Bildquelle: Architekturbüro Kinzel

Supermarché Massen Luxemburg Für Lebensmittel-Liebhaber

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Heute ist zwar beinahe alles „Manufaktur“, und der Begriff wird stark strapaziert, aber im nördlichen Luxemburg findet sich ein Supermarkt, der das handwerkliche Angebot mit Sortiments-Vielfalt und edlem Laden-Design kombiniert.

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Daten und Fakten
  • Adresse: Op der Haart 24, L 9999 Wemperhardt
  • Design: Architekturbüro Kinzel
  • Ausführung: Korte Einrichtungen
  • Fläche Supermarkt: mehr als 5.000 qm
  • Davon Bedienungsfläche:  1.100 qm
  • Verkaufsfläche Shoppingcenter: 18.000 qm
  • Überbaute Gesamtfläche Shopping Center: rund 61.000 qm
  • Öffnungszeiten: 7 Tage/Woche, Montag bis Sonntag, 7.30 bis 19 Uhr
  • Mitarbeiter: 350 Vollzeit/ mehr als 400 gesamt
  • Artikel im Supermarkt: 35.000
  • qm-Umsatz: 10.000 Euro
  • Durchschnitts-Bon: 58 Euro

15 Metzger in der 35 Köpfe starken Fleischabteilung, 17 Bäcker und Patissiers, 40 Köche… da dürfte manchem Lebensmittelhändler in Deutschland ein wenig schwindlig angesichts der Personalkosten werden. Aber in Wemperhardt im nördlichen Luxemburg scheint das machbar zu sein. Und dabei werden dort ganz andere Gehälter gezahlt als in Deutschland. „Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, haben wir hier nicht“, sagt Arséne Laplume, der die Geschäfte zusammen mit Fernand Massen führt. Das habe aber nicht nur mit Luxemburg-typischer Bezahlung zu tun, sondern vor allem mit guten Arbeitsbedingungen: 4o-Stunden-Woche, moderne Einrichtung, Werkzeuge, Geräte. Zum Vorteil gerieten natürlich auch die geringen Lohnnebenkosten in Luxemburg. 326 Menschen arbeiten hier in Vollzeit, mit Teilzeitkräften sind mehr als 400 beschäftigt.

Und so ist im „Massen Einkaufszentrum“ ein Supermarkt möglich, der den Manufakturgedanken tatsächlich lebt. „Frische ohne Kompromisse“ lautet das Motto. Darunter versteht Laplume, „geballte Fleischkompetenz“, Fisch und Käse in außergewöhnlicher Tiefe und Breite, ein exzellentes Backwaren- und Patisserieangebot und natürlich Bedienung. 1.100 qm der mehr als 5.000 qm Verkaufsfläche werden von Bedienungsangeboten eingenommen.

Die Fleischabteilung soll vor allem den Manufakturcharakter zeigen. „Der Metzger gehört hinter die Theke“, ist Laplume überzeugt, er könne am kompetentesten über die Ware aufklären. Und habe am ehesten die Abschriften im Griff, weiß er. Beispiel Dry-aged. In diesem Schrank hängen Black Angus, Galloway, Sirloin und weitere edle Fleischsorten bis hin zu Wagyu/Kobe. Das Highland-Cattle stammt aus eigener Zucht. Wurst und Fleischspezialitäten werden selbst hergestellt. Auch bei Fisch und Backwaren ist die Eigenproduktion überdeutlich. Eigenproduzierten Artikel werden auch in den unterschiedlich positionierten Restaurants angeboten. „Das schafft Profil“, sagt Fernand Massen, der in der 2. Generation hier arbeitet. Sein Vater legte den Grundstein für das Einkaufszentrum.

Fakten im Fokus
  • Verkaufsfläche: 5.000 qm plus 1.000 qm Getränkemarkt
  • Mitarbeiter: 400 davon 350 in Vollzeit
  • Artikel: 35.000
  • Durchschnitts-Bon 58 Euro

Und so steuern die Frischeabteilungen 20 Prozent zum Umsatz bei. Tendenz weiter steigend. Und das im für Deutsche hochpreisigen Umfeld. Nicht alles ist Eigenproduktion. Das „Ergänzungssortiment“ liefert die belgische Alvo-Gruppe (Colruyt) und die Pirmasenser Wasgau. Massen kann in allen Sortimentsbereichen eine enorme Tiefe ausweisen. So ist der Markt auch bekannt für sein Spirituosenangebot. Hier gibt es alles, und die Preise gehen bis zu 2.500 Euro für eine Flasche Whisky. 1.100 verschiedene Spirituosen sind hier zu haben, ergänzt durch 900 Weine. Insgesamt hat der Markt 35.000 Artikel inklusive Frische – nicht mal viel im Vergleich zu deutschen Supermärkten. Aber die Luxemburger konzentrieren sich auf das Wesentliche und schaffen immerhin einen Durchschnittsbon von 58 Euro sowie eine Quadratmeterleistung von 10.000 Euro (ohne Getränkemarkt und ohne die immer noch wichtige Warengruppe Zigaretten). Dabei hilft natürlich die Öffnung am Sonntag – außer Heiligabend ab 16 Uhr, am ersten Weihnachtstag sowie am 1. Januar.

Hochwertige Sortimente können nur in ansprechendem Ambiente verkauft werden. In den 80er-Jahren hatten sich Massen und Laplume entschieden, auf Klasse statt Masse zu setzen und das Unternehmen 1987 bis 1989 rasant saniert (siehe S. 25). Schon damals wurde auf 2.500 qm Verkaufsfläche ausgebaut und auf Eigenproduktion gesetzt. Danach wurde mehrmals umgebaut, 2006 hatten die Betreiber um den Supermarkt eine Reihe anderer Geschäfte und Restaurants gruppiert.

Und jetzt wurde erneut umgebaut. „Wir müssen eine gewisse Zeitlosigkeit erreichen“, sagt Laplume. Auch in zehn Jahren solle das Geschäft noch aktuell sein. Dazu wurde das Laden-Layout komplett neu gedacht. Deutlich wird, dass sich der Ladenbau komplett dem Manufaktur-Gedanken anpasst. Ob natürliche Materialien, anspruchsvolle Fotos oder edle Einrichtung – stets soll die Herstellung für die Kunden transparent sein. Dazu gibt es natürlich breite Gänge, Niedrigregale und viel Platz zum Verweilen. Massen und Laplume dürften sich um die Zukunft des Supermarkts kaum Sorgen machen – er wird auf Jahre Kern und Anziehungspunkt des Centers bleiben.

Dieses bietet mittlerweile 32 Läden (Textil bis Reisebüro), zehn Restaurants und Bistros, Hotel, Business-Center mit aktuell 800 qm, zwei Tankstellen und Waschstraße. Alles in allem wird eine Verkaufsfläche von mehr als 40.000 qm bespielt, 1.100 Parkplätze stehen zur Verfügung, 1,8 Mio. Kunden werden 2016 erwartet.