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Länderreport Sachsen Zuhause in Europa

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In der Agrarpolitik setzt Sachsen auf Nachhaltigkeit und Innovationskraft. Thomas Schmidt, Staats‧-minister für Umwelt und Landwirtschaft, nennt Eckpunkte und gibt Beispiele.

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Herr Minister, welche Schwerpunkte stehen für die Land- und Ernährungswirtschaft bei Ihnen in diesem Jahr im Mittelpunkt?
Herausforderung für die mittelständische Ernährungswirtschaft in Sachsen bleibt die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit, um im hoch konzentrierten Lebensmitteleinzelhandel weiter bestehen zu können. Im Rahmen des Gemeinschaftsmarketings unterstützt das Ministerium die Unternehmen bei der Erschließung neuer Märkte, darunter auch ersten Schritten auf internationalem Parkett. Dazu gehören Beteiligungsangebote für Fachmessen wie PLMA (Amsterdam), Tutto Food (Mailand) oder die Anuga als Leitmesse für den Export. Darüber hinaus fungieren wir als „Türöffner“ bei den Hausmessen und Warenbörsen verschiedener Lebensmittelketten. Besonders hervorzuheben ist der 3. Mitteldeutsche Ernährungsgipfel, der am 24. Oktober dieses Jahres in Dresden stattfindet, dies nur als Auswahl unserer Aktivitäten im Jahr 2017.

Bezogen auf die Landwirtschaft ist unser Kernthema jetzt die Weiterentwicklung und Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik für die kommende EU-Förderperiode nach dem Jahr 2020. Wir haben einen eigenen Vorschlag zur grundsätzlichen Neuausrichtung der EU-Förderpolitik erarbeitet. Das Ziel ist die Vereinfachung für Förderempfänger und Verwaltung. Statt unsere Zeit und Kraft mit der europäischen Förderbürokratie zu binden, wollen wir uns für effiziente, nachhaltige und innovative Lösungen in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft einsetzen. Dafür haben wir im August vergangenen Jahres die sogenannte Zukunftsinitiative simul+ gestartet. Mit ihr sollen Akteure vernetzt und innovative Projekte vorgestellt werden. Zudem dient die Initiative dazu, Erfahrungen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen, neue Ideen entstehen zu lassen und neue Projekte zu initiieren.

5,25 Mrd. Euro Umsatz erreichten die 364 Betriebe der sächsischem Nahrungs-, Futtermittel- und Getränkeindustrie 2016.

+ 9 % mehr Umsatz als im Vorjahr machten im Jahr 2016 die Unternehmen in der Obstund Gemüseverarbeitung

- 4 % Umsatz hatten die Unternehmen in der sächsischen Milchverarbeitung zu verkraften.

Wie muss man sich die Umsetzung der Initiative Simul+ vorstellen? Können Sie uns das an einem praktischen Beispiel erläutern?
Als erstes führt diese Initiative die vielen Vorhaben zusammen, die bereits im Geschäftsbereich des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft laufen. Über einen eigenen Webauftritt werden die Projekte bekanntgemacht und gegebenenfalls auch der Austausch oder Synergien gefördert. Natürlich greifen wir auch Ideen und Vorschläge aus der breiten Wissenschafts- und Forschungslandschaft im Freistaat Sachsen auf, um z. B. die Potenziale der Digitalisierung in Land- und Ernährungswirtschaft zu erschließen. Sehr gute Erfahrungen haben wir mit Projektwerkstätten gemacht, die mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung Sachsen branchenübergreifend und mit viel Engagement zu Themen im Bereich Umwelt, Land- und Forstwirtschaft oder Ernährungswirtschaft durchgeführt werden.

Aktuelles Beispiel für solche Aktivitäten ist das von meinem Ministerium unterstützte „Agra-Zentrum für Innovation“, das im Rahmen der Agra Landwirtschaftsausstellung in Mitteldeutschland (4.-7. Mai 2017, Messe Leipzig) stattfindet. Die Besucher sind eingeladen, über einen Pfad der Innovationen Aussteller zu entdecken, die ihnen jeweils interessante Neuheiten und Forschungsergebnisse präsentieren. Die Bühne mit Podium wird für Vorträge, Demonstrationen, Webinare und digitale Panels genutzt, um auch miteinander ins Gespräch zu kommen.

Kann Ihrer Meinung nach auch der Lebensmitteleinzelhandel von der Initiative Simul+ profitieren?
Ja, definitiv. Ich sehe hier den Lebensmittelhandel mit im Boot. Als letztes Glied in der Wertschöpfungskette liegt es wesentlich mit in seiner Hand, Veränderungen und Verbesserungen im Produktionsprozess entsprechend zu kommunizieren. Wenn wir mit Innovationen bessere Haltungsbedingungen für Nutztiere oder eine ressourcen- und klimaschonende Landbewirtschaftung erreichen, dann sollte der Kunde dies auch erfahren.