Bildquelle: Jörn Strojny

Real „Markthalle“ Krefeld Real setzt alles auf grün-weiß

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Mit der Markthalle Krefeld und neuem Corporate Design will Real den Befreiungsschlag auf der Großfläche schaffen. Mittlerweile ist das „Food Lover“-Konzept fast drei Monate am Netz. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

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Metro-Chef Olaf Koch legte sich während der Hauptversammlung in Düsseldorf ins Zeug, um den Aktionären die Markthalle Krefeld und das neue „Food Lover“-Konzept von Real schmackhaft zu machen. Von einem „Erlebnispark für Lebensmittel“ sprach er, in dem seit dem Umbau die Zahl der Kunden um 30 Prozent und der Umsatz um 15 Prozent gestiegen sei. Der Markt sei „die Blaupause, die wir weiter ausbauen und an möglichst viele Standorte bringen wollen“. Jobs für bis zu 3.000 neue Mitarbeiter könnte Real schaffen, stellte Koch in Aussicht. Geeignet seien Standorte, an denen eine hohe Prozentzahl der von Real als „konservativ und anspruchsvoll“ definierten Kundengruppe einkaufe.

Fakten im Fokus
  • Adresse: Markthalle Krefeld, Hafelsstraße 200, 47809 Krefeld
  • Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 7 bis 22 Uhr
  • Eröffnung: 24.11.16

Bevor das Konzept jedoch adaptiert wird, will Real-CEO Patrick Müller-Sarmiento erst einmal Erfahrungen sammeln im Pilotmarkt (siehe Interview Seite 38), in dem die komplette Wertschöpfungskette in der eigenen Hand liegt. Dazu gehört zweifelsohne, viel über die Abläufe in den Gastro-Bereichen – für Real in weiten Teilen Neuland – zu lernen, z. B. wie viele Abschriften es geben darf und wann wie viele Köche im Dienst sein müssen.

Aktuell nutzen nach Unternehmensangaben mehrere Tausend Kunden pro Woche die Gastronomie-Angebote, pro Tag gehen allein mehrere hundert frisch zubereitete Pizzen und Nudelgerichte über den Tresen. Auch wenn manche Kunden die Speisen mit nach Hause nehmen: Zu Stoßzeiten reichen die insgesamt 180 Sitzplätze an der „Piazza“ und im Wintergarten nicht aus. Selbst die Hocker an der Austern- oder der Sushi-Bar sind dann belegt.

Dominik Trieba, zweiter Geschäftsleiter neben Bernd Szameitpreiks, hat schon Leute beobachtet, die mehrere Stunden von Gastro-Station zu Gastro-Station flaniert sind. „Das Kundenfeedback ist sehr positiv, und auch die Mitarbeiter identifizieren sich mit der Markthalle“, sagt er. Mehr als 250 Menschen arbeiten auf der 11.500 qm großen Fläche. Sie beraten und erklären – etwa, wenn jemand doch den Eindruck hat, der Laden sei nach dem sechsmonatigen Umbau nun teurer. Sicher können Feinschmecker in Krefeld etwa Dry-aged-Tomahawk-Steaks aus Irland für 39,90 Euro pro Kilo, eine Flasche Petrus Pomerol Grand Vin für knapp 2.000 Euro oder eine der zwölf hauseigenen Kaffeeröstungen kaufen. Sie bekommen aber, betont Trieba, genauso einen Krefelder Burger für 4 Euro, zehn Brötchen für 1 Euro – von denen übrigens bis zu 10.000 Stück pro Tag weggehen – oder die günstige Real-Eigenmarke Tip. Selbst in der Nonfood-Zone, wo die Artikelanzahl um 13 Prozent niedriger ist als vor dem Umbau, finde sich trotz Boutique-Charakter und Fokus auf hochwertigen Produkten weiter auch das Preiseinstiegssegment.

Schnell gelesen
  • Die Markthalle Krefeld ist der Pilotmarkt des neuen „Food Lover“- Konzepts von Real.
  • Nach dem Motto „Das Gute leben“ will Real die Kunden begeistern – mit 80.000 Artikeln von Preiseinstieg bis Oberklasse, mit Eigenproduktion, Gastro-Angeboten und der Kochschule „Food Akademie“.
  • Zwischen 4.500 und 12.500 Kunden kommen täglich in die Markthalle, der Spitzenwert liegt bei 14.500.

Wo immer möglich, ist die Orientierung im Trockensortiment immer gleich: Nahe am Hauptgang stehen in extra hervorgehobenen Holzregalen Bio-Produkte, daneben die Marken und schließlich die Eigenmarken. Von den insgesamt 80.000 Artikeln sind allein mehr als 10.000 Bio- oder Permakultur-Produkte – deutlich mehr als in anderen Real-Märkten. Darunter sind auch zahlreiche der 450 selbst hergestellten Artikel bzw. Gerichte. Real stärkt so den Sortimentsteil „Handeln aus Verantwortung“, der sich in der Bio-zertifizierten Markthalle bei 30 Prozent bewegt. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, liegen z. B. in der O&G-Abteilung und an den Kassen keine Plastiktüten mehr bereit. Dafür gibt es im Markt diverse Stationen mit loser Ware wie Müsli, Nüsse oder Bonbons, die Kunden dann in Plastikbeuteln oder -behältern abfüllen können.

Die Real-Macher wirken fast berauscht von ihrem „Food Lover“- Konzept. Aber auch die Kunden haben dem Unternehmen zufolge, außer dem Wunsch nach einem deutlicheren Leitsystem zu den einzelnen Sortimenten, bisher nichts kritisiert. Dagegen ist viel Lob zu hören. Wie im KaDeWe sei das hier, findet ein älteres Paar, das an der Bar in der Weinabteilung sitzt und einen guten Tropfen probiert. „So einen Real-Markt habe ich ja noch nie gesehen“, sagt ein Mann anerkennend.

Tatsächlich haben die Mönchengladbacher alles getan, damit nichts in der Markthalle an einen herkömmlichen Real-Markt erinnert. Sie haben den neuen Namen und ein neues Corporate Design kreiert – ein rundes Konzept. Schade, dass trotzdem zahlreiche Mitarbeiter, die sich doch so sehr mit ihrer Markthalle identifizieren, die Kunden noch in der typischen rot-blauen Real-Kleidung begrüßen müssen.