Technik:In naher Zukunft: Bezahlen mit Herzschlag

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Technik In naher Zukunft: Bezahlen mit Herzschlag

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Wie war noch mal gleich die PIN? Für alle notorisch Vergesslichen gibt es Hoffnung: Das Einlesen unverwechselbarer biometrischer Eigenschaften wie Herzschlag oder Iris löst auf lange Sicht die Eingabe der Geheimzahl ab. Welche biometrischen Merkmale infrage kommen, wie es funktioniert und was schon erprobt wird.

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»“Nur Bares ist Wahres“ ist einnetterSinnspruch, allerdings nur für die ewig Gestrigen. An der Realität geht er vorbei, Zahlungen per Geld- oder Kreditkarte sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Schon planen die ersten Staaten, in Zukunft komplett ohne Bargeld auszukommen. Dänemark will ab 2016 keine neuen Geldnoten mehr drucken, kleine Geschäfte müssen dort bald keine Scheine und Münzen mehr annehmen.

In Deutschland wird kontrovers diskutiert, wie die Bürger bezahlen sollen. Peter Bofinger, einer der Wirtschaftsweisen, fordert die Abschaffung des Bargelds, unter anderem, weil man so einfacher die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen austrocknen könne. Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, hält dagegen und bezeichnet Bargeld als „ein Stück Freiheit“.

Unabhängig von dieser Debatte verbessern Banken und Handel die technischen Möglichkeiten, ohne Cash zu bezahlen. Neben der Geld- und Kreditkarte steht derzeit das kontaktlose Bezahlen über die Nahfunktechnik NFC ganz oben auf der Agenda. So forcieren die Sparkassen „Girogo“ , damit können Beträge bis 20 Euro kontaktlos abgerechnet werden.

Mobile Geldbörsen entwickeln einige Mobilfunk-Netzbetreiber wie die Telekom, Vodafone und Telefónica, allerdings ist die Nutzung noch an bestimmte Betriebssysteme und definierte Apps gebunden. Mit einer einzigen Handbewegung zahlen – das versprechen auch die beiden großen Kreditkarten-Anbieter Visa und Mastercard, bei Beträgen über 25 Euro muss der Käufer zusätzlich eine PIN eingeben.

Wie aber kann man das Einkaufen für den Konsumenten noch einfacher machen? Eine Antwort: Indem man ihn von allem befreit, was er vergessen kann, sprich Geldbörse, Karten, und vor allem PINs und Kennwörter. Stattdessen soll er sich mit Dingen ausweisen, die man automatisch immer dabei hat: Augen, Herz, Hände und Finger (s. Kästen). Bezahlsysteme, die mit biometrischen (am Körper messbaren) Abdrücken funktionieren, werden in verschiedenen Tests weltweit erprobt. Ob der Kunde sie annimmt, hängt von mehreren unstrittigen Faktoren ab: Wie einfach ist die Messung? Wie lange dauert sie? Ist sie ungefährlich für den Körper? Hinzu kommen Beweggründe, die sich eher als Ängste beschreiben lassen: Will ich einem Händler Merkmale meines Körpers offenbaren? Kann jemand daraus weitere Informationen ablesen? Wie fälschungssicher ist die Methode? Oder kann sie leicht in falsche Hände gelangen und missbräuchlich verwendet werden? Psychologische Aspekte spielen eine gewichtige Rolle, ob eine technische Neuerung angenommen wird oder nicht.

Für den Handel stellen sich weitere Fragen: Welche Geräte muss man anschaffen und was kosten diese? Und nicht zuletzt: Fallen zusätzliche Gebühren an?