Nach zwei Jahren mit Rekordpreisen und knapper Ware atmet der Olivenölmarkt auf: In der Saison 2024/25 hat sich die Lage nach Dürre und Ernteausfällen in den Vorjahren spürbar entspannt, die Produktion zog wieder deutlich an, wie der spanische Lobbyverband Plataforma Tierra betont. Unverändert gilt: Europa ist die größte Produktionsregion der Welt, Spanien der mit Abstand wichtigste Akteur.
Die Angebotsentspannung spiegelte sich auch in den Preisen wider. So sank der vom spanischen Expertengremium ermittelte durchschnittliche Erzeugerpreis pro Liter zwischen April 2024 und Juli 2025 von rund 9 Euro auf etwa 4,35 Euro. Laut dem Industrie- und Exportverband Oleista liegen die Erzeugerpreise aktuell bei rund 4,10 Euro pro Liter für natives Olivenöl extra und bei etwa 3,60 Euro für einfaches Olivenöl. Trotz des Rückgangs liegen die Preise damit weiter über dem Vorkrisenniveau.
Die weltweite Olivenölproduktion erreichte 2024/25 rund 3,36 Millionen Tonnen – ein Plus von 38,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Spanien führte mit 1,42 Millionen Tonnen die Liste der größten Produzenten an. Das entspricht einem Zuwachs von 65 Prozent gegenüber 2023/24. Ausschlaggebend war vor allem die Erholung der Ernten in Andalusien, dem wichtigsten Olivenöl-Anbaugebiet des Landes.
Das höhere Angebot führte in der Saison 2024/25 auch zu einer Nachfrageerholung. Weltweit legte der Konsum um 26 Prozent zu, in Europa um 32 Prozent. Nach den Preisschocks griffen Verbraucher wieder häufiger zu. Besonders deutlich war der Effekt in Spanien selbst: Der Inlandsverbrauch stieg um 37 Prozent, vor allem bei höherwertigen Qualitäten wie nativem Olivenöl extra.
Premiumsegment setzt sich ab
Für die laufende Saison 2025/26 rechnet das spanische Landwirtschaftsministerium lediglich mit einem leichten Produktionsrückgang von 1,42 auf 1,38 Millionen Tonnen. Der Sektor erwartet entsprechend relative Stabilität. „Das Volumen und auch die Preise werden in diesem Jahr 2025/26 nach den offiziellen Daten weitgehend auf dem Niveau der vergangenen Ernte 2024/25 bleiben“, sagt Francisco Vañó, Produzent aus Jaén, gegenüber der Lebensmittel Praxis. Er geht davon aus, dass die Erzeugerpreise damit deutlich unter dem Hoch der Saison 2023/24 liegen werden, jedoch weiterhin über dem Niveau vor der Pandemie. Für viele Betriebe bedeutet das mehr Planbarkeit, während der Markt für Spekulanten schwieriger wird.
Das Premiumsegment bleibt dabei dynamisch. Klar sei, dass das native Qualitätsöl „virgen extra“ sich immer mehr vom Markt absetzt, auch preislich, glaubt Vañó, der selbst in diesem Segment produziert. Die Nachfrage nach nativem Olivenöl extra sei weltweit teilweise größer als die verfügbare Produktion. Das spanische Landwirtschaftsministerium schließt deshalb nicht aus, dass es in diesem Jahr erneut zu Preissteigerungen im Lebensmittelhandel kommen könnte.
Deutschland bleibt ein wichtiger Absatzmarkt für hochwertiges Olivenöl. Zwar gingen die Importe spanischen Olivenöls zwischen Oktober 2024 und Juli 2025 insgesamt um 8 Prozent zurück, betroffen waren jedoch vor allem einfachere Qualitäten. Ursache hierfür waren die stark gestiegenen Verbraucherpreise der Vorjahre, die zu Ausweichkäufen und zeitweiligem Konsumverzicht führten. Mit den gesunkenen Preisen hat sich die Nachfrage zuletzt wieder spürbar erholt – insbesondere im Premiumsegment.
Konkurrenz zieht nach
International nimmt der Wettbewerbsdruck zu. Für die laufende Ernte 2025/26 prognostiziert das US-Landwirtschaftsministerium einen Rückgang der weltweiten Produktion um 10 Prozent auf 3,016 Millionen Tonnen. Tunesien und die Türkei galten in der vergangenen Saison als besonders dynamische Anbieter. „Sie konnten ihre Produktion deutlich ausweiten“, sagt Vañó. In der aktuellen Saison müssen beide Länder jedoch witterungsbedingt mit Einbußen rechnen. Andere Erzeugerländer wie Marokko mit einem Produktionsplus von 45 Prozent oder Algerien mit 11 Prozent plus weisen zwar deutliche Zuwächse auf, ihr Anteil an der globalen Produktion bleibt jedoch vergleichsweise gering.
Für Spanien wird der Wettbewerb damit auch auf dem deutschen Importmarkt spürbarer. Auswertungen des Marktberichts von Germany Trade & Invest zeigen, dass Spaniens Anteil an den Olivenölimporten nach Deutschland zuletzt gesunken ist – sowohl beim Wert als auch beim Importvolumen. Analysten machen dafür unter anderem die im Vergleich zu anderen Herkunftsländern höheren Preise verantwortlich, die spanisches Olivenöl in Deutschland weniger wettbewerbsfähig machen.
Spanien baut Exporte weiter aus
Beim Export bleibt Spanien Weltmarktführer. In der Saison 2024/25 legten die spanischen Olivenölexporte laut dem Landwirtschaftsministerium um 23 Prozent zu. Wichtigster Abnehmer war Italien: Das Exportvolumen stieg zwischen Oktober 2024 und Juli 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 89 Prozent auf 288.000 Tonnen. Auch Portugal und Belgien legten zu. Trotz handelspolitischer Unsicherheiten bleiben die USA ein zentraler Markt. Zudem gewinnen kleinere, strategisch wichtige Märkte wie China mit einem Exportplus von 91 Prozent und Australien mit 43,6 Prozent zunehmend an Bedeutung. Laut Plataforma Tierra tragen diese Nischenmärkte dazu bei, Spaniens Exportstruktur widerstandsfähiger gegenüber geopolitischen Risiken zu machen.
Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten könnte langfristig zusätzliche Impulse bringen. So sollen die Zölle für spanisches Olivenöl schrittweise entfallen und innerhalb von 15 Jahren vollständig abgeschafft werden. Kurzfristig bleibt der Einfluss jedoch begrenzt – entscheidend bleiben Erntemengen, Wetter und die globale Nachfrage.