Fleischindustrie Vion schreibt Verlust und verkauft deutsche Standorte einzeln

Der niederländische Fleischkonzern Vion steht kurz vor dem Abschluss seines Rückzugs aus Deutschland. Nachdem das Kartellamt die ursprüngliche Transaktion untersagt hatte, veräußert das Unternehmen seine Standorte nun separat. Gleichzeitig verbucht Vion für 2025 einen Nettoverlust von gut 61 Millionen Euro.

Mittwoch, 07. Oktober 2026, 14:36 Uhr
Manuel Glasfort
Vion hat den Verkauf seiner deutschen Standorte fast abgeschlossen. Bildquelle: Vion Food Group

Die Vion Food Group steht nach eigenen Angaben kurz vor dem Abschluss des Verkaufs ihrer deutschen Aktivitäten. Bereits 2023 hatte der niederländische Fleischkonzern entschieden, sich aus Deutschland zurückzuziehen. Mitte 2025 untersagte jedoch das Bundeskartellamt die ursprünglich geplante Transaktion. Konkurrent Tönnies hatte mehrere Standorte übernehmen wollen. Daraufhin startete Vion im Februar 2026 einen neuen Verkaufsprozess, bei dem die einzelnen Standorte und Geschäftsbereiche separat veräußert werden.

Zwei Verkäufe sind laut der Mitteilung bereits abgeschlossen: Den Standort Buchloe übernahm die ABP Food Group, die Rind- und Schweinefleischaktivitäten in Crailsheim gingen an Boeser Frischfleisch. Für den Verkauf der deutschen Food-Service-Aktivitäten an Group of Butchers lägen alle erforderlichen Genehmigungen vor, der Abschluss sei für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Der Verkauf des Standorts Waldkraiburg an OSI Europe Foodworks stehe noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung. Den Standort Hilden habe Vion geschlossen. „Der Prozess hat länger gedauert, als wir zu Beginn erwartet hatten“, erklärte Vorstandschefin Tjarda Klimp laut der Mitteilung. „Mit dem bevorstehenden Abschluss des Verkaufs unserer deutschen Aktivitäten wird Vion künftig sein internationales Geschäft ausschließlich von den Niederlanden aus führen.“

Parallel zum Verkaufsprozess veröffentlichte Vion seine Finanzergebnisse für 2025. Das Nettoergebnis lag bei minus 61,2 Millionen Euro. Darin enthalten sei ein Einmaleffekt von 33 Millionen Euro aus der Nichtaktivierung latenter Steueransprüche, so das Unternehmen. Der Umsatz stieg den Angaben zufolge leicht um 1,3 Prozent auf 4,17 Milliarden Euro, nach 4,12 Milliarden Euro im Vorjahr. Das normalisierte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um 12 Prozent von 51,9 auf 58,1 Millionen Euro zu. Beim normalisierten operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern erzielte Vion nach einem Verlust von 5,7 Millionen Euro im Vorjahr wieder einen positiven Wert von 1,2 Millionen Euro.

Chinas Importzölle treffen Vion härter als die Konkurrenz

Das erste Halbjahr 2025 verlief laut Vion deutlich besser als das zweite. Nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Deutschland sei vorübergehend die Exportnachfrage aus den Niederlanden gestiegen. Ab dem Sommer verschlechterte sich das Marktumfeld nach Unternehmensangaben jedoch. China setzte im Dezember 2025 Importzölle auf europäisches Schweinefleisch durch. Für Vion sei ein Zollsatz von 19,8 Prozent festgesetzt worden – etwa doppelt so hoch wie für die wichtigsten niederländischen Wettbewerber. Zusätzlich belastete der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Spanien im November 2025 den europäischen Markt. Im Rindfleischgeschäft drückten anhaltend hohe Rinderpreise die Margen.

Vion sicherte sich nach eigenen Angaben zudem eine neue Finanzierung mit einer Laufzeit von drei Jahren. Künftig will sich das Unternehmen auf seine Aktivitäten in den Benelux-Ländern konzentrieren und dort in Konzepte mit stärkerem Fokus auf Nachhaltigkeit und Tierwohl investieren. Das Unternehmen beschäftigte 2025 nach eigenen Angaben 7.294 Mitarbeiter.

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