Migration „Nicht viel reden, einfach machen!“

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Hilfsbereitschaft, Toleranz, Eigeninitiative und Geduld sind nötig, wenn man einen Asylbewerber einstellen will. Drei Beispiele aus der Praxis, wie Integration gelingen kann.

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„Schon seit zwei Jahren warte ich auf meine Aufenthaltserlaubnis“, erzählt Jamal Bagheri . Der junge Iraner sitzt im Marktleiterbüro von Rewe Azhari in Sinzig. Wie ein scheues Reh schaut er immer wieder zu Boden und wählt seine Worte mit Bedacht. Er versteht Deutsch mittlerweile recht gut, aber er hat Angst, bei der Antwort Fehler zu machen. Dann reicht ein kurzer Blick zu seinem Arbeitgeber und Mentor Parviz Azhari – und schon sprudelt Jamal los, auf Persisch. Der Rewe-Händler übersetzt für ihn. Azhari stammt selbst aus dem Iran, kam 1986 nach Deutschland und zeigt, wie Integration funktionieren kann: Seit 2002 ist er selbstständiger Kaufmann , mittlerweile betreibt er zwei moderne Märkte, in Sinzig und Mülheim-Kärlich, und beschäftigt 90 Mitarbeiter. „Wir müssen Jamal Zeit geben“, sagt Azhari immer wieder, und er erinnert sich: „ Mir wurde auch geholfen, meine damalige Chefin im Unternehmen hat sich immer für mich eingesetzt.“

Vor ein paar Monaten hat der Flüchtling bei ihm angeklopft und nach Arbeit gefragt. In Teheran hat Jamal Bagheri sein Einkommen als Elektriker für Kühl- und Klimaanlagen verdient. „Aber hier in Deutschland ist es oft kalt“, wirft er ein, zudem kann er seine Fähigkeiten hier nicht direkt einsetzen – jedenfalls so lange nicht, bis er fließend Deutsch spricht. Parviz Azhari hat den jungen, sportlichen Mann als Aushilfe auf 450-Euro-Basis eingestellt. Der Elektriker, der aus politischen Gründen geflohen ist, verräumt nun Ware und hilft in der Getränkeabteilung. Zuvor hat der Kaufmann beim Arbeitsamt die Arbeitserlaubnis eingeholt. Und eine kleine Wohnung ganz in der Nähe des Marktes besorgt, die Kaution hinterlegt. Denn oftmals erleben Migranten: Ohne Wohnung gibt es keine Arbeit, ohne Arbeit keine Wohnung.

Jamal darf seinen Lohn nicht behalten , das Sozialamt zieht ihn von seiner Unterstützung ab. Aber das ist dem Flüchtling egal – Hauptsache, er kann mit Kollegen arbeiten und seine Sprachkenntnisse verbessern. Nichts ist schlimmer, als allein herumzusitzen und sich um die Zukunft zu sorgen.

Parviz Azhari hilft aus Überzeugung. Zuvor hat der Händler schon anderen Zuwanderern eine berufliche Perspektive gegeben, aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Sein Motto: „Nicht viel reden, sondern einfach machen!“ Dabei hat er überwiegend gute Erfahrungen gemacht, denn: „Viele Flüchtlinge sind gebildet, sie können etwas, wenn sie nur mit der Sprache vorankommen.“