Zuckermarkt unter Druck Nordzucker-Umsatz sinkt um 430 Millionen Euro

Der Zuckerhersteller Nordzucker hat im Geschäftsjahr 2025/26 ein historisch niedriges Ergebnis erzielt. Zwei starke Rübenernten in Folge drückten die Preise; der Umsatz sank um rund 430 Millionen Euro. Langfristig will der Konzern mit alternativen Proteinen und funktionalen Lebensmittelzutaten gegensteuern.

Donnerstag, 28. Mai 2026, 12:44 Uhr
Theresa Kalmer
Nordzucker kämpft mit einem massiven Preisverfall am Zuckermarkt. Nach zwei starken Ernten in Europa rutschte der Konzern tief in die roten Zahlen. Bildquelle: Nordzucker

Der Zuckerhersteller Nordzucker hat im Geschäftsjahr 2025/26 einen operativen Verlust von 226 Millionen Euro verbucht – nach einem Plus von 100,5 Millionen Euro im Vorjahr. Das Unternehmen sprach bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Braunschweig von einem historisch niedrigen Ergebnis. Vorstand und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung am 9. Juli 2026 vorschlagen, keine Dividende auszuschütten. Im Vorjahr hatte Nordzucker noch 0,40 Euro je Aktie gezahlt.

Gorissen: Preisverfall wirkt sch mit voller Wucht aus

Der Umsatz des Braunschweiger Konzerns sank den Angaben zufolge von 2,77 Milliarden Euro auf rund 2,34 Milliarden Euro. Als Hauptursache nannte das Unternehmen das deutlich niedrigere Preisniveau für Zucker in Europa und auf dem Weltmarkt. Zwei besonders ertragreiche Rübenernten in Folge hätten ein Überangebot verursacht und die Preise unter Druck gesetzt. Hinzu komme ein strukturell rückläufiger Zuckerkonsum.

„Der Preisverfall wirkt sich direkt und mit voller Wucht auf das Unternehmen aus“, sagte Vorstandschef Lars Gorissen in der Pressekonferenz. Der Jahresfehlbetrag lag bei 171,7 Millionen Euro, nachdem Nordzucker im Vorjahr noch einen Überschuss von 84,5 Millionen Euro erzielt hatte. Im operativen Ergebnis enthalten sind laut Nordzucker Sondereffekte in Europa von rund minus 160 Millionen Euro.

Nordzucker erzeugte in der abgelaufenen Kampagne nach eigenen Angaben rund 2,8 Millionen Tonnen Zucker aus Rüben – etwas weniger als im Vorjahr. Die australische Tochter Mackay Sugar produzierte rund 0,6 Millionen Tonnen Rohzucker aus Zuckerrohr und steuerte 0,3 Millionen Euro zum operativen Konzernergebnis bei. Die Eigenkapitalquote des Konzerns liege weiterhin bei 55 Prozent, teilte das Unternehmen mit.

Nordzucker verschärft Sparprogramme und reduziert Anbaufläche

Damit die Kosten sinken, hat Nordzucker nach eigenen Angaben bestehende Effizienzprogramme verschärft und ein zusätzliches Sofortprogramm aufgelegt. Im Fokus stehen demnach geringere Verwaltungs-, Personal- und Sachkosten sowie Anpassungen im Produktionsnetzwerk. Strukturelle Veränderungen habe das Unternehmen bereits in Finnland und der Slowakei umgesetzt. In Deutschland führte Nordzucker zudem ein neues Rübenpreismodell ein, das flexibler auf die Marktlage reagieren soll. Darüber hinaus reduzierte der Konzern die Anbaufläche. Das soll das Überangebot am Markt verringern. Finanzvorstand Alexander Bott erklärte: „Unsere frühzeitig eingeleiteten Exzellenz- und Kostensenkungsmaßnahmen zeigen Wirkung. Dennoch konnten die negativen Markteffekte im Berichtsjahr nicht vollständig ausgeglichen werden.“

Positives operatives Ergebnis für 2027/28 geplant

Trotz der Verluste investierte Nordzucker den Angaben zufolge rund 160 Millionen Euro in seine europäischen Standorte, unter anderem in Projekte zur Dekarbonisierung der Produktion. Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 rechnet das Unternehmen weiterhin mit einem negativen operativen Ergebnis im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Erst im Geschäftsjahr 2027/28 will Nordzucker wieder ein positives operatives Ergebnis erzielen. Langfristig setzt der Konzern mit seiner Strategie auf eine stärkere Diversifizierung – unter anderem durch den Ausbau des Rohrzuckergeschäfts und einen geplanten Einstieg in den Markt für alternative Proteine und funktionale Lebensmittelzutaten.

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