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Bio Besser Bedienen

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Bio wächst und gedeiht. Der Lebensmittel-Einzelhandel hat als Bio-Anbieter jedoch noch immer mit einem Glaubwürdigkeitsproblem zu kämpfen. Wo Händler ansetzen, um dies zu ändern.

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Für Stefan Ladage ist Bio kein Nischengeschäft, sondern ein Sortiment mit Zukunft, eines, mit dem der selbstständige Edekaner eine stärkere Kundenbindung erreicht. Rund 5.000 Bio-Artikel bietet er in seinem 2.000 qm großen Markt in Wennigsen über alle Sortimente hinweg an. „Wir haben ein überdurchschnittlich bio-affines Klientel für einen klassischen Supermarkt. Unsere Kunden sind sehr dankbar dafür, bei uns ein umfangreiches Bio-Angebot zu finden“, erklärt Steffen Döring, Geschäftsführer von Edeka Ladage.

So viel Vertrauen bringen Verbraucher nach eigenen Angaben den meisten Supermärkten jedoch nicht entgegen, wenn es um deren Bio-Engagement geht. Gerade einmal 54 Prozent der Deutschen trauen nach eigenen Aussagen der Bio-Qualität von Produkten, die im konventionellen Lebensmittel-Einzelhandel angeboten werden. Und das, obwohl Vollsortimenter wie Edeka und Rewe von Kunden am ehesten mit Bio-Lebensmitteln in Verbindung gebracht werden. Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Bio-Lebensmittelmonitor 2015“ der Marktforscher Dr. Grieger & Cie. Ein größeres Misstrauen bringen die Kunden nur noch Discountern (45,5 Prozent) und dem Online-Handel (35,4 Prozent) entgegen. Dagegen genießen Hofläden das höchste Ansehen bei den Verbrauchern. Rund 74 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass hier Bio auch tatsächlich drin steckt, wo es drauf steht. Im Vertrauensranking schließen sich Bio-Läden (69 Prozent) und Bio-Supermärkte (66 Prozent) an.

Dass Händler bei fehlendem Vertrauen nicht nur Chancen vertun, sondern bares Geld verschenken, beweisen die Angaben zur Zahlungsbereitschaft in den unterschiedlichen Bio-Vertriebskanälen (siehe Grafik oben). 2,19 Euro pro kg würden Verbraucher im Schnitt für Bio-Bananen im Hofladen zahlen, bei Rewe, Edeka und anderen Supermärkten lediglich 1,82 Euro für die gleiche Ware, beim Discount sogar nur 1,64 Euro. In Hofläden sind Kunden dagegen bereit, einen um 25 Prozent höheren Preis zu zahlen.

Profilierung über Fachhandelsmarken
Was aus der „Bio-Nische“ herauszuholen ist, wenn ein Handelsunternehmen mit hoher Bio-Kompetenz überzeugt, zeigt seit Jahren eindrucksvoll Tegut. Ebenso wie Edeka Ladage kann sich auch das Fuldaer Handelsunternehmen nach eigenen Angaben nicht über mangelndes Vertrauen beschweren. „Mit einem Bio-Anteil von fast 25 Prozent sind wir als Vollsortimenter führend im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel und sehen uns im Bio-Bereich als Fachhändler“, sagt Stella Kircher, Leiterin der Tegut-Unternehmenskommunikation. Dies gelingt Tegut vor allem durch ein Warenangebot, das sich deutlich von dem der restlichen Vollsortimenter abhebt. „Dabei freuen wir uns besonders über unser breites Angebot an Marken, die speziell nur im Fachhandel angeboten werden“, erklärt Kircher.

Stefan Ladage in Wennigsen geht einen ähnlichen Weg, um besondere Öko-Kompetenz zu vermitteln. Seit Frühjahr 2015 präsentiert er ein ausgewähltes Angebot an Bio-Fachhandelsmarken in einem Shop-in-Shop-Konzept unter dem Namen Bio à la Dage (s. Text S. 69). Gemeinsam arbeiten Inhaber Stefan Ladage und Geschäftsführer Steffen Döring daran, das Bio-Know-how ihrer Kunden zu steigern, um mehr Menschen für Bio zu begeistern und Kompetenz sowie Vertrauen zu vermitteln – sowohl in den Markt als Bio-Anbieter, als auch in das Sortiment. Dabei sollen zudem Kundenbindungsabende helfen. „Hier werden wir unter anderem die Unterschiede der einzelnen Bio-Siegel erklären, die vielen Kunden noch nicht geläufig sind“, sagt Döring.

Den Ergebnissen des Bio-Lebensmittelmonitors 2015 zufolge ist das der richtige Ansatz: Den Verbrauchern sind die meisten Bio-Siegel noch immer nicht bekannt. Liegt das deutsche Bio-Siegel bei einem Bekanntheitsgrad von immerhin 94 Prozent, folgen die übrigen Zeichen mit weitem Abstand (Bioland 65 Prozent, Demeter 43 Prozent, EU-Siegel 39 Prozent).

Potenzial, um den Bio-Anteil am Warenkorb sowie das Vertrauen in die Produkte zu steigern, sieht Döring u. a. in der Kombination bio und regional. „Erste Schritte in Richtung regionales Bio-Obst- und -Gemüse sind wir im vergangenen Jahr bereits gegangen. Die ersten Tests waren sehr erfolgreich“, berichtet Döring. Wichtig sei jedoch, das richtige Preisgefüge zu finden.

Bei Tegut sieht man außerdem große Chancen in der Kombination bio und vegan. Der Bio-Gedanke rücke bei den veganen Produkten immer mehr in den Vordergrund, umgekehrt können über den Zusatznutzen vegan neue Verwender für das Bio-Sortiment gewonnen werden. „Hier habe sich die Einstellung aufgrund des Warenangebotes deutlich verändert“, weiß man bei Tegut. Sei man die letzten Jahre noch glücklich darüber gewesen, dass man als Konsument überhaupt vegane Produkte bekam und seine Verbraucherbedürfnisse decken konnte, würden heute bei immer mehr Produkten auch die Rezepturen stark überarbeitet. „Bio ist bei vielen Produzenten dabei eine Selbstverständlichkeit“, sagt Sprecherin Stella Kircher.

Dreamteam bio und vegan im fokus der biofach 2016
Neue Produktkonzepte von Markenartiklern, welche die Aspekte bio und vegetarisch bzw. vegan miteinander verbinden, stehen vom 10. bis 13. Februar 2016 in Nürnberg im Fokus. Die Weltleitmesse für Bio-Produkte, die Biofach, widmet sich dem fleischfreien Segment wie bereits im Vorjahr intensiv. Gut 1.000 Ergebnisse spuckt die Ausstellersuche für den Begriff „vegan“ für dieses Jahr aus. Damit wird jedes zweite dort vertretene Unternehmen etwas Tierfreies anbieten. Fachbesucher können sich im Rahmen der Erlebniswelt Vegan in Halle 6, Stand 100, von neuen Produktkonzepten überzeugen lassen. Vorträge, Showcooking und Podiumsdiskussionen ergänzen das Angebot.