Länderreport Sachsen-Anhalt:Brücken bauen

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Länderreport Sachsen-Anhalt Brücken bauen

Die beiden Netzwerke der Ernährungsindustrie bündeln ihre Energien, bei der AMG gab es nach 17 Jahren einen Wechsel an der Spitze: Es tut sich einiges in der Branche in Sachsen-Anhalt.

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Neue Besen kehren gut. Umgekehrt heißt es aber auch: Bewährtes bewahren. Die Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH (AMG) wird beides sinnvoll vereinen: Bewährtes bewahren, Neues wagen. Denn nach 17 Jahren der Spitze der AMG übergab Thomas Lange den Staffelstab an Jörg Bühnemann. Für diesen ist die „AMG Dienstleister für das gesamte Ernährungsgewerbe, für die Landwirtschaft und für die Ernährungsindustrie, für die Großen und für die Kleinen.“ Das schließe die Direktvermarkter ein. Für diese nicht zu unterschätzende Gruppe wird die AMG eine Reihe von Maßnahmen zur Unterstützung auflegen, kündigte Bühnemann an.

Doch damit nicht genug an Neuem: Im September schlossen sich die bislang getrennt operierenden Netzwerke der Ernährungswirtschaft zusammen. Nord- und Südvereinigung gründeten das neue Netzwerk Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt.

Zum Vorsitzenden des Sprecherrats bestimmten die Mitglieder Michael Heinemann, der diese Funktion bereits im Netzwerk des Südens innehatte. Heinemann zu seiner Marschrichtung: „Wir haben es uns auf die Fahnen geschrieben, unsere Wettbewerbsfähigkeit durch mehr Innovationen auszubauen.“ Um die Organisation kümmert sich die Weißenfelser Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, in Magdeburg wird ein Kontaktbüro eröffnet.

Der regionale Schwerpunkt des Netzwerks liegt im Süden, dennoch versteht sich das gemeinsame Bündnis als Interessenvertreter der gesamten Branche. Im nördlichen Netzwerk waren bis zum Zusammenschluss 35 Partner und im südlichen Netzwerk 27 Partner organisiert. Die Partner kommen aus der Ernährungsindustrie, Forschungseinrichtungen und weiteren Institutionen. Das Netzwerk ist offen für weitere Unternehmen der Branche.

Der neue AMG-Vorsitzende Jörg Bühnemann hat sich einiges vorgenommen für seine Tätigkeit in der AMG. Wobei ihm sein Vorgänger Thomas Lange ein gut bestelltes Haus übergeben konnte. Der 37-jährige Bühnemann, ein gebürtiger Magdeburger, war sein Wunschkandidat gewesen. Bühnemann sagt von sich: „Ich komme aus der Region, bin tief in ihr verwurzelt und fühle mich ihr verbunden. Und ich bin ein bekennender Genussmensch.“

Gesellschafter der AMG sind neben dem Land Sachsen-Anhalt mit rund 25 Prozent Anteil der Landesbauernverband Sachsen-Anhalt, der Verband der Ernährungswirtschaft Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt, der Marketingpool Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt und der Landvolkverband Sachsen-Anhalt.

Vernetzung vorantreiben
Bühnemann sieht seine erste und wichtigste Aufgabe in der Beratung. Die weitere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft wird ein weiterer Arbeitsschwerpunkt der AMG sein. Der Zusammenschluss der beiden Netzwerke sei dazu ein erster, zwingend notwendiger Schritt in diese Richtung gewesen. Das Vorantreiben von Innovationen werde immer wichtiger. Wobei Innovationen nicht mit Produktinnovationen gleichzusetzen seien: „Bei Innovationen geht es heute immer öfter um Prozesse, ums Marketing und um Organisationsstrukturen“, sagt Bühnemann. Die AMG als Schnittstelle zur Politik – und seit der jüngsten Landtagswahl zu einem grün geführten Ministerium für Umwelt-, Landwirtschafts- und Energie – nimmt hier eine Schlüsselrolle ein, denn der Regionalität, den Regional-Marken und dem Bio-Öko-Landbau werde nun ein höherer Stellenwert als in der Vergangenheit zukommen.

Doch bei aller Regionalität, die beim Verbraucher hoch im Kurs steht, gelte es, den Export zu forcieren, machte Bühnemann klar. Eine weitere, wichtige Aufgabe sei die Intensivierung der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft.

Für Bühnemann ist zudem Transparenz wichtig. Ihm geht es um klar erkennbare Strukturen und Strategien der Branche. So müsse die Außendarstellung das Image unterstützen. Da passt es prima, dass die AMG auf der nächsten Grünen Woche mit einem Bio-Café aufwarten wird. Die Messe läuft vom 20. bis 29. Januar 2017. Sachsen-Anhalt wird sich den Besuchern wieder in der Halle 23b präsentieren. Am 23. Januar wird zudem der Sachsen-Anhalt-Tag begangen.

Bei all den neuen oder besser gesagt neu definierten Aufgaben wird an Bewährtem festgehalten. So wurde am dritten Wochenende im September das Landeserntedankfest begangen. Zum zweiten Mal fand im Oktober der Mitteldeutsche Ernährungsgipfel statt. Organisator ist dieses Mal Sachsen-Anhalt. Und die dritte Mitteldeutsche Warenbörse steht nahezu schon in den Startlöchern – jedenfalls haben die Organisatoren bereits jetzt alle Hände voll zu tun.

Zahlen und Fakten aus Sachsen-Anhalt

18,9%
Die Ernährungsindustrie ist in Deutschland die drittgrößte Industrie. In Sachsen-Anhalt ist sie mit einem Umsatzanteil von 18,9 Prozent – neben der Chemie – die größte Industriebranche im Bundesland. Sie ist für den Wohlstand, die Stabilität und die Beschäftigung unverzichtbar.

4,8%
4,8 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten Sachsen- Anhalts sind in der Branche – inklusive Land- und Forstwirtschaft – tätig. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt dieser Anteil 2,9 Prozent.

7,27 Mrd
Beim Umsatz gibt es keinen Zuwachs. Wurden 2014 noch 7,71 Mrd. Euro erlöst, so waren es 2015 etwa 7,27 Mrd. Euro. Wobei sich die Ernährungsindustrie des Landes in guter Gesellschaft befindet, denn die Branche insgesamt entwickelt sich ebenso.

15,9%
Reserven hat Sachsen- Anhalt allerdings beim Export. Liegt die Exportquote im Landesdurchschnitt bei 20,7 Prozent, so bringen es die Firmen Sachsen-Anhalts auf 15,9 Prozent. Gewiss, die Ernährungsbranche setzt sich nicht nur aus großen Unternehmen zusammen, aber auch die mittelständischen Firmen der Ernährungsbranche können durch den Ausbau des Exports das Geschäft ankurbeln.

29%
Positiv steht die Ernährungsbranche Sachsen- Anhalts beim Umsatz je Mitarbeiter und beim Umsatz je Betrieb dar. Beim Umsatz pro Mitarbeiter liegt Sachsen- Anhalt mit ca. 25 Prozent und beim Umsatz/Betrieb mit ca. 29 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

3,9%
Erste positive Zahlen – Zuwachs der Industrieumsätze von 3,9 Prozent per Februar – lassen ein stabiles 2016 vermuten.