Frankreich Berg-Supermärkte: Wie Handelsketten Skitouristen gewinnen

Hintergrund

In französischen Ski- und Tourismusgebieten machen Händler wie Sherpa, Carrefour und Spar vor, wie sie mit besonderem Service Kunden gewinnen.

Donnerstag, 05. November 2026, 13:49 Uhr
Bettina Röttig
Artikelbild Berg-Supermärkte: Wie Handelsketten Skitouristen gewinnen
In Tignes punktet Spar mit attraktiven Bedienungstheken und ausgewählten Weinen und Champagner-Jahrgängen für bis zu 500 Euro pro Flasche.
Alpine Ästhetik: Carrefour hat seine Bergmärkte weiterentwickelt. Sie zeichnen sich durch ein warmes, modernes Design aus. Bildquelle: Bettina Röttig

Ganze 21 Haarnadelkurven führen hoch nach Alpe d’Huez, der legendären Etappe der Tour de France. Hartnäckig kämpfen sich jeden Sommer ambitionierte Radfahrer und Bergtouristen, die von Fans in bunten Farben bemalte Straße hinauf. Im Winter zieht der Ort auf 1.860 Metern internationale Skitouristen an. Nicht nur für Hotels und Restaurants sind die Besucher attraktiv. Auch Lebensmittelhändler wie Sherpa, Carrefour und Spar nehmen eine aufwendige Logistik in Kauf, um diese als Kunden zu gewinnen. Die Ketten haben eigene Marktkonzepte für die besonderen Bedürfnisse der Bergtouristen entwickelt. In den französischen Alpen, den Pyrenäen und im Jura überraschen diese mit ausgefeilten Sortimenten und Dienstleistungsangeboten.

Warum es den Aufwand lohnt, zeigt ein Blick auf die Tourismuszahlen. Die Ski- und Bergregionen Frankreichs zählen zu den beliebtesten der Welt. Mit 56,1 Millionen Skifahrertagen im Winter 2025/2026 lag Frankreich auf dem ersten Platz unter den weltweiten Skidestinationen.

Sherpa: Nahversorger mit Urlaubsservice

Seit 1988 hat sich die Marke Sherpa als Nahversorger in den Bergregionen etabliert. Die genossenschaftlich organisierte Kette (Umsatz 2024/25: rund 140 Millionen Euro) ist heute nach eigenen Angaben mit 125 Geschäften in den französischen Bergregionen vertreten. Die Öffnungszeiten sind saisonal und standortabhängig: Während der Winter- und Urlaubssaison haben die Geschäfte meist auch sonntags geöffnet. Das Angebot richtet sich an Feriengäste, Dauerbewohner und Saisonarbeiter. Die Kleinflächen zwischen 60 und 500 Quadratmetern bieten frische Lebensmittel, regionale Spezialitäten und Dienstleistungen, die auf Urlaubs- und Wintersaisonbedürfnisse zugeschnitten sind. Im Schnitt können Kunden aus rund 3.000 Produkten auswählen. Regionale Produkte machen 15 Prozent des Sortiments aus. Unter der Eigenmarke „Terre de l’Alpe“ finden Kunden Produkte kleiner lokaler Erzeuger und Manufakturen, von Backwaren über Käse- bis Wurstspezialitäten. Der Bio-Anteil liegt bei 6 Prozent.

Die Sherpa-Supermärkte bieten Kunden den kostenlosen Verleih von Raclette-Geräten, Fondue-Sets, Grillsteinen und Schneeschaufeln an. Kunden können ihre Einkäufe online bestellen und sich diese liefern lassen. Um Verschwendung entgegenzuwirken, nehmen die Märkte nicht verbrauchte haltbare Produkte am Ende des Aufenthalts zurück und erstatten den Kaufpreis, sofern die Kunden sie in der Originalverpackung aufbewahrt haben.

Die neue Generation der Sherpa-Märkte setzt auf Naturholz als Symbol für die Bergwelt, kombiniert mit einem dunklen Grün, das an die Vegetation der dort vorkommenden Baumarten erinnern soll und die Muster und Texte in Weiß hervorhebt. Auf Bildschirmen laufen Filme, die Genossenschaftsmitglieder, die Produkte und Erzeuger in den Fokus stellen. Die Gruppe wirbt für das Franchise-Modell „in einem Markt mit 1,3 Millionen Touristenbetten“ und einem Durchschnittsertrag (rendement moyen) von 6.526 Euro pro Quadratmeter.

Carrefour Montagne: Convenience für Skigebiete

Das Vertriebskonzept „Carrefour Montagne“ ist ein hoch spezialisiertes Convenience-Format der französischen Handelsgruppe. Es gehört zur Sparte Carrefour Proximité (Nachbarschafts- und Kleinmärkte) und wurde speziell für Skigebiete, Tourismusregionen und höhergelegene Bergdörfer entwickelt.

Die aktuell rund 25 bis 30 Märkte sind 200 bis 500 Quadratmeter groß. Holz, Chalet-Optik und regionale Spezialitäten prägen den Auftritt, und die Verkaufsfläche ist auf schnelle Orientierung ausgelegt. Das Sortiment soll Alltag und Urlaub verbinden. Der Kern sind Drogerie, Obst und Gemüse sowie Eigenmarken. Dazu kommen lokale Käse, Salami, Weine, hochpreisiger Champagner und Fertiggerichte für Skifahrer. Außerdem gibt es Souvenirs, Kleidung, Bergausrüstung, eine Buchhandlung und eine Unverpackt-Station mit Bio-Produkten.

Den Verleih für Raclette und Fondue gibt es in nahezu allen Märkten. In Avoriaz bietet Carrefour einen Express-Lieferservice mit Zeitfenster am Anreisetag. In Les Arcs 1950 gibt es einen „Walk-in Drive“: online bestellen, gepackt abholen. Auf Bestellung bereitet der Markt Platten für Fondue oder Raclette vor. In Valloire steht ein ganzjährig geöffneter Waschsalon. In Barcelonnette gibt es einen Eis-Kiosk vor dem Markt. Dort füllen Kunden Eiswürfel für ihre Thermoboxen ab.

Laut Konzeptpräsentation öffnen die Märkte zwischen sieben und zwölf Monaten im Jahr. Carrefour meldet für das Format 600 bis 1.200 Kunden pro Tag mit einem Durchschnittsbon von 16 Euro. Den Quadratmeterumsatz gibt der Händler mit 6.000 bis 14.000 Euro an, der Jahresumsatz liegt zwischen 1,5 und 4,5 Millionen Euro.

Spar: Internationale Gäste im Blick

Die Marke Spar (Plesio; ehemals Groupe Casino) betreibt nach eigenen Angaben 74 Märkte in Bergregionen Frankreichs, in Skistationen wie Val d’Isère, Tignes, Val Thorens oder Chamonix. Der Vorteil: Viele internationale Kunden dürften die Marke kennen.

Im Sommer 2025 stellte Plesio das neue Format Spar Origines in Luynes vor. Der Snacking-Bereich wurde um rund 35 Prozent vergrößert. Auch regionale Produkte stehen stärker im Fokus. Für die Berge setzt Spar auf helle Holzverkleidungen, warmes Licht und eine gedeckte Farbpalette. Der erste Pilotmarkt öffnete in Méribel.

In Tignes beispielsweise überrascht Spar mit runden Kuchenvitrinen, einem großen Angebot frischer Convenience-Produkte sowie Wein und Champagner für bis zu 500 Euro pro Flasche. Viel Holz und Dekorationen vermitteln Wohlfühlatmosphäre.

Am Ende jeder Wintersaison prüfen Produkt- und Logistikteams, welche Produkte sich gut verkauft haben, auch bei Packungsgrößen und Eigenmarken, erklärt Spar International gegenüber der Lebensmittel Praxis. Vor der Wiedereröffnung treffen sie die saisonalen Teams, stellen neue Produkte vor, besprechen Regalpläne und bestätigen die Öffnungstermine, damit die Lieferungen passen.

Das Sortiment richtet sich nach den Ferienkalendern internationaler Gäste. Erwarten die Märkte britische Urlauber, steht mehr Frischmilch im Regal, gibt das Unternehmen ein Beispiel. Lokale Käse, Weine und Trockenwurst spielen eine große Rolle, einige Märkte führen zusätzlich eine größere Auswahl an Premiumweinen.

Je nach Markt können Kunden einen Raclette-Grill ausleihen, sich liefern lassen oder Brot am Vortag bestellen. Einige Märkte übernehmen zudem die Schlüsselübergabe für Vermieter von Ferienwohnungen und deren Gäste. Zu den Quadratmeterumsätzen machte das Unternehmen keine Angaben.

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Bild öffnen In Tignes punktet Spar mit attraktiven Bedienungstheken und ausgewählten Weinen und Champagner-Jahrgängen für bis zu 500 Euro pro Flasche.
Bild öffnen Carrefour Montagne in Valloire.