Die Europäische Union hat die jüngste Kritik von US-Präsident Donald Trump am Handelsdefizit mit den Vereinigten Staaten zurückgewiesen. Die von Trump genannte Zahl eines Defizits von 350 Milliarden Dollar (336 Mrd. Euro) zuungunsten der USA entspreche nicht den Tatsachen, teilte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel mit.
Nach EU-Zahlen exportierten die USA im Jahr 2023 Waren im Wert von 347,1 Milliarden Euro in die EU. Die EU führte im gleichen Zeitraum Waren im Wert von 503,8 Milliarden Euro in die USA aus. Bei Dienstleistungen liegt der Vorteil dagegen bei den USA: Diese exportierten Dienstleistungen im Wert von 396,4 Milliarden Euro in die EU, während die EU Dienstleistungen im Wert von 292,4 Milliarden Euro in die USA ausführte. „Wir haben einen Überschuss im Warenhandel, während die USA einen Überschuss im Dienstleistungshandel haben“, erläuterte der Kommissionssprecher.
EU-Kommission bereit zu konstruktiven Gesprächen
Der Kommissionssprecher sagte, Ziel sei es, in konstruktiver Weise mit der neuen US-Regierung zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig sei man aber bereit, die legitimen Interessen der EU zu verteidigen, falls dies notwendig werden sollte.
Trump hatte am Montag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus der EU mit neuen Zöllen gedroht. „Sie behandeln uns sehr, sehr schlecht. Also werden sie mit Zöllen rechnen müssen“, sagte der US-Präsident. Ein zentraler Vorschlag von Trumps Wiederwahlkampagne 2024 war ein möglicher Zoll von zehn Prozent auf alle in die USA exportierten Waren aus der EU.
Der SPD-Handelsexperte Bernd Lange sieht laut der EU-Kommission dennoch Verhandlungsspielraum. Um das Warenhandelsdefizit zu senken, könnte die EU mehr Flüssigerdgas, Militärtechnik und Agrargüter aus den USA importieren. Auch eine Senkung der EU-Importzölle für US-Autos von derzeit 10 Prozent auf das US-Niveau von 2,5 Prozent sei denkbar.
