Außenhandel Agrar- und Ernährungswirtschaft rutscht in Rekorddefizit

Die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft erwartet für 2024 ein Handelsbilanzdefizit von über 21,5 Milliarden Euro. Die Exporte wachsen deutlich langsamer als die Importe. Jeder dritte Euro der Branche wird im Export verdient; jeder vierte Arbeitsplatz hängt davon ab.

Donnerstag, 08. Januar 2026, 10:40 Uhr
Theresa Kalmer
Rekorddefizit im deutschen Außenhandel mit Produkten der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Bildquelle: Arvid Nordquist HAB

Die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft steuert auf ein Rekorddefizit im Außenhandel zu. Nach vorläufigen Zahlen erwartet die German Export Association for Food and Agriproducts ein Handelsbilanzdefizit von über 21,5 Milliarden Euro für das Jahr 2024. Das Defizit steigt damit um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der Verband mitteilte.

Kretschmer: Weiteren Rückgang nicht zulassen

Den deutschen Einfuhren bis Oktober 2024 in Höhe von 98,5 Milliarden Euro standen Ausfuhren im Wert von nur 81,1 Milliarden Euro gegenüber. Die Importe legten um 1,6 Prozent zu und die Exporte wuchsen lediglich um 0,9 Prozent. Der Verband rechnet für das Gesamtjahr 2024 mit einem Exportwert von 97,5 Milliarden Euro, was einem Plus von 1,7 Prozent entspricht. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 liegt die Branche damit deutlich unter dem Welt- und EU-Durchschnitt und hinter wichtigen Wettbewerbern.

„Das kann nicht unser Anspruch sein“, kommentierte Verbandssprecher Hartmut Kretschmer. „Einen weiteren Rückgang dürfen wir auch mit Blick auf unseren Beitrag zur Ernährungssicherheit in der Welt nicht zulassen. Wir brauchen eine neue Herangehensweise.“ Die Branche verdient nach Angaben des Verbands jeden dritten Euro im Export. Jeder vierte Arbeitsplatz in vorwiegend strukturschwachen Regionen hängt davon ab.

Verband fordert politische Schritte für stärkeren Standort

Der Verband fordert eine Neuausrichtung der Exportunterstützung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Die Agrar- und Ernährungsbranche sei die viertstärkste Exportnation der Welt und fünftstärkste Branche in Deutschland, erläuterte  der Verband.

„Der Standort Deutschland leidet unter zu viel Bürokratie, hohen Energiekosten und politischer Unsicherheit. Hinzu kommt eine im Vergleich zu anderen Ländern schwache Exportförderpolitik“, sagte Jan-Bernd Stärk, stellvertretenden Sprecher der German Export Association for Food and Agriproducts.

Konkret verlangt der Verband ein klares Bekenntnis zum Agrarexport auf höchster politischer Ebene und die Einsetzung eines Export-Verantwortlichen auf Staatssekretärs-Ebene. Zudem fordert er eine integrierte Strategie zur Agrarexportförderung, eine proaktive Wirtschaftsdiplomatie sowie einen regelmäßigen Exportdialog mit der Wirtschaft in Form eines Runden Tisches mit der Hausspitze des Ministeriums.

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