Convenience-Produkte Fertigessen mit Niveau

Convenience ist heute mehr als Zeitersparnis. Absatzalternativen wie Lieferservice, Vending oder Online-Abo-Boxen treten mit differenzierenden Angeboten in Wettbewerb zum klassischen Handel.

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Einfach und schnell. Das ist der Convenience-Ursprung. Heute geht es um mehr als reine Zeitersparnis. Die Verbraucher sind mobiler und spontaner in ihren Entscheidungen geworden. Sie können zudem auf mehr Angebotsalternativen zugreifen, wenn es darum geht, in Zeiten der sich auflösenden Mahlzeitenordnung, zu Hause und unterwegs schnell etwas zu sich zunehmen. Vending (s. Text Kasten S. 65), Online-Angebote und Lieferdienste sind Bezugsalternativen ebenso wie die Abo-Boxen für ein unkompliziertes Einkaufen und Kochen am heimischen Herd. Konsumenten suchen heute Optionen, die exakt zu einem bestimmten Bedürfnis und einem speziellen Anlass passen. Dabei verschwimmen Grenzen zwischen Kategorien wie trocken, nass, gekühlt sowie Bezugsquellen.

Convenience ist die Klammer für weitere Konsumentenansprüche wie Packungsgröße, Geschmack, unkomplizierte Zubereitung sowie gesunde und ausgewogene Ernährung.

Auch „Bio“ scheint langsam aber sicher Einzug zu halten. Das vermittelte zumindest die diesjährige Biofach in Nürnberg. „Ready to Eat“ sei in der Bio-Branche angekommen, konstatiert Petra Wolf von der Nürnberger Messe. Der Generationenwechsel und der generelle Wettbewerb im Lebensmittel-Einzelhandel lassen die ersten Körnerläden in Deutschland vor 40 Jahren in Vergessenheit geraten. Zudem steigt die Zahl der „Flex-Kunden“, die sowohl Konventionelles als auch biologisch Erzeugtes parallel einkaufen. Viele Bio-Anbieter werten Fertiggerichte und Fixprodukte mit sogenannten „Supergrains“, zum Beispiel Quinoa, Amaranth oder Kamut auf.

Fertigerichte stehen heute nicht mehr unbedingt im Widerspruch zum Trend der bewussten Ernährung. Das untermauert beispielsweise der Launch der neuen Qualitätsmarke „vegan leben“ bei Bartels-Langness (Famila Nordost) und Markant). Unter den rund 150 Artikeln sind auch Fixprodukte und Fertiggerichte, die der Kunde seit Kurzem im veganen Stammregal findet. Die meisten tragen zusätzlich eines der Bio-Siegel.

Natürlichkeit ist gleichermaßen für Knorr ein neuer Schlüssel zum Erfolg. Mit der Mitte 2015 eingeführten Linie „Knorr Natürlich Lecker!“ sei es gelungen, in der rückläufigen Kategorie der Fix-Produkte neue Impulse zu setzen. Alle Varianten der Range sind für eine vegetarische und vegane Ernährung geeignet. Seit diesem Jahr sind sie zusätzlich mit dem V-Label des Deutschen Vegetarierbundes versehen. Die Linie wird im laufenden Jahr weiter ausgebaut. Laut GfK bringt jede zweite Tüte von Knorr „Natürlich Lecker!“ dem Handel On-Top-Umsatz. Darüber hinaus sind Line Extensions bei Knorr Snack Bar, Fertiggerichten im Becher, und Noodle Express (Asia-Nudeln mit passender Gewürzmischung) geplant. Damit werde das expansive Marktsegment der Snack-Becher sowie der Asia-Food-Trend bedient, heißt es in Hamburg.

Gut zu wissen
  • 700 Mio. Fixprodukte- Packungen brachten 2015 im Handel rund 413 Mio. Euro Umsatz.
  • Käuferreichweite: 59 Prozent.
  • Zusätzliche Kontaktpunkte am PoS fördern Impulskäufe.
  • Fix-Produkte initiieren das sechsfache an Verbundumsatz mit Frische.
  • Die Bonsumme vom Fix-Produkt- Kunden ist doppelt so hoch wie der Durchschnittseinkauf.

Ersatz für aufwändigen Einkauf
Das kann Barbara Lange, Leitung Marketing Reis-fit, bestätigen. Eine qualitative sowie quantitative Marktforschung im Vorfeld der Einführung der Reis-fit „Schnelle Pfanne“ zum Jahresbeginn ergaben, dass Reispfannen bei 90 Prozent der Befragten (n =183 haushaltsführende Frauen zwischen 21 und 50 Jahren) mindestens einmal im Monat auf den Tisch kommen. Dabei wünscht sich mehr als jeder Zweite in erster Linie eine asiatische Geschmacksrichtung. Der Convenience-Aspekt gewinnt neben der kurzen Kochzeit aufgrund vieler, teils exotischer Zutaten zusätzliche Bedeutung. 68 Prozent der Verbraucher stellten daher die schnelle Zubereitung ohne Großeinkauf bei dieser Linie heraus. Der Verzicht auf Konservierungsmittel, Farbstoffe und Geschmacksverstärker sowie die Eignung für Vegetarier sind entscheidende Produktkennzeichen.

Birkel verliert trotz Vegan-Hype andere Zielgruppen nicht aus dem Auge. Besonders gut angenommen wurde nach eigenen Angaben die XXL-Version von Birkel Minuto. Der extra große Becher im Wachstumssegment der Bechergerichte spricht vor allem Männer mit größerem Hunger an. Die Einführung habe schnell neue Impulse im Markt gesetzt, heißt es. Gleiches wird von den drei herzhaften Nudel-Up-Varianten mit Fleisch erwartet. Darunter eine Gulasch-Sauce mit Rindfleisch aus deutscher Aufzucht. Sie sind seit Dezember im Handel.

Mehr Zeit für gemeinsames Kochen
Die Consumer-Insights von Mars Food zeigen, dass sich rund 70 Prozent der Teilnehmer einer Konsumentenbefragung aus Haushalten mit Kindern mehr Zeit für das gemeinsame Kochen wünschen und dies auch gerne häufiger tun würden. Mars Food interpretiert das als neue Bedürfnisse für schnelle, ausgewogene, aber einfache Kochideen mit Gestaltungsfreiraum.

Mit kleinen und großen Verkostungsmodulen soll dies dem Kunden direkt im Markt nahe gebracht werden. Die Auswertung: Mehr als 70 Prozent der Shopper verkosten, und 45 Prozent kaufen danach die jeweiligen Produkte ein.Mehr als 140 Standorte im Lebensmittel-Einzelhandel nehmen in diesem Jahr ab April wieder an der Initiative Ben’s Beginners (Uncle Ben’s Fertigreis) teil. Am PoS dabei ist eine mobile Mitmach-Küche, die zum Schnippeln und Kochen einlädt. Ziel der Initiative ist, Kinder zu Hause zum Kochen zu animieren.

Neu im laufenden Jahr ist bei Kraft Food die Zwei-Portionen-Packung bei Mirácoli als dritte Größe. Bei Testkunden war dieses Gebinde innerhalb kurzer Zeit bereits unter den Top 10 des Portfolios. Bei Uncle Ben’s ist die Variante Mexikanisch Scharf & Farmerreis neu. Im 2. Halbjahr wird Neues im Saucen-Segment angekündigt.

convenient einkaufen
Neue Wege des Cross-Sellings beschreiten Maggi und der Onlineshop MyTime von Bünting. „Ausgehend davon, dass bequemes Einkaufen im Trend liegt, sprechen wir mit dem neuen Rezeptfinder Kunden an, die kochinteressiert sind, beim Einkauf allerdings conveniente Lösungen bevorzugen“, sagt Kirstin Pageler, Marketingleitung bei Bünting E-Commerce. Der MyTime-User sucht nach einem online verfügbaren Maggi-Produkt und bekommt dabei auch drei Rezeptvorschläge. Klickt er auf einen davon, erscheint eine Seite mit Zubereitungshinweisen, Nährwerten und den benötigten Zutaten. Per Klick gehen die auf Wunsch direkt in den Warenkorb. Die Liste ist individuell veränderbar. „Wir verkaufen unsere Produkte über eine Rezeptleistung, die einen Mehrwert für den Shopper darstellt“, erläutert Patrick Swientek, Head of Digital bei Maggi. Es wird erwartet, dass anfangs 10 Prozent der MyTime-Nutzer das Angebot annehmen und die Nutzerzahlen durch unterstützende Kommunikation mit der Zeit weiter wachsen.