Greenpeace:Kritik an Siegeln für Schweinefleisch

Bildquelle: Gettyimages

Greenpeace Kritik an Siegeln für Schweinefleisch

Trotz zahlreicher Qualitätssiegel auf konventionell erzeugtem Fleisch erfahre der Kunde nur wenig darüber, unter welchen Bedingungen das Tier gehalten wurde, kritisiert die Umweltorganisation Greenpeace.

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In dem heute veröffentlichten Siegel-Ratgeber für Verbraucher bewertet die Organisation die gängigen Siegel für Schweinefleisch.  Für den Verbraucher besonders trügerisch sei die "Initiative Tierwohl" des deutschen Einzelhandels, mit dessen Logo vor allem Lidl und Aldi werben. Die so gekennzeichneten Fleischprodukte stammten jedoch nur zu einem kleinen Teil aus Tierställen der Initiative, kritisiert Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Stephanie Töwe. Zudem liegen die Vorgaben der "Initiative Tierwohl" nur geringfügig über den gesetzlichen Mindeststandards. Diese lassen es unter anderem zu, den Schweinen die Ringelschwänze abzuschneiden und sie ohne Tageslicht und Auslauf auf engstem Raum zu halten. Tausende Tiere dürfen Antibiotika erhalten, wenn auch nur ein Schwein erkrankt ist. Gut schneiden die Siegel von Bio- oder Neuland-Fleisch ab. Hier  könnten Verbraucher davon ausgehen, dass die Tiere artgerechter und umweltverträglicher leben durften als in konventioneller Haltung.

Eine deutliche Haltungskennzeichnung wie bei frischen Eiern wünschen sich nach einer Greenpeace-Umfrage aus dem Januar 89 Prozent der Verbraucher. Wie das gehen kann, zeigen bereits andere Länder in Europa: Dänemark hat am 1. April eine gesetzliche Haltungskennzeichnung für Schweinefleisch eingeführt. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hingegen belasse  es derzeit bei Ankündigungen zu einem "Tierwohl-Siegel", für das es bisher keine konkreten Kriterien gibt. "Wir brauchen eine Kennzeichnungspflicht. Ein weiteres freiwilliges Siegel wird nicht helfen, die Zustände in deutschen Ställen zu verbessern", sagt Töwe.