung für Diätetische Lebensmittel verankert. Der WHO-Kodex legt u .a. Kriterien für die Werbung von Muttermilch-Ersatzprodukten (Säuglingsanfangsnahrung) fest.

Ein paar Beispiele:

  • Es darf nicht der Eindruck erweckt werden, dass Flaschennahrung der Muttermilch gleichwertig oder überlegen ist.
  • Hersteller und Händler dürfen keine Werbemaßnahmen für Muttermilchersatzprodukte an die allgemeine Öffentlichkeit richten
  • Hersteller und Händler dürfen keine Gratisproben oder verbilligte Produkten von Säuglingsnahrungen, Flaschen oder Sauger an Verbraucher abgeben, die zum Kauf anregen, auch nicht über Fachkräfte wie Kinderärzte oder Hebammen.