Hawesko setzt im schrumpfenden Weinmarkt auf Profitabilität statt Volumen. Der Hamburger Weinhändler erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 274,8 Millionen Euro, 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Eine separate Absatzmenge nennt der Halbjahresbericht nicht. Hawesko verweist jedoch auf eine zurückhaltende Nachfrage und geringere Durchschnittsumsätze je Einkauf. Der langfristig sinkende Weinkonsum, die schwache Konsumstimmung sowie höhere Energie- und Logistikkosten belasten das Geschäft zusätzlich.
Der Konzern gab zudem bewusst rund 5 Millionen Euro unrentable B2B-Umsätze auf. Diese Entscheidung drückte den Umsatz, verbesserte aber die Ertragsqualität: Die Rohertragsmarge stieg von 43,9 auf 45,2 Prozent. Der Rohertrag sank damit nur um 0,9 Prozent auf 124,2 Millionen Euro. Das Kostenprogramm „FOKUS“ senkte den Personalaufwand um 3,3 Prozent auf 36,5 Millionen Euro. Gleichzeitig investierte Hawesko stärker in Neukundengewinnung, IT und KI: Die Werbeausgaben stiegen um 3,1 Prozent, die sonstigen Kosten vor allem wegen der IT-Investitionen um 2,8 Prozent.
Konzernjahresüberschuss bricht um ein Viertel ein
Trotz des besseren Wareneinsatzes gingen die Ergebnisse zurück. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank von 18,8 auf 17,7 Millionen Euro, der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 6,1 auf 5,1 Millionen Euro. Der Konzernüberschuss fiel um rund ein Viertel auf 1,0 Millionen Euro. Auch die operative Ebit-Marge gab von 2,1 auf 1,9 Prozent nach.
Im Retailgeschäft hielten sich Jacques’ und Wein & Co. vergleichsweise stabil. Der Umsatz sank um 1,5 Prozent auf 99,1 Millionen Euro. Jacques’ profitierte von Neueröffnungen und lag nur 0,8 Prozent unter Vorjahr. Wein & Co. litt dagegen unter einem schwachen Onlinegeschäft; der Wechsel des Logistikdienstleisters sorgte im Juni zusätzlich für Anlaufschwierigkeiten. Das operative Ebit im Segment sank von 5,3 auf 4,7 Millionen Euro.
B2B-Geschäft profitabler trotz sinkenden Umsatzes
Das B2B-Segment zeigt dagegen, dass Margendisziplin wirken kann. Der Umsatz im Geschäft mit Unternehmenskunden fiel um 4,9 Prozent auf 87,9 Millionen Euro. Neben dem bewusst aufgegebenen Geschäft fehlten ein wichtiger Spirituosenlieferant und Umsätze mit LEH-Kunden. Dennoch stieg das operative Ebit von 2,4 auf 2,6 Millionen Euro, die Ebit-Marge von 2,6 auf 3,0 Prozent. Höhere Rohmargen und striktes Kostenmanagement kompensierten die Erlösverluste.
Sorgen bereitet vor allem das E-Commerce-Segment. Der Umsatz sank um 4,7 Prozent auf 87,8 Millionen Euro. Höhere Ausgaben für Werbung, Fracht, Logistik und IT ließen das operative Ebitda von 4,4 auf 2,2 Millionen Euro einbrechen; das operative Ebit halbierte sich fast auf 0,7 Millionen Euro. Hawesko gewinnt zwar mehr Neukunden, doch VINOS und HAWESKO kämpfen weiter mit der schwachen Nachfrage. Der Vorstand will deshalb im dritten Quartal einen Sanierungsplan beschließen und die Onlineaktivitäten ab Herbst umfassend umbauen.
Konzern erwartet bis zu 4 Prozent Umsatzrückgang
Weil das dritte Quartal bislang hinter den Erwartungen bleibt, senkt Hawesko die Jahresprognose. Der Konzern rechnet nun mit 2 bis 4 Prozent Umsatzrückgang und einem operativen Ebit von 23 bis 26 Millionen Euro. Zuvor hatte das Management noch Umsatzwachstum und bis zu 32 Millionen Euro Ebit in Aussicht gestellt.