Glyphosat Neuzulassung weiter offen

Die Neuzulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in der Europäischen Union steht auf der Kippe. Bei einem Treffen nationaler Experten am 7. März 2016  in Brüssel kam nach Angaben von EU-Diplomaten nicht die nötige Mehrheit zustande, am 8. März soll weiter beraten werden.

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Mehrere Staaten, darunter auch die Bundesregierung, haben noch nicht über ihre Position entschieden. Möglicherweise wird die Entscheidung auch komplett vertagt. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Die aktuelle Genehmigung des Mittels läuft noch bis Ende Juni.

In Deutschland laufe die Abstimmung der Ressorts laufe noch, sagte eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin. Grundsätzlich sollte sich aus Sicht von Minister Christian Schmidt (CSU) die Politik nicht an die Stelle der Wissenschaft stellen, die keine unvertretbaren Risiken festgestellt habe. Schmidt prüfe aber, ob es bei diesem Pflanzenschutzmittel "für Profis" Einschränkungen für den privaten Gebrauch geben könnte.

Schweden, Italien, Frankreich und die Niederlande waren am Montag nicht oder noch nicht   bereit, der  Zulassung für weitere 15 Jahre zuzustimmen. In den Niederlanden hatte das Parlament sich für ein Glyphosat-Verbot ausgesprochen. Der zuständige Staatssekretär Martijn van Dam sicherte daraufhin zu, die Regierung wolle auf eine Vertagung der Entscheidung drängen. Es seien weitere Untersuchungen nötig um zu klären, ob das Mittel krebserregend sei. Auch Schweden will zusätzliche Klärung.

Zwölf der 28 EU-Staaten sind nach Angaben von Diplomaten für die Neuzulassung. Einige Hauptstädte wollen sich demnach bei einer Abstimmung enthalten. Von den vier Skeptikern abgesehen sei der Rest unentschieden oder nehme eine unklare Haltung ein, hieß es.

Ob Glyphosat eine Gefahr für den Menschen darstellt, ist umstritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO (IARC) hatte das Mittel vergangenen Sommer als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Im November kam die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hingegen zum Schluss, der Wirkstoff berge vermutlich keine Krebs-Bedrohung für den Menschen. Das entspricht der Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Menschen kommen mit dem Herbizid über Lebensmittel, Trinkwasser oder etwa die Arbeit in der Landwirtschaft in Kontakt.

Zuletzt veröffentlichte die Heinrich-Böll-Stiftung eine Studie, für die Urinproben von über 2.000 Probanden ausgewertet wurden. Dreiviertel der Bundesbevölkerung sind danach deutlich mit Glyphosat belastet. 99,6 Prozent der Proben enthielten eindeutig verifiziere Glyphosat-Rückstände, ein Drittel der Studienteilnehmer hatte mindestens eine 10-fache, manche bis zu 42-fache Menge der für Trinkwasser zulässigen Menge im Urin. Die von der Veterinärmedizinerin Monika Krüger, emeritierte Professorin der Universität Leipzig, betreute Studie ist die weltweit größte bisher durchgeführte Felduntersuchung  zum Nachweis von Glyphosat in Urinen. „Zur gesundheitlichen Bedeutung dieser Ergebnisse müssen weitergehende wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt werden, um Zusammenhänge zwischen der Belastung mit Glyphosat durch Lebensmittel, durch Trinkwasser, durch beruflichen Kontakt etc. und dem Gesundheitsstatus sowie bestimmten Erkrankungen in der Bevölkerung zu erkennen“, sagte die Wissenschaftlerin bei der Vorstellung der Studie Anfang März in Berlin.