Die Preise für Schokolade sinken in Deutschland teilweise wieder. Große Lebensmittelhändler haben die Verkaufspreise zahlreicher Eigenmarkenprodukte erstmals seit langem reduziert. Eine Tafel Vollmilchschokolade kostet nun 89 Cent, eine mit ganzen Haselnüssen 1,29 Euro - jeweils 10 Cent weniger als zuvor. Grund für die Preissenkungen sind höhere Ernten in den wichtigsten Anbauländern.
Deutlich höhere Erntemengen in der Elfenbeinküste und Ghana
„Die Ernten in der Elfenbeinküste und Ghana sind deutlich höher ausgefallen, die Exportmengen höher und Einkaufspreise entsprechend gesunken“, erläuterte Finn Ole Semrau, Handelsexperte am Kiel Institut für Weltwirtschaft. Die Rohkakaopreise an den Rohstoffbörsen sind zuletzt deutlich gefallen. Der von der internationalen Kakaoorganisation ermittelte Tagespreis lag Ende vergangener Woche nur noch bei knapp 3.500 Euro pro Tonne. Laut Semrau liegt er damit auf dem Stand vor der Krise. Dass auch die Verbraucherpreise wieder das frühere Niveau erreichen könnten, glaubt er jedoch nicht.
2024 lag Tagestonnenpreis bei mehr als 10.000 Euro
In den vergangenen Jahren war Schokolade deutlich teurer geworden. Ursache waren gestiegene Rohstoffkosten. 2024 stieg der Tagespreis pro Tonne zeitweise auf deutlich mehr als 10.000 Euro. Hintergrund waren befürchtete Ernteausfälle in Westafrika durch Pflanzenkrankheiten und Extremwetter. Laut Statistischem Bundesamt kostete eine Schokoladentafel im Dezember im Schnitt 69 Prozent mehr als 2020, Riegel oder andere Schokoladenerzeugnisse fast 72 Prozent. Besonders stark fiel der Anstieg bei den nun reduzierten Eigenmarken der Handelsketten aus. Der Preis für eine Tafel Vollmilch war laut der Vergleichsapp Smhaggle zwischen 2022 und 2025 von 49 auf 99 Cent gestiegen.
Verbraucher kaufen weniger Schokolade
Die Konsumenten griffen zuletzt seltener zu Schokolade. Einer Umfrage von Yougov zufolge kauft jeder Zweite deutlich oder etwas weniger als vor zwei Jahren, 39 Prozent etwa gleich viel, nur 5 Prozent mehr. Laut der Marktforschungsfirma NIQ ging die Zahl der verkauften Packungen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent zurück, bei Weihnachtsschokolade sogar um 12 Prozent. Verbraucher kauften häufiger Sonderangebote und Eigenmarken. Markenhersteller verzeichneten deshalb teilweise Verluste. Ritter Sport schrieb im vergangenen Jahr trotz höherer Umsätze rote Zahlen.
Semrau: Weitere Anbieter werden Preise senken
Die jüngsten Preissenkungen betreffen bislang nur Eigenmarken von Discountern und Supermärkten. Der Handel gebe Vorteile im Einkauf aktuell direkt an Verbraucher weiter, teilte Philipp Hennerkes, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, mit. Ökonom Semrau rechnet damit, dass weitere Anbieter folgen und Preise ebenfalls senken. Ob auch Markenprodukte günstiger werden, ist bislang offen.
Der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli teilte auf Nachfrage mit, die Preise derzeit nicht senken zu können. Kakao werde langfristig eingekauft. Zudem lägen die Preise über dem Niveau der vergangenen Jahre. Ritter Sport und Mondelez äußerten sich nicht. Mondelez hatte im vergangenen Jahr nicht nur die Preise erhöht, sondern auch den Packungsinhalt etlicher Milka-Sorten reduziert.


