Bildquelle: Insa Hagemann

Interview mit Alain Caparros „Rewe ist sexy“

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Als „Marktplatz der Seele“ definiert Rewe-Vorstandschef Alain Caparros den Supermarkt von morgen. Damit und noch einigen Ideen mehr geht er kämpferisch in die sicher kommenden Auseinandersetzungen – vor allem angesichts des Deals von Kaiser’s Tengelmann und Edeka.

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Nach der Bundestagswahl 2017 könnte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel einen neuen Job brauchen, wenn seine Partei dann Schiffbruch erleidet. Würden Sie ihm einen Job anbieten?
Alain Caparros: Warum nicht? Ich bin nicht nachtragend. Allerdings muss bei Rewe jeder ein Assessment Center durchlaufen. Da wäre ich auf das Ergebnis gespannt.

Der Tag der Übernahme-Entscheidung ist ein guter Tag für die Beschäftigten, sagen Edeka und Kaiser’s Tengelmann. Sehen Sie das auch so?
Die erkämpften Auflagen mit Jobgarantien in allen Bereichen scheinen für die Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann erst mal ein gutes Ergebnis zu sein – zumindest ein besseres als ursprünglich von Edeka und Kaiser’s Tengelmann geplant. Aber eine wirklich sichere und dauerhafte Perspektive haben sie nicht erreicht. Es gibt immer noch viel zu viele Hintertüren. Die Auflagen schließen auch nicht aus, dass die für die Übernahme wirtschaftlich erforderlichen Synergien in Form von Mitarbeitereinsparungen und Standortschließung nun auf dem Rücken der Edeka-Mitarbeiter ausgetragen werden. Und Arbeitsplätze bei Lieferanten und Wettbewerbern sind durch die wachsende Stärke von Edeka natürlich auch erheblich in Gefahr. Wir sind daher mit der Ministererlaubnis insgesamt nicht einverstanden, und wir werden mit allen uns zur Verfügung stehenden juristischen Mitteln gegen diese Entscheidung vorgehen.

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass sich Gabriel über sämtliche Bedenken von Kartellamt, Monopolkommission und Verbraucherschützern hinweggesetzt hat?
Die Entscheidung über die Köpfe dieser Gremien hinweg bleibt unverständlich. Edeka und Kaiser’s Tengelmann haben beim Antrag auf Ministererlaubnis auf das Thema Gemeinwohl und den Erhalt von Arbeitsplätzen gesetzt, und darauf ist Sigmar Gabriel eingegangen. Allerdings nur einzelwirtschaftlich in Bezug auf Kaiser’s Tengelmann, nicht aber gesamtwirtschaftlich in Bezug auf alle betroffenen Unternehmen, also Lieferanten, Wettbewerber und Edeka selbst. Was wir auch nicht verstehen, ist, dass unser verbindliches Angebot gar nicht zur Kenntnis genommen wurde. In diesem Angebot stand von Anfang an alles, was Gabriel jetzt durch zweifache Nachbesserung seiner Entscheidung an Auflagen für Edeka formuliert hat, bereits drin – teilweise noch weitreichender –, z. B. Jobgarantien für alle Mitarbeiter, auch für die 540 in der Zentrale, Tarifbindung, keine Privatisierungen und keine Änderungen der Betriebsratsstruktur. Im Unterschied zu Edeka hätten wir für keine dieser Zusagen bei uns groß etwas verändern müssen.

Ist eine Übernahme unter diesen strengen Auflagen überhaupt ökonomisch sinnvoll?
Wirtschaftlich wird diese Übernahme für Edeka sehr teuer sein. Weitaus teurer als ursprünglich von ihnen geplant. Sie zahlen einen hohen Preis für 1,6 Prozent Marktanteil. Aber langfristig wird Edeka dadurch gestärkt. In Berlin werden sie durch die Übernahme fast 40 Prozent Marktanteil haben, in Bayern in Wasserburg am Inn wird der Marktanteil sogar 57,7 Prozent betragen und in Donauwörth 49,8 Prozent – um aus der Region nur zwei Beispiele zu nennen.

Hätte die Rewe jetzt nicht ähnlich hohe Marktanteile in Nordrhein-Westfalen, wenn Ihr Übernahmeangebot akzeptiert worden wäre?
Solche Marktanteile hätten wir nicht erreicht – und auch nicht eine solche Monopolstellung, wie Edeka sie nun mancherorts hat. Der deutsche Lebensmittelhandel wird von vier Handelsunternehmen dominiert, und wir sind das kleinste von diesen Vieren.

Welche Wachstumsalternativen hat die Rewe nun noch?
Zunächst einmal wachsen wir organisch. Wir haben im vergangenen Jahr allein im Vollsortiment 1 Mrd. Euro mehr umgesetzt. Das ist wichtig, denn weitere Akquisitionen in Deutschland sind kaum möglich. Wir kooperieren schon mit großen Partnern wie Dohle, Coop Kiel oder Wasgau, und wir wollen diese Zusammenarbeit weiterentwickeln. Außerdem suchen wir neue Märkte. Das ist uns mit den Convenience-Shops ,Rewe to go’ gelungen. Weil sie so erfolgreich sind, haben wir jetzt mit Aral die Perspektive, dass in den nächsten Jahren rund 1.000 ,Rewe to go’-Shops aufmachen. Das stärkt unsere Wachstumsperspektiven.

Sie könnten durch den Kauf von Real wachsen.
Wir haben das geprüft, aber das interessiert uns nicht.

Ist ein Zusammenschluss mit der Rewe Dortmund eine Option?
Rewe Dortmund und wir arbeiten gut zusammen. Und gemeinsam suchen wir stets nach Feldern, wo wir in der Zusammenarbeit noch besser werden können. Das ist unser Antrieb – in Dortmund genau wie in Köln.

Die Discounter bewegen sich mit Markeneinlistungen Richtung Vollsortiment. Wie machen Sie Ihre Supermärkte fit für die Zukunft?
Durch die Markeneinlistungen bei Discountern ist die Vergleichbarkeit noch stärker geworden. Das tut uns weh, denn unsere besten Rewe-Kunden kaufen nominal immer noch mehr bei Aldi als bei Rewe. Die Lösung sehen wir in Differenzierung.