Round Table: Ausbildung So bilden wir besser aus!

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Die geplante Neuordnung der Berufe stößt auf große Zustimmung im Lebensmittelhandel. Bei einem Round-Table-Gespräch der Lebensmittel Praxis wurde allerdings auch deutlich, wo derzeit Schwachpunkte in der Ausbildung liegen.

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Wir müssen die Waren- und Verkaufskunde weiter stärken!“, lautete die zentrale Forderung aus der Runde der Personalentwickler, die sich im Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) zusammengefunden hatte, um über die geplante Neuordnung der Berufsbilder im Einzelhandel zu diskutieren. Olaf Stieper, Edeka Bildungswesen, machte deutlich:„Mir ist es viel lieber, dass Azubis am Ende ihrer Ausbildung den Kohlrabi vom Radieschen unterscheiden können, als dass sie mir die Funktion der Lohnsteuerklasse 6 erläutern können! “Aktuell wird Warenkunde fast nur in den Ausbildungsbetrieben vermittelt. Der Lebensmittelhandel würde es begrüßen, wenn das Fach wieder zusätzlich in den Berufsschulen unterrichtet würde. Wilfried Malcher vom Handelsverband Deutschland (HDE) unterstützt diesen Vorschlag jedoch nicht. Er ist der Meinung, dass „die normale Berufsschule das nicht leisten kann“, und ergänzt: „Wohl aber müssen wir darauf achten, dass die Anforderungen an die Betriebe und für die Prüfungen klarer und stringenter formuliert werden sollten.“

Dr. Silvia Annen, die beim BiBB die Evaluation durchgeführt und ausgewertet hat, formuliert eine weitere Forderung: Es wäre wünschenswert, wenn die Auszubildenden Waren- und Verkaufskenntnisse besser verknüpfen könnten. Schließlich geht es in der Praxis nicht um reines Faktenwissen, sondern um Verkaufsgespräche. Die Runde war sich einig: Im Tagesgeschäft ist es entscheidend, dass man die Kompetenz erwirbt, sich Wissen anzueignen. Wie schnell sich die Sortimente ändern können, zeigt der Trend zur Ernährung mit weniger Fleisch: Wer hat vor zehn Jahren schon an vegane Produkte gedacht? Heute füllen sie auf größeren Verkaufsflächen ein komplettes Regal. Der Azubi muss also wissen, wie und wo er sich über neue Produkte wie vegane Lebensmittel informieren kann.

Auf Zuspruch stieß die geplante Änderung, die bisherigen Lernziele neu zu formulieren. In der Neuordnung werden Kompetenzen beschrieben, die sich die Azubis bis zur Prüfung aneignen sollen – in klarer, aktiver Sprache. Dann kann man die Rahmenpläne praxisorientierter beschreiben, was den Ausbildern vor Ort die Arbeit erleichtern sollte.

Corinna Trier aus der Rewe Personalentwicklung sprach den Wahlbaustein „Grundlagen der unternehmerischen Selbstständigkeit“ an. Dieser Baustein darf nach dem Willen der Rewe-Kaufleute keinesfalls unter den Tisch fallen. Kollege Stieper von der Edeka pflichtete ihr bei. Auch wenn das Fach nur für eine relativ kleine Gruppe von Auszubildenden relevant ist, sei es für die Betroffenen extrem wichtig und müsse gestärkt werden. Naturgemäß kommt der Baustein nur bei den Unternehmen zum Einsatz, bei denen der Schritt in die Selbstständigkeit möglich ist.

Hannelie Bohnes, Real SB-Warenhaus GmbH, begrüßte, dass in der Verordnung neue Verbundformen wie Omni- und Multichannel-Kanäle berücksichtigt werden: „E-Commerce ist ein wichtiger Punkt, auch fürs Image des Handels.“ Sie wies darauf hin, dass die Verordnung eine große Bandbreite abdecken muss: von der Großfläche wie Real bis hin zum Tankstellenbetreiber, der ebenfalls Kaufleute im Einzelhandel ausbilden kann. Beide, der Real- und der Tankstellen-Azubi, besuchen gemeinsam eine Berufsschulklasse und werden vom selben Prüfer bewertet.

Womit die Diskussionsrunde bei den unerfreulichen Punkten angekommen war. Da ist zum einen die Qualität der Berufsschule zu nennen, die nicht immer den Anforderungen des Handels genügt. Wobei schlechter Unterricht zum Teil auch an der heterogenen Zusammensetzung der Klassen liegt: zu große Klassenstärken (mit 30 Schülern oder mehr), unterschiedliche Berufe, extrem unterschiedliche Leistungsstände der Schüler. Als Konsequenz schicken immer mehr Betriebe ihre Schützlinge auf private Berufsschulen, wo sie die Lerninhalte besser beeinflussen können.

Zweiter Kritikpunkt: die Abschlussprüfungen. Grundsätzlich sind die Prüfungsausschüsse autark und autonom, sie entscheiden über Bestehen und Nicht-Bestehen und damit über Karrieren. Aber sind wirklich alle Prüfungsausschüsse samt Prüfern geeignet, eine so wichtige Prüfung abzunehmen und fair zu beurteilen? Da hatten einige der Diskutanten doch arge Bedenken. „Teilweise kommen noch Karteikärtchen zum Einsatz, mit Fragen von Anno dazumal“, so eine Anmerkung. Oder: „Manche IHK-Prüfer machen, was sie wollen.“

Wie soll das mit den Prüfungen weitergehen, wenn sich nun auch noch die Anforderungen ändern? Die Personalentwickler befürchten, dass sich während der Umstellungsphase „so mancher Prüfling eine blutige Nase holt“. Deshalb schlagen sie vor, dass in der Neuordnung die Prüfungsabschnitte ausführlicher beschrieben werden, mit konkreteren Formulierungen als bisher. Und sie fordern unisono: „Die Prüfer müssen selbst besser geschult werden!“