Einkaufstest Können Lieferdienste den Einkauf ersetzen?

Beruf und Freizeit, Haushalt und Familie – unser Leben verlangt viel, die Ansprüche an die Ernährung steigen, dabei ist Zeit immer knapp. Lieferdienste versprechen Abhilfe. Halten Sie das?

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Wie gut sind Lieferdienste wirklich? Die Redaktion wollte es wissen und testete einige Anbieter in diesem relativ jungen Segment. Diese liefern in der Regel die Zutaten für bis zu drei Mahlzeiten für zwei oder mehr Personen bis an die Haustür. Verpackt wird in einer Tüte oder Kiste. Nur gekocht werden muss noch selber. Ein Angebot, das große Aufmerksamkeit findet und in der Öffentlichkeit auch durchaus kontrovers diskutiert wird. Es gibt bereits diverse Anbieter in Deutschland, unter anderem Hello Fresh, Kochzauber (nicht getestet), TastyBox (nicht getestet), Tischline deck dich (nicht getestet), KommtEssen und Unsere Schlemmertüte. Die Redaktion testete zum Vergleich darüber hinaus auch die stationären Anbieter Kochhaus und Perfetto.

Tester waren mehrere Personen, die exakt der Zielgruppe entsprechen: berufstätige Mütter mit Kindern und zeitlich stark beanspruchte Personen. Neben dem Online-Shop mit Design, System und Sicherheit wurden Bestellung, Service, Lieferung und Qualität unter die Lupe genommen.

KommtEssen


Das ist die „Mutter“ der Lieferdienste. Unternehmenssitz ist Hamburg. Laut Homepage werden die klimafreundlichen Tüten in ca. 30 Städte Deutschlands geliefert. Die Nummer zwei auf der Liste ist Berlin. Doch wie ernüchternd: nach Eingabe der Berliner Adresse erscheint „Bedauerlicherweise können wir Sie noch nicht beliefern.“

Fazit:
ohne Worte

Hello Fresh


Das noch junge, schon geadelte Berliner Unternehmen (Smart Business Awards 2012) überzeugte mit Shop-Design und -System. Lobenswert das Gütesiegel mit Käuferschutz Trusted Shops. Nicht so positiv kamen dagegen die Wahlmöglichkeiten an, denn der Kunde kann nur zwischen einer Fleisch- und einer „Kochen-ohne-Knochen“-Variante entscheiden. Dafür enthielt das Paket Überraschungen: die Unternehmensbroschüre, eine Zeitschrift (ob die wohl bei der Klientel ankommt?) und Kaffee. Die Lebensmittel waren frisch, die Zubereitung einfach und das Ergebnis mundete sehr.

Fazit:
+++ Kontaktoptionen inklusive Live-Chat
++ Zugaben zur Lieferung
-- Lieferzeit

Unsere Schlemmertüte


Bei diesem Test musste auf das herkömmliche telefonische Verfahren zurückgegriffen werden, da es am Bestelltag einen Fehler auf der Website gab. Was gut war, denn die Mitarbeiterin war sehr freundlich und äußerst zuvorkommend. Dieser positive Eindruck war so prägend, dass die Testerin den Lieferdienst auf jeden Fall empfehlen würde. Ein Videoclip zeigt kundenorientiert, wie der Einkauf (theoretisch) funktioniert. Ebenfalls gut an kam das Käuferschutzsiegel Trusted Shops. Zu bemängeln hatte die Testerin nur die lange Wartezeit bis das erste Paket mit den Mitteln zum Leben kam.

Fazit:
+++ Bestellung
++ Gütesiegel
-- Lieferzeit

Perfetto


Die von Perfetto angebotene Genuss-Box ist offline und online erhältlich. Am PoS ist es einfach: Box nehmen, bezahlen, nach Hause tragen, zubereiten und genießen. Online liest der Kunde, dass er sich alles liefern lassen kann, was es im Genuss-Reich gibt. Allerdings muss er dafür in seinem Genuss-Reich anrufen. Doch sollte er vorher prüfen, ob sein Perfetto die Kochgenuss-Box auch anbietet. Zudem sind die Kosten trotz hauseigenen Lieferdienstes unterschiedlich und sehr hoch. Die bestellte Box entpuppte sich als Tüte und kostet für zwei Personen 17 Euro plus günstigster Liefervariante von 18 Euro. An dieser Stelle sei der Vergleich mit Kaiser’s erlaubt: Auslieferung innerhalb von 24 Stunden, Zeitfenster wählbar und über die Stadtgrenze hinaus für 5 Euro. Der Rest war ganz einfach: auspacken, lesen, kochen – genießen.

Fazit:
++ Rezept
--- Bestellung
--- Lieferkosten

Kochhaus


Hamburger und Berliner können beim Kochhaus bis 16 Uhr bestellen, dann erhalten sie ihre Waren noch am selben Tag. Der Mindestbestellwert liegt bei 20 Euro. Unser Lieferort lag außerhalb, dennoch vergingen von Bestellung bis Auslieferung nur gut 48 Stunden.
Die Seite im Netz ist schnell gefunden und einfach. Diverse Medienberichte (Filme) visualisieren die Kochhaus-Idee. Kochkurse, Kochevents, Firmenfeiern und private Feste runden das Angebot ab. Die Lebensmittel selbst kamen bis auf die Kräuter (Spitzen ein wenig welk) in tadellosem Zustand an. Da mehrere Gerichte bestellt wurden, mussten die Zutaten erst den Rezepten zugeordnet werden. Die Portionsgrößen waren optimal, die Zubereitung einfach und die Qualität der besonderen Gerichte sehr gut.

Fazit:
+++ Bestellung
+++ Lieferung
-- Holzwolle (Füllmaterial) hinterlässt beim Auspacken leider überall Spuren.

Die Tester kritisierten vor allem lange Lieferzeiten: Dabei ist ein Angebot gerade für schnell entschlossene Kunden, die von jetzt auf gleich kochen wollen oder müssen, eine tolle Alternative.


Die LP-Tester waren sich einig: Lieferdienste, die Zutaten und Rezepte ins Haus bringen, sind ein tolles Angebot. Dass der Service nicht zum Nulltarif zu haben ist, ist logisch. Natürlich ist es günstiger, selber einzukaufen. Doch sparen Lieferdienste Zeit. Im Supermarkt kann der Kunde wählen. Doch wer die Wahl hat, hat die Qual. Auch beim Kochhaus kann der Kunde zwischen mehreren Gerichten wählen und er muss – wie auch bei Perfetto – kein Abo abschließen. Bei den anderen Lieferdiensten ist das Abo das Ziel. Formulierungen wie „Kündigung spätestens Mittwoch für die nächste Lieferung“ oder „Kündigung 8 Tage nach erster Lieferung“ kamen nicht gut an. Die Tester fragten sich, was gegen eine Bestellung ohne Abo spricht?

Alle Testpersonen kritisieren die langen Lieferzeiten. Dabei ist das Angebot insbesondere für schnell entschlossene Kunden, die von jetzt auf gleich kochen wollen oder müssen, eine tolle Alternative. Der Vierseithof (Hotel mit Gastronomiebetrieb) in Luckenwalde etwa bietet seinen Gästen die Vierseithof-Tüte an. Der Kunde bestellt bis 18 Uhr für 2, 4 oder 6 Personen und kann die Zutaten mit Kochanleitung sowie mit und ohne Wein am selben Abend (Dienstag bis Sonntag) nach 18 Uhr abholen. Zugegeben – es muss abgeholt werden, aber das Beispiel zeigt, dass es möglich ist, schnell zu sein und dass es nicht gleich ein Abo sein muss und dass die Idee nicht nur in der Großstadt Anklang findet.

Checkliste
Darauf sollten Online-Anbieter achten:
  • Bild oder Video: Die Angebote sollten immer visualisiert werden
  • Nachvollziehbare Navigation: alle notwendigen Informationen müssen mit wenigen Klicks erreichbar sein und stimmen; offene Fragen müssen schnell klärbar sein
  • Lokal und mobil: Smartphone App anbieten
  • Klare und einfache AGB: Rückgaberecht, Versandkosten, etc.
  • Lieferzeit, Lieferbarkeit, Verfallsdaten: kurze Lieferzeiten sind wichtige Entscheidungshilfen für die Nutzer dieser Online-Dienstleistung; Zeitfenster sollten wählbar sein
  • Bewertungen, Empfehlungen, Testurteile, Gütesiegel: Qualität attestieren lassen und visualisieren; Herkunft, Aufzucht, Haltung ...
  • Service: unterschiedliche Bezahlmodalitäten, saubere passende Verpackung, Menü oder Warenkorbvorschläge, Rezepte, aber auch Geschirr- und Gastromöbel-Vermietung sowie Vermittlung von Mietköchen
  • Support oder Beratung
  • Kontaktoptionen und Ansprechpartner immer angeben

 

Bildquelle: Schulz