Ausbildung:Kreativ-Cups

Bildquelle: Eilers

Ausbildung Kreativ-Cups

Nachhaltig und nachahmenswert: ausgezeichnete Projekte, welche die Ausbildung im Handel verbessern. Ideen, die mit einem Kreativ-Cup belohnt wurden.

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Im Wettbewerb „Ausbilder des Jahres“ kürt die Fachjury jedes Jahr besondere Projekte aus dem Ausbildungsbereich. Sie haben Vorbild-Charakter für die gesamte Branche und zeichnen sich durch ihre Nachhaltigkeit aus. Die Preisträger wurden bei der Preisverleihung in Bonn geehrt – darüber haben wir bereits in der vorherigen Ausgabe berichtet. Die drei prämierten Projekte verfolgen unterschiedliche Ansätze: der erste fördert den Kunstgedanken, der zweite ist eher sportlicher Natur, der dritte naturverbunden. Was die Projekte im Einzelnen auszeichnet, lesen Sie im Folgenden.

Im nächsten Jahr feiert der „Ausbilder des Jahres“ sein Zehnjähriges. Machen Sie mit – der Startschuss fällt im April 2014. Ein Tipp: Fotografieren Sie ab sofort Ihre eigenen Projekte. So haben Sie Material für Ihre Bewerbung im kommenden Frühjahr!

Alnatura

Alnatura: Kunst im Markt

Natascha Böcker, von Haus aus Künstlerin und Kunsttherapeutin, ist seit 2008 im Unternehmen Alnatura beratend tätig. Sie hat ein Projekt mit dem Titel „FilialART“ entwickelt und realisiert, bei dem sieben Lernende (so heißen die Azubis intern bei Alnatura) Kunstaktionen in einem Markt zeigen und darstellen konnten. Das Unternehmen bietet schon länger einen Theaterworkshop für seine Auszubildenden an. Natascha Böcker hat das Bildungsangebot 2012 um den Bereich der Bildenden Künste erweitert.

Vor dem eigentlichen Aktionstag haben sich die Azubis zu zwei Workshops getroffen. Im November 2012 zeigten sie dann ihre Kunst im „Super Natur Markt“ in Bonn-Beuel, dabei wurde das Thema „Welt der Schöpfung“ auf verschiedene Weise bearbeitet. So gab es Pantomime mitten in der Filiale. Zudem haben die jungen Künstler den Raum als Atelier genutzt, es wurde vor Ort modelliert, über die Werke wurde gemeinsam reflektiert. In Bereich Obst und Gemüse wurden auch die Kunden einbezogen. Sie sollten passend zum Schöpfungsthema auf Kärtchen schreiben, was sie erschaffen würden, wenn sie es denn könnten. Das förderte interessante Ideen zu Tage: neben Wünschen wie Weltfrieden oder einer Zeitmaschine zum Beispiel „Süßigkeiten essen ohne dick zu werden!“. Die letzte Station befand sich im Schaufenster. Es diente während der Performance als Bühne für ein Improvisationstheater.

Die jungen Künstler haben sich, wie Natascha Boecker in ihrer Bewerbung zum Kreativ-Cup schreibt, „auch von der anfänglichen Skepsis mancher Marktmitarbeiter nicht entmutigen lassen“. Die Lernenden, aber auch viele Kunden haben laut der Künstlerin so positiv reagiert, dass aus dem Pilotprojekt ein regelmäßiges Angebot bei Alnatura werden soll.

Rewe West

Rewe West: 1. FC Köln Azubi-Elf

Obwohl im vergangenen Jahr eigentlich schon alle Ausbildungsplätze belegt waren, hat die Rewe West im letzten Jahr zusätzliche Plätze geschaffen, für Jugendliche, die „unter normalen Umständen“ kein Angebot bekommen hätten. Kooperationspartner ist die Stiftung des 1. FC Kölns, die unter anderem ihren Namen als Motivationsfaktor bereit stellt. Die Rewe Personalentwickler unter Leitung von Friedhelm Scholz haben das Projekt geplant und umgesetzt.

Dafür wurde ein eigenes Casting (übrigens im Geißbockheim) entwickelt, anschließend haben die potenziellen Kandidaten drei Tage zur Probe gearbeitet, die Betonung lag auf praktischen Fähigkeiten. 39 Bewerber wurden beurteilt, davon 17 zum praktischen Arbeiten eingeladen. Im Vorfeld hat die Rewe Marktleiter gesucht, die erfahren sind und mit schwierigen Azubis umgehen können. Das Berufskolleg an der Lindenstraße hat eine eigene Berufsschulklasse eingerichtet. 16 junge Menschen haben einen Ausbildungsvertrag unterschrieben, sprich: das Training begonnen. Mit vielen Zusatzaktivitäten haben die Initiatoren Motivationsanreize gegeben, zum Beispiel: ein Heimspiel gucken, einen Workshop zur Frustrationstoleranz oder auch gemeinsames Kochen. Die Spieler dieser Azubi-Elf werden zusätzlich von Mitarbeitern der Caritas betreut, um das Lernen der Azubis zu fördern.

Wie ist die Lage nach einem Jahr? Die Mannschaft besteht noch aus immerhin 13 Spielern, es gab also drei rote Karten. Während die praktische Ausbildung überwiegend gut verläuft, berichtet Scholz auch über Schwierigkeiten, der regelmäßige Besuch der Berufsschule falle manchen Kandidaten schwer. Fazit: Die Azubi-Elf schafft den Klassenerhalt, also die Abschlussprüfung. Eine weitere Elf ist in Planung.

Tegut

Tegut: „Wir sehen, was wir ernten“

Der dritte Kreativ-Cup geht an ein Projekt, das den Begriff „Nachhaltigkeit“ wirklich verdient hat. Auszubildende der Tegut-Zentrale (im Unternehmen heißen sie Lernende) haben mit Schülern Gemüse angepflanzt und geerntet. Dabei handelt es sich um Schüler der Gebrüder-Grimm-Schule, ein sonderpädagogisches Beratungs- und Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Die vier angehenden Groß- und Außenhandelskaufleute hatten sich zum Ziel gesetzt, die Schüler gemeinschaftlich an „kontinuierliches, diszipliniertes und erfolgversprechendes Arbeiten (in Form der Ernte)“ heranzuführen. Unterstützt wurden sie dabei von Bernhard Vey, ihrem Ausbildungsverantwortlichen und der Klassenlehrerin der Schüler. Dann ging es ab aufs Feld, das von der Schule bereitgestellt worden war. Möhren, grüner Salat, Radieschen und leider auch viel Unkraut vermehrten sich im Lauf des Sommers prächtig.

Bevor gemeinsam die Ernte in Angriff genommen wurde, kamen die Schüler zu Besuch in die Tegut-Zentrale, Hier schnupperten sie in den Arbeitsalltag hinein, abends wurde gemeinsam gekocht und gegessen. Nach der Ernte wurden die Früchte entweder in der Schule verarbeitet oder in Form von Abokisten in den Schulpausen verkauft.

Abschluss des Projektes erfolgte in der Schule, wo alle bei einem gemeinsamen Frühstück schilderten, wie ihnen das Erlebte gefallen hat. Die Resonanz war durchweg positiv. Die Tegut-Lernenden haben darüber hinaus ihre Sozialkompetenz gestärkt. So schreibt die Auszubildende Nadine Klewitz: „Der Schulalltag hat mir gezeigt, dass man als Lehrerin starke Nerven besitzen muss.“ Solche Erfahrungen wirken nachhaltig. Tegut setzt das Projekt fort.