Bildquelle: Getty Images, Santiago Engelhardt

Superfoods Top oder Flop?

Die sozialen Medien hypen Superfoods, doch wie groß ist die Nachfrage am Supermarktregal? Der Handel folgt dem Trend, aber oft auch mit dem Blick auf nachhaltigere regionale Alternativen.

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Die Sorge um die eigene Gesundheit hat sich zum Megatrend entwickelt. Sie verschafft Produkten, die früher nur von Latzhosen- und Gesundheitssandalenträgern im Bio-Markt gekauft wurden, zunehmende Nachfrage seitens breiterer Bevölkerungsschichten. Davon profitieren inzwischen auch der klassische Lebensmittelhandel, die Drogeriemärkte und die Discounter. Wie zum Beispiel Josef Donsbach, Geschäftsleiter Globus Rüsselsheim-Bauschheim, bestätigt: „Wir bei Globus sind immer auf der Suche nach neuen Ernährungstrends und betrachten Superfoods als aktuell unverzichtbares Sortiment. Momentan kommen vor allem Chiasamen und Kokosöl gut an, wir zählen aber nicht nur Exoten, sondern auch heimische Gewächse wie Hagebutte, Spinat und Löwenzahn zu den Superfoods.“ In der Platzierung ist der Rüsselsheimer Markt sogar der Vorreiter innerhalb der Gruppe. Dort wird Superfoods in der Warenwelt ‚Bewusstes Leben‘ platziert zusammen mit laktosefreien, glutenfreien und veganen Produkten. Dies werde von den Kunden sehr geschätzt, denn an Superfood sind laut Donsbach insbesondere die Kunden interessiert, die auf ihre Ernährung achten und diese aufwerten möchten, weil sie sich beispielsweise vegan ernähren, viel Sport treiben oder ihrem Körper einfach etwas Gutes tun wollen. „Wir beobachten, dass diese Kunden häufig schon über ein ausgeprägtes Hintergrundwissen verfügen und unsere Mitarbeiter gezielt nach bestimmten Produkten fragen. Vielmals sind auch bereits die Artikelverpackungen mit Zusatzinformationen und Rezeptvorschlägen bedruckt.“

Ein Trend oder ...
Die Trends mitzumachen, sei ein Muss für das Unternehmen, heißt es bei Edeka-Minden. Welche derzeit neu auf den Markt drängenden Produkte sich dabei längerfristig durchsetzen können, sei allerdings nicht abzusehen. Die Platzierung erfolgt heute in der Regel zugeordnet zu den jeweiligen Sortimentsbereichen. Besonders gut läuft aus Edeka-Sicht aktuell „alles, was mit Kokos zu tun hat“. Gegenstand der Fortbildung ist das im Markt vorhandene Sortiment, auch in den sechstägigen Seminaren zum „Ernährungsservice Mitarbeiter“. Themenseiten in der Wochenwerbung und auf der Edeka-Homepage liefern den Verbrauchern Warenkundliches und viele Rezeptvorschläge. Auf der Homepage nimmt die Zentrale auch selbst Stellung zur Warengruppe: „Superfood eignet sich dafür, den täglichen Speiseplan aufzupeppen, muss jedoch nicht zwingend einen entscheidenden gesundheitlichen Nutzen haben. Es passt durchaus in den Rahmen einer ausgewogenen und bewussten Ernährung und kann diese unterstützen. Allerdings muss man nicht immer zu den teuren, exotischen Superfoods greifen. Es gibt auch viele regionale und heimische Superfood-Alternativen: Leinsamen statt Chiasamen, Holunder oder Rotkohl statt Açai oder schwarze Johannisbeeren statt Goji-Beeren.“

Produkte wie Chiasamen seien aus den Sortimenten nicht mehr wegzudenken, auch wenn der Hype um Superfoods aktuell etwas nachlasse, beobachtet Matthias Zinn, bei Tegut Einkäufer & Category Manager für Lebensmittel & Heißgetränke. Er geht schon jetzt davon aus, dass sich viele Produktkategorien dieses Sortiments etablieren und aus der Nische herauswachsen werden. Bei Tegut finden die Kunden diese Produkte in einer Blockplatzierung im Bereich der Sonderernährung. Die Top 5 der umsatzstärksten Superfoods bilden neben Chiasamen Goji-Beeren, Hanfsamen, Superfood-Mischungen für gezielte Verwendungen (z. B. Detox) und Toppings fürs Müsli.

... Doch nur ein Hype?
Zurückhaltend äußert sich Rewe-Einzelhändler Uli Budnik in Dortmund: Er hält den Trend aktuell für ziemlich überschätzt, obwohl auch in seinem 1.000 qm großen Markt einige Superfoods im Regal stehen, etwa Chia-Samen. „Ehrlich gesagt, wir stellen zwar vereinzelt eine Nachfrage fest, aber ich kann nicht behaupten, dass man uns diese Produkte aus den Händen reißt!“ Eine Zielgruppe dafür sieht er vornehmlich bei den 25– bis 45-Jährigen gesundheitsbewussten Frauen, die über eine höhere Bildung und höhere Kaufkraft verfügen. Geplant ist es, einige Superfood-Produkte nach dem Marktumbau in einer Art Gesundheitsregal zusammen mit veganen und glutenfreien Produkten zu positionieren und dann die Resonanz abzuwarten.