Studie: Parken:Macht der Gewohnheit

Studie: Parken Macht der Gewohnheit

Der Weg zum Einkaufen und das Fahr- und Parkverhalten haben viel mit Gewohnheiten zu tun. Wie motorisierte Konsumenten auf das Parkplatzangebot reagieren, untersucht eine Allensbach-Studie.

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Großstädte ersticken nicht nur im Feinstaub, sondern auch im Verkehr. Es gibt immer mehr Autos, also auch immer mehr Parkplatzsuchende. Die Parkraum-Spezialisten von Apcoa haben versucht herauszufinden, wie hoch der „Parkdruck“ in Innenstädten ist. Erstmals führte dazu das Institut für Demoskopie Allensbach eine Befragung zu den „weichen Faktoren“ der Parkplatzsuche in Braunschweig und Halle durch. Diese beiden Städte gelten als besonders typisch: Die Hallenser Innenstadt ist räumlich eng, es gibt nur eine Hauptstraße. Dennoch ist der „Parkdruck“, wie es Apcoa-Expansionsleiter Martin Seitz nennt, in Halle gering: Im Verhältnis zur Zahl der Parkplatzsuchenden sei das Parkplatzangebot in Halle vergleichsweise gut. Anders in Braunschweig: Hier ist die Stadt von allen Seiten gut zu erreichen und bewusst autogerecht ausgebaut worden. Die Folge: Viele Menschen fahren mit dem Auto in die Stadt. „Der Parkdruck ist hoch“, ermittelte Seitz mit Klemmbrett und Fahrrad. Die Allensbacher Forscher untersuchten nun in seinem Auftrag, wie Kunden und Einzelhändler die Situation in ihrer Stadt wahrnehmen. „Das Ergebnis ist paradox“, berichtet Allensbach-Studienleiter Thomas Petersen. Während in Braunschweig, der Stadt mit dem hohen Parkdruck, etwa die Hälfte der Parkplatzsuchenden angab, die Parkplatzsuche sei leicht, waren es in Halle, der Stadt mit dem hohen Parkplatzangebot, nur 21 Prozent. Grund dafür, glaubt Petersen, sind unterschiedliche Strategien bei der Parkplatzsuche. „Die objektiv ungünstigere Parkplatzsituation führt dazu, dass die Suchenden gleich in ein Parkhaus fahren.“ Auch mag die autofreundlichere Stadtarchitektur von Braunschweig diesen Eindruck verstärken, zudem die „Macht der Gewohnheit“. In Halle ist man gewohnt, Erledigungen in der Innenstadt zu tätigen, ohne dafür ins Auto zu steigen, in Braunschweig ist der Besuch der Innenstadt eher etwas Besonderes, und die Menschen sind bei der Wahl des Verkehrsmittels flexibler.

Zukunft des Parkens

Noch ist es Zukunftsmusik, doch Spezialisten glauben: Selbstfahrende Autos werden die Innenstädte der Zukunft anders aussehen lassen, in dem sie selbstständig außerhalb der Innenstädte parken.

Parallel zu Kunden befragte Allensbach auch Händler in beiden Städten. Sie empfanden vor allem die Versorgung des eigenen Ladens mit Parkplätzen als unzureichend und bewerteten zu drei Viertel die Parkplatzsuche als eher oder sehr schwer. Häufig würden sich auch Kunden über die Parkplatzsituation beschweren. Martin Seitz bringt die Ergebnisse der Studie auf eine einfache Formel: „Stressfrei Parken macht glücklich.“ Für das professionelle Parkplatzmanagement empfiehlt er einheitliche Gebühren und einfache Konzepte: „Dann entsteht auch kein Parkplatz-Suchverkehr.“ Als Beispiel nennt er die Innenstadt von München: Dort werde die gesamte Innenstadt einheitlich bewirtschaftet, „und es gibt immer freie Parkplätze“. Eine Schmerzgrenze für Parkkosten, so seine Erfahrung, gebe es nicht: „Das hängt sehr stark von anderen Gebühren ab.“