Grillen:Früh übt sich

Grillen Früh übt sich

Grillen ist Lifestyle. Komplementäre Feinkostsortimente erfahren eine Aufwertung. Von großen Grillplatzierungen geht in den ersten Aprilwochen besondere Anziehungskraft aus.

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1.Weihnachtstag 2015, 11.30 Uhr in Nachbars Garten. Für Traditionalisten ungewohnte Aktivitäten waren an diesem grauen Vormittag im Nieselregen zu beobachten. Der unter dem Weihnachtsbaum vorgefundene Gasgrill mit allen Schikanen wurde ins Freie gerückt und mit der üblichen feiertäglichen Menüfolge gebrochen. Weihnachtsgans und Rinderbraten machten drinnen auf dem Tisch Platz für hochwertige Kurzbratstücke von draußen. Wiederholung am Folgetag.

Unsere Nachbarn sind Trendsetter. Die Food- und Non-Food-Hersteller freut es, dass Grillen sich mehr und mehr zu einer Ganzjahresaktivität entwickelt, begleitet von einer Professionalisierung, Individualisierung sowie einem qualitativen und Upgrade um und auf dem Grill.

Unter dem Motto „Winter Helden “ besetzt Heinz beispielsweise das Thema Durchgrillen. Dem Handel werden dafür u. a. ganzjährige Konzeptplatzierungen an Frische- und/oder SB-Theken offeriert, um das Cross-Selling-Potenzial noch stärker auszunutzen. Heinz hat im vergangen Jahr hier die Kommunikation über die Waagendisplays an der Fleisch- und Fischtheke erfolgreich getestet. Rund 500 Märkte und 2.000 Waagen bei Edeka Südwest und Südbayern waren involviert.

Auch bei Popp wird das Wintergrillen als „zunehmend interessanter“ gewertet und es werde vom Handel stärker umgesetzt. Das „Angrillen“ im Januar sei heute schon gängig und ein besonderes Highlight, das aber eher als ursprüngliche Variante mit Bratwurst und Glühwein zelebriert werde. Darüber hinaus wird heutigen Randbereichen wie Marinieren, Zubereitung im Smoker oder der Einsatz des universellen gusseisernen Dutch Ovens, er war im 19. Jahrhundert bei den amerikanischen Siedlern en vogue, noch einiges im Outdoor-Bereich zugetraut.

Der frühe Kaufmann fängt den Kunden
Trotz ganzjähriger Tendenzen, die klassische Grillsaison im Lebensmittel-Einzelhandel ist als Promotion- und Verzehranlass für die Feinkostanbieter sehr wichtig. Bis zu 50 Prozent seines Umsatzes tätigt mancher Feinkostanbieter damit. Der Hauptfokus erstreckt sich über den Zeitraum von Anfang April bis Ende August. Die ersten warmen Sonnenstrahlen wecken auch Kaufimpulse. Die rechtzeitige Bevorratung ist dabei für den Kaufmann wichtig, um an den umsatzträchtigen Erstkäufen im Jahr teilzuhaben.

Die meisten Feinkostanbieter empfehlen, frühzeitig zu Ostern die Regale gut zu bestücken und mit Zweitplatzierungen die Aufmerksamkeit auf neue Produkte zu lenken. Einfache und schnelle Orientierung ist nach den Erkenntnissen von Mondelez wichtig, um den Kaufwilligen an den „Hot Spot“ im Markt zu bringen. Das sollten Aktionsplatzierungen mit hoher Shopperfrequenz sein, z. B. im Eingangsbereich oder im in der Nähe der Fleischtheke. Und Verbundplatzierungen mit grillrelevanten Sortimenten bringen erfahrungsgemäß deutlich höhere Bons. Darüber hinaus genießen auch im Getränkebereich Platzierungen von Saucen, Kohle und Co. starke Aufmerksamkeit. Und für vegane oder vegetarische Angebote kann die O&G-Abteilung den passenden Rahmen bieten.

In diesem Jahr befeuern Fußball-Europameisterschaft und Olympische Spiele das Outdoor-Essen zusätzlich. Rila führt im Aktionszeitraum April bis August eine Grillaktion und empfiehlt, da die Beilagen zum Grillen mittlerweile über klassische Salate hinausgehen, VKF-Platzierungen mit mediterranen Produkten (Antipasti bzw. Mezes wie z. B. Oliven, Pfefferschoten, Paprikafilets) aus verschiedenen Ländersortimenten.

Eine breite Feinkost-Vielfalt bindet Kunden, und ist zusammen mit prominenten Zweitplatzierungen ein klares Profilierungsmerkmal zum Discount. Darüber hinaus forcieren sie Verbundverkäufe und werten die Sortimentskompetenz des Einzelhändlers auf. Auch wenn Discounter versuchen, auf der Premiumisierungswelle am Grill mitzureiten: Die wahre Sortimentskompetenz, inklusive Fleisch- und Fischtheke, zeigt der Kaufmann im Supermarkt.

Gleich zum Saisonstart kauft der Kunde nach den Erfahrungen von Kühne beispielsweise im Schnitt fünf Feinkostsaucen auf einen Schlag. Männer greifen eher zu Würzsaucen im höheren Preissegment und fühlen sich angesprochen von eher exotischen bzw. scharfen Geschmacksvarianten, während Frauen eher „klassisch“ kaufen.

Frauen sind eine der Zielgruppen für vegetarische oder gar vegane Produkte im Umfeld des Grillrostes. Feinkostsaucen und Salate sind gesetzt und bieten Raum für fleischlose Alternativen. Ein Aspekt, der differenziert bewertet wird. Nestlé führt beispielsweise die grillfähigen Produkte unter der veganen Marke „Garden Gourmet“ an.

Auch das Feld der Salate und Feinkostsaucen birgt nach Einschätzung der meisten Hersteller beachtliches vegetarisches beziehungweise veganes Potenzial, das neue Konsumenten anspricht. Anderseits sagen andere Marktteilnehmer bei den Fleischalternativen bereits die Marktsättigung und -bereinigung voraus.

Vielfalt kennzeichnet die Feinkostsortimente, die den Grillsommer begleiten. Verschiedensten Saucen und Dipps haben an den Hot Spots ihren festen Platz.

So kaufen Ihre Griller
  • Feinkostsaucen und Salate sind unverrückbar mit dem Thema Grillen verknüpft.
  • Grillprodukte sind grundsätzlich Teil des geplanten Einkaufs. Der Shopper steuert gezielt die Grillsortimente an, entscheidet sich aber erst vor Ort für Marken und Produkte.
  • Vorrangig kaufen haushaltführende Frauen ein, aber die Männer sind starke „Influenzer.“
  • Große Sortimentsbreite und -tiefe im klassischen LEH entsprechen dem Wunsch nach Individualität sowie Abwechslung.
  • Veggie und vegan setzen im fleischdominierten Umfeld neue Impulse. Vegetarische Beilagen haben insbesondere für weibliche Griller große Bedeutung
  • Zum Saisonstart werden in der Regel fünf Grillsaucen gekauft. Das heißt zum Start auf Warenverfügbarkeit und Vielfalt achten.
  • Schärfe-Trend setzt sich fort.
  • Innovative Verpackungsformen sind ein wichtiges Kaufargument.
  • Selbstgemachte Salate und Burger vom Grill sind im Kommen. Dafür werden Feinkostprodukte wie Salatmayonnaise oder Burgersauce zur individuellen Verfeinerung gekauft.
  • Das Thema Grillen nimmt im Netz einen großen Raum ein. Dementsprechend sind soziale Medien in der Kommunikation ein interessanter Kanal, nicht nur für Hersteller.