Interview mit Jan Kunath Der Metzger, der saniert, nicht zerlegt

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Jan Kunath, Chef der Discount-Tochter der Rewe Group, ist für den Sanierungsplan von Penny verantwortlich. Der gelernte Metzger hat Erfolg, viel vor und würde seinen Vertrag bei Penny glatt verlängern.

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Rang vier von vier: Penny ist von den vier bundesweit operierenden Lebensmitteldiscountern (Aldi, Lidl, Netto, Penny) seit Jahren das Schlusslicht. Penny-Deutschland-Chef zu sein, ist nichts für Frühstücksdirektoren oder Aussitzer. Der Job ist eine Herausforderung für zähe, knallhart-kalkulierende Macher des Typs „Ärmel hoch und los“. Jan Kunath ist so: Als 1965-er, also einem der geburtenstärksten Jahrgänge, hat er sich durchgekämpft und hochgearbeitet.

In der Gegend von Braunschweig betrieb sein Vater eine Metzgerei, schon als Kind war Sohn Jan bei der Wurstproduktion dabei, sah zu oder half. Er machte eine Metzger-Ausbildung, beendete sie als Innungsbester. Den Meister machte aber nicht mehr, da wusste er längst, dass das nichts für ihn war, er studierte BWL an der FH in Berlin. 1992 kam er zur Rewe Group . In den inzwischen mehr als 20 Jahren hat er viel erlebt, ausgehalten und überstanden: Zunächst war er in führenden Verkaufspositionen im Großhandel tätig, 2006 folgte die Berufung in den Vorstand der Rewe Group Austria, von 2007 bis 2009 war er Vorsitzender der Geschäftsleitung Vollsortiment National, 2009 wurde er Generalbevollmächtigter für das B2B-Geschäft und die Fachmärkte. Seit 2010, und damit so lange in einer Rewe-Group-Position wie noch nie, ist er als Vorstandsmitglied der Gruppe Vorsitzender der Geschäftsleitung Penny National. Und er würde bei Penny glatt verlängern.

2016 soll der Turnaround von Penny Deutschland geschafft sein. Doch auch wenn der Sanierer-Job dann getan ist, Kunath will bleiben und Gas geben. Die aktuell 2.200 Penny-Filialen steigerten ihre Erlöse, bereinigt um planmäßige Schließungen, 2013 um 3,3 Prozent auf 6,8 Mrd. Euro.

Herr Kunath, braucht Deutschland vier national tätige Discounter? Ist Penny nicht eigentlich überflüssig?
Jan Kunath: Vielleicht wären wir es, wenn wir eine Kopie der drei anderen Discounter wären. Deshalb ist ein wesentliches Ziel unseres Sanierungsfahrplans, anders zu sein als die anderen, neue und andere Dinge zu machen, andere Wege zu gehen.

Aber ewig die Nummer vier von vier im Markt zu sein ...
... ist unbefriedigend, keine Frage. Aber auch als Nummer vier kann man versuchen, den Abstand zu verkürzen.

2016 soll der Turnaround geschafft sein. Wird das klappen?
Ja, denn wir sind gut unterwegs. Seit der Aufstellung unseres Sanierungsfahrplans Ende 2010, Anfang 2011 haben wir unsere Ziele aus unserer 5-jährigen Mittelfrist-Planung jedes Jahr erreicht oder sogar übertroffen.

Waren bzw. sind die Ziele so niedrig und einfach zu erreichen?
(Lacht): Nein, überhaupt nicht. Wirklich nicht.

Aber?
Sanierungsprogramme dauern nun mal lange. Man braucht einen langen Atem. Das ist anstrengend, ein langwieriger und zäher Prozess für die ganze Mannschaft, nicht nur für die Management-Spitze, sondern auch für alle zentralen Dienste und die Mitarbeiter in den Filialen.