Atradius-Umfrage Stimmung in deutscher Wirtschaft bleibt gedrückt

Ein insgesamt eher schwaches Bild von der Stimmung in der deutschen Wirtschaft zeichnet eine Umfrage des Kreditversicherers Atradius. Nur ein Viertel der Firmen rechnet mit einer verbesserten Lage im Jahr 2026. Zwei Drittel erwarten mehr Insolvenzen.

Dienstag, 23. Dezember 2025, 09:16 Uhr
Theresa Kalmer
Standorttreue: Es sind kaum Verlagerung der Produktion ins Ausland geplant, aber auch kein Stellenabbau. Bildquelle: Getty Images

Der Kreditversicherer Atradius hat im November mehr als 470 Unternehmen in Deutschland befragt und nun die Ergebnisse veröffentlicht. Demnach erwartet jede vierte Firma, dass sich die Konjunktur im Jahr 2026 im Inland verschlechtert. Knapp 50 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage überhaupt nicht verändert. 

Bürokratielasten als größte Herausforderung

„Die Politik muss die drängendsten Herausforderungen angehen, wenn es nicht ein viertes Rezessionsjahr in Folge geben soll“, sagte Atradius Frank Liebold. Er ist Country Director Deutschland bei Atradius. 73,1 Prozent der Befragten nannten Bürokratieabbau als Maßnahme, damit der Wirtschaftsstandort Deutschland wieder in Schwung komme. 69,7 Prozent forderten sinkende Energiekosten, 48,3 Prozent Steuererleichterungen und 46,2 Prozent mehr politische Stabilität. Weitere Maßnahmen wären nach Ansicht der Unternehmen die Senkung der Sozialabgaben, mehr öffentliche Investitionen, die Schaffung eines Investitionsklimas oder auch aktive Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel.

67 Prozent rechnen mit mehr Firmenpleiten

67,2 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem Anstieg der Firmenpleiten im Jahr 2026. 30,1 Prozent erwarten eine Stagnation im Vergleich zu 2025 und nur 2,7 Prozent rechnen mit einem Rückgang der Insolvenzen.

In ihren Branchen schätzen 30,1 Prozent der Unternehmen das Insolvenzrisiko als hoch ein, 50,7 Prozent sehen ein unverändertes Risiko und 19,1 Prozent erwarten ein geringes Insolvenzrisiko. Bei den Auswirkungen auf die Zahlungsmoral ergibt sich ein ausgeglichenes Bild: 29,6 Prozent der Befragten rechnen mit einer Zunahme der Zahlungsverzögerungen, 31,3 Prozent dagegen nicht.

Unternehmen halten an Deutschland fest

Trotz der schwachen Konjunktur planen 77,4 Prozent der Unternehmen keine Verlagerung der Produktion ins Ausland. Nur 9,5 Prozent erwägen dies und 13,1 Prozent sind noch unentschlossen. Hauptgründe für eine Verlagerung wären den Angaben zufolge Energiekosten, Bürokratie, hohe Steuern, der Standortnachteil Deutschland, die politischen Rahmenbedingungen oder der Fachkräftemangel. Auf dem Arbeitsmarkt planen 71,3 Prozent der Unternehmen im nächsten Jahr keine Stellenstreichungen. 8,2 Prozent werden Arbeitsplätze abbauen. 29,3 Prozent wollen neue Mitarbeiter einstellen, 32,4 Prozent dagegen nicht.

Wenig Vertrauen in Bundesregierung

Auf die Frage, wie sich das Vertrauen in die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Bundesregierung seit dem Amtsantritt von Bundeskanzler Friedrich Merz entwickelt hat, sagten 40,5 Prozent, dass es sich eher oder deutlich verringert habe. Für 43 Prozent habe sich nichts verändert. Nur 1,7 Prozent der Befragten gaben an, dass sich das Vertrauen deutlich erhöht habe.

Knapp 58 Prozent der deutschen Unternehmen halten eine Rente mit 70 für nicht sinnvoll. Lediglich 15 Prozent halten ein späteres Renteneintrittsalter für sinnvoll, für teilweise sinnvoll halten es 23 Prozent. Stattdessen halten 70 Prozent der Befragten eine freiwillige Verlängerung der Lebensarbeitszeit für wirksamer. Etwas mehr als 64 Prozent sprechen sich für eine Aktivrente aus, also ein steuerfreies Zusatzeinkommen.

Die Jahresumsatzspanne der befragten Unternehmen reicht von unter fünf Millionen bis über eine Milliarde Euro. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei den befragten Unternehmen zwischen unter 100 und mehr als 1.500. Die Unternehmen stammen unter anderem aus den Branchen Automotive, Bauwirtschaft und Baustoffhandel, Chemie, Dienstleistungen, Elektronik, Finanzen, IT, Konsumgüter, Landwirtschaft, Lebensmittel, Maschinenbau, Metall, Papier, Textil sowie Transport.

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