Ausbilder des Jahres 2015 Gute Pädagogen und Sozialarbeiter

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Anpacken, helfen, mitmachen lassen – nach dieser Devise handeln die „Ausbilder des Jahres 2015“. Dabei haben sie jeden einzelnen ihrer Azubis als Individuum im Blick.

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Das Prinzip Gießkanne hat ausgedient. Man kann nicht alle Azubis auf die gleiche Weise schulen und erwarten, dass sie damit fit für den Beruf werden. Anders als früher ist der traditionelle Weg selten: also Haupt- oder Realschulabschluss und dann anschließend eine Lehre im Handel. Heute kommen viele über Umwege in die Märkte. Die Auszubildenden brauchen individuelle Betreuung, weil sie ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Ein Studienabbrecher, der im Handel einen erneuten Anlauf nimmt, kann hoffentlich auf gute Grundlagen in Mathematik und Deutsch zurückgreifen. Anders als ein Jugendlicher ohne Schulabschluss. Beide lernen in einem Marktteam, neben- oder besser miteinander. Ein guter Ausbilder bringt beide auf die richtige Spur.

Zum zwölften Mal hat die LEBENSMITTEL PRAXIS die besten „Ausbilder des Jahres“ ermittelt, genauer gesagt, tritt dabei eine Jury mit Entscheidern aus zahlreichen Personalabteilungen in Aktion. Ein Blick auf die diesjährigen Nominierungen zeigt, wie wichtig das Thema „Individuelle Anforderungen“ der Azubis ist. Ein einprägsames Beispiel dafür ist die Arbeit der Real SB-Warenhäuser. Ebenso die Edeka Rhein-Ruhr: Die 15 Personalentwickler der Genossenschaft analysieren bei ihren Kaufleuten erst die Personalstruktur und, welchen Bedarf diese in den nächsten Jahren haben. Dann werden Konzepte erarbeitet, die auf die einzelnen Händler zugeschnitten sind, insbesondere im Bereich Fort- und Weiterbildung. Neben den bewährten Seminaren stehen Instrumente aus der Personalentwicklung zur Verfügung, mit denen ambitionierte Mitarbeiter gefördert werden.

Neben Arbeiten wie Regalpflege oder Kassieren stehen bei der Ausbildung verstärkt soziale Aspekte im Mittelpunkt. So unterstützen Ausbilder Asylbewerber  und geben ihnen die Chance, in Deutschland Fuß zu fassen.

Viel Mühe bereitet ohne Frage, wenn man lernschwache Schüler fördert, damit sie durch die Abschlussprüfung kommen und dadurch einen Grundstein für ihr eigenes Selbstbewusstsein legen. Katrin Heider, Ausbilderin bei Real, hat dafür ein Händchen, ebenso wie Ganimete Sadriu  und Venice Mückschitz, Edeka Paschmann. Manchen Nominierten gelingt sogar die Inklusion, sie beziehen also Behinderte aktiv in den Arbeitsalltag ein: Edeka Wehrmann (Menschen mit Handicap haben einen Bringdienst aufgebaut); Rewe Wintgens (Ausbildung eines behinderten Jugendlichen, Praktikant mit Autismus); Metro St. Augustin (schwerbehinderter Praktikant). So mancher Sozialarbeiter würde staunen, wenn er sähe, dass Inklusion machbar ist – und obendrein das Geschäft läuft und die Kassen klingeln.

Kennziffern und Warenkunde sind für Ausbildende unverzichtbar. Aber genauso wichtig ist es, ihnen zu vermitteln, dass sie als Teil der Gesellschaft Verantwortung für Mitmenschen tragen. Das gelingt vielen Nominierten hervorragend, sie stecken ihre Schützlinge regelrecht mit ihrer „sozialen Ader“ an. Daraus resultieren zahlreiche nachahmenswerte Aktionen, hier nur einige Beispiele: Die vier Lernenden von Eric Tiedtke (so heißen die Auszubildenden bei Tegut) sammeln Spenden für die Tafel, außerdem unterstützen sie einen Kindergarten . Die Azubis von Christoph Kolb spenden für einen Kinderhort. Dietmar Grießinger (Kaufland Bad Dürrheim) kümmert sich mit seinen Azubis um Obdachlose in einer Wärmestube. Katrin Heider (Real Potsdam) geht mit ihren Azubis in eine Schulklasse und macht in einem Planspiel deutlich, wie der Wirtschaftskreislauf funktioniert. Die Schüler verkaufen selbstgepressten Orangensaft, der Erlös kommt der Klassenkasse zugute. Das Team der Rewe Nord unterstützt die Rettungsflugwacht . Nicht zuletzt haben Real-Nachwuchsteams ihre Kunden auf das Problem aufmerksam gemacht, dass wir in Deutschland zu viele Lebensmittel wegwerfen, sie haben Lösungsmöglichkeiten zur Müllvermeidung angeboten.

Die Nominierten

Super- und Verbrauchermärkte
1. Ursula Wintgens, Rewe Wintgens
2. Christoph Kolb, Edeka Kolb
3. Eric Tiedtke, Tegut Mainz

Cash & Carry, SB-Warenhäuser
1. Nadine Bayer, Metro St. Augustin
2. Dietmar Grießinger, Kaufland Bad Dürrheim
3. Katrin Heider, Real Potsdam

Selbstständige
Mehrbetriebsunternehmen
1. Ganimete Sadriu, Edeka Zurheide
2. Venice Mückschitz, Edeka Paschmann
3. P. Wehrmann und W. Bischoff, Edeka Wehrmann

Handelszentralen
1. Real SB-Warenhaus GmbH
2. Edeka Rhein-Ruhr
3. Rewe Nord

Kreativ-Cups:
Christian Geißler, Kaufland Zwickau
Corinna Trier, Rewe Süd
(Ausführlicher Bericht über die KreativCups folgt in der nächsten Ausgabe.)