EU-Pläne Verband OVID sieht Proteinversorgung in Gefahr

Die EU-Kommission will Soja pauschal als „High iLUC Risk“-Rohstoff einstufen. Davor warnt Präsidentin Jaana Kleinschmit von Lengefeld (Foto) vom Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID). Sie sieht die Proteinversorgung gefährdet.

Donnerstag, 21. Mai 2026, 10:56 Uhr
Thomas Klaus
Sieht die Proteinversorgung gefährdet: Jaana Kleinschmit von Lengefeld ist Präsidentin des Verbandes der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID). Bildquelle: OVID/Nürnberger

Der Plan der EU-Kommission, Soja pauschal als „High iLUC Risk“-Rohstoff einzustufen und damit faktisch aus dem europäischen Biokraftstoffmarkt auszuschließen, würde die Resilienz der europäischen Versorgung einschränken und wäre ein klimapolitischer Rückschritt. Das meint Präsidentin Jaana Kleinschmit von Lengefeld vom Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland. Sie fordert von Brüssel, das Vorhaben zu stoppen.

OVID: Immense Bedrohung für viele Betriebe

OVID-Präsidentin Jaana Kleinschmit von Lengefeld argumentiert: „Die Ölsaatenverarbeitung erfolgt stets als Koppelproduktion. Aus der Sojabohne entstehen 80 Prozent hochwertiges Eiweißfutter und 20 Prozent Öl. Ohne die Erlöse aus dem Sojaöl ist die heimische Verarbeitung der Bohne nicht mehr tragfähig.“ Wenn Brüssel das Sojaöl aus dem Kraftstoffsektor verbanne, falle der Absatz für die Sojabohnen in der heimischen Verarbeitungsindustrie weg. Das sei eine „immense Bedrohung für viele Betriebe“.

OVID stellt die Situation so dar: Europa leidet ohnehin unter einem massiven Proteindefizit. Das in der Verarbeitung gewonnene Sojaschrot ist das wichtigste Eiweißfuttermittel für die heimische Erzeugung von Fleisch, Milch und Eiern. Bricht die hiesige Sojabohnenverarbeitung infolge des wegfallenden Kraftstoff-Absatzmarktes ein, schwächt die EU zugleich die eigene Erzeugung nachhaltiger Proteinfuttermittel erheblich und konterkariert dabei ihre eigene Strategie.

Neue Abhängigkeiten für heimische Lebensmittelversorgung

Die OVID-Präsidentin warnt: „Anstatt den europäischen Sojaanbau zu stärken, müsste die EU künftig reines Sojaschrot aus anderen Weltregionen einführen. Das läuft dem von der EU-Kommission angekündigten Protein-Plan diametral entgegen und stürzt die heimische Lebensmittelversorgung in neue Abhängigkeiten. Und das in einer Zeit, in der Versorgungssicherung und Wirtschaftswachstum oberste politische Priorität haben müssen.“

Und weiter: „Zudem setzt Brüssel auch die aktuell so oft geforderte energiepolitische Resilienz aufs Spiel. Denn wer die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen im Verkehr reduzieren und die Resilienz unserer Energieversorgung verbessern will, braucht zwingend Biokraftstoffe und die nötige Flexibilität. Pauschale Verbote bedeutender Rohstoffe bewirken genau das Gegenteil.“

OVID-Appell an die politisch Verantwortlichen

Soja, das in Deutschland verarbeitet werde, sei durch bestehende Zertifizierungssysteme bereits zu 100 Prozent nachhaltig. Hinzu kommt die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), die zusätzlich eine zu 100 Prozent rückverfolgbare und entwaldungsfreie Sojalieferkette auch von heimischen Erzeugern verlangt. Die geplante High-iLUC Einstufung konfrontiert aus OVID-Sicht die Wirtschaft mit weiteren Regularien, die dasselbe Ziel verfolgen. Das sei das genaue Gegenteil von Bürokratieabbau.

OVID wendet sich angesichts der drohenden Belastungen an die politisch Verantwortlichen: „Wir rufen die Abgeordneten des Europäischen Parlaments, den EU-Rat sowie die Bundesregierung auf, im aktuellen Prüfverfahren ein Veto gegen dieses Vorhaben einzulegen. Der Kommissionsplan ist ein Angriff auf die europäische Agrar- und Lebensmittelwirtschaft. Es droht ein großer und irreversibler Schaden für Wirtschaft und Verbraucher.“

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