Blick in die Black Box:USA

Blick in die Black Box USA

Wie sich die Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten auswirken wird, ist auch mit Blick auf die Handelsbeziehungen schwer abzuschätzen. Zunächst wird er die Nachbarländer beschäftigen.

Anzeige

Am 8. November haben die US-Bürger den Geschäftstycoon Donald Trump zu ihrem 45. Präsidenten gewählt. Mit Trump hat auch aus Handelssicht der Kandidat gewonnen, der kaum in einem größeren Gegensatz zu dem steht, was sein Vorgänger Barack Obama repräsentierte: Obama strebte neben vielen anderen Punkten eine forcierte Handelsintegration an, sowohl mit Pazifik- als auch mit Atlantik-Anrainern. Der zukünftige Präsident hingegen hat sich während des Wahlkampfs nur allzu deutlich für eine protektionistische Handelspolitik ausgesprochen.

Die von Trump angekündigten Steuererleichterungen für Unternehmen und Individuen sowie Infrastrukturausgaben würden zweifelsohne die amerikanische Wirtschaft in kurzfristig stimulieren und zu mehr Arbeitsplätzen und einem Zuwachs der Realeinkommen führen – erstmal gute Nachrichten für Händler und alle Hersteller, die in den USA Produkte verkaufen. Die Folge allerdings wäre auch ein Ansteigen der Verbraucherpreise. Höhere Zölle für Importe, wie sie etwa für Produkte aus China angekündigt sind, dürften weiteren Druck auf die Preise ausüben. Die höhere Inflation könnte schließlich den positiven Effekt der Arbeitsplatzzuwächse gänzlich ausgleichen. Zusätzlich können durch die Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben Sozialprogramme unter Druck geraten, was unter dem Strich bedeutet, dass Konsumenten in den USA letztlich weniger Kaufkraft haben würden als zuvor. Daher wird es für Händler mehr denn je darum gehen, entweder effizientere Strukturen zu entwickeln, um die Kosten zu senken und wettbewerbsfähig zu bleiben, oder durch Qualität und Auswahl sowie ein besonderes Einkaufserlebnis um Kunden zu buhlen.

Die Autoren

Tatjana Wolff und Franziska Schmidt sind Analystinnen bei Planet Retail. Sie berichten im Wechsel mit Boris Planer über Entwicklungen im internationalen Handel.

Lidl kommt zur rechten Zeit
Der Markteintritt des Discounters Lidl 2018 kommt somit für US-Konsumenten zum richtigen Zeitpunkt, das Leben der ansässigen Händler dagegen wird noch schwerer werden. Übrigens, ähnlich wie Deutschland wird auch der US-amerikanische Lebensmittel-Einzelhandel von einheimischen Unternehmen dominiert, die über 90 Prozent auf sich vereinen.

Aber welche Auswirkungen oder gar Herausforderungen wird die Wahl Trumps auf den Einzelhandel beziehungsweise die Konsumgüterindustrie in Europa haben? Auch hier sind Prognosen schwierig, da Trump im Wahlkampf wenig konkrete Aussagen getroffen hat, außer, dass er verschiedene Handelsabkommen neu verhandeln will – zugunsten des produzierenden Gewerbes in den USA.

Nachbarländer im Fokus
Hierbei stehen allerdings die Handelsbeziehungen innerhalb des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) mit Mexiko und Kanada und speziell zu China in Fokus des neuen Präsidenten. Mehr als ein Drittel der verarbeiteten Lebensmittelimporte stammten im Jahr 2015 aus Kanada und Mexiko, während China allein für 6 Prozent der gesamten Lebensmittelimporte sorgte. Daneben erscheint der Anteil der EU verhältnismäßig gering mit knapp 15 Prozent (Deutschland 1,9 Prozent).

Die Tatsache, dass Trump sich vor allem zu den oben genannten Allianzen geäußert hat, lässt vermuten, dass sich die aktuellen Handelsbeziehungen zwischen Europa und den USA – zumindest kurzfristig – nicht ändern werden. Was dementsprechend gleichzeitig bedeutet, dass die Verhandlungen über das Transatlantische Abkommen TTIP zunächst auf Eis gelegt sein werden.

Dieses stark umstrittene Bündnis hätte zu reduzierten Handels- und Zollbarrieren führen sollen. Ob es nun zu sogar verschärften Import-/Exportbestimmungen mit den USA kommen wird, ist allerdings eher fraglich. Implikationen wären in diesem Fall eine gesunkene Wettbewerbsfähigkeit für europäische Produkte.

Warenwirtschaftsaustauschsysteme favorisieren gerade in einer globalisierten Welt Sicherheit und möglichst niedrige Handelsrestriktionen. Daher ist ein zukünftiger Präsident der nach wie vor größten Weltwirtschaft mit scheinbar protektionistischen Ansichten eine durchaus negative Aussicht für internationale Handelsakteure – und hierbei vor allem für FMCG-Hersteller, und weniger für nicht-US-amerikanische Händler.