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Heimische Gewächse Deutscher Wein Teil 2

Tobias Dünnebacke | 06. Juni 2011

Weinexperten sind sich einig: In Deutschland gibt es Rotweine, die in puncto Geschmack und Qualität gegen die besten Tropfen der Welt bestehen können. Seit den 1980er-Jahren nimmt der Anbau roter Reben in Deutschland stark zu.

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Ein Barbera aus dem Piemont oder ein Cabernet Sauvignon aus Bordeaux: Das sind die Namen, die den meisten Weintrinkern das Wasser im Mund zusammenfließen lassen. Rotweine aus Deutschland hingegen waren viele Jahre weniger beliebt und fristeten im Vergleich mit den Erzeugnissen aus Frankreich, Italien oder Spanien eher ein Nischendasein. Völlig zu Unrecht, denn seit rund 100 Jahren werden beispielsweise im ehemaligen preußischen Muster-Weingut Assmanshausen im Rheingau schon Rotweine ausgebaut, die nach Meinung internationaler Experten damals wie heute zu den Besten in der Welt zählen.

tto-Normalverbraucher jedoch bevorzugt beim heimischen Wein die klassischen Weißweinsorten wie Riesling, Müller-Thurgau oder Silvaner. Dies schlägt sich auch bei den Anbauflächen nieder: Zwei Drittel (insgesamt rund 103.000 ha) fallen heute auf weiße Reben.

Allerdings hat der heimische Rotwein aufgeholt: Lag 1980 dessen Anteil gerade mal bei 11 Prozent, sind es heute knapp 37 Prozent. Wichtige Reben sind Spätburgunder (auch Pinot Noir genannt), Dornfelder, Portugieser oder Trollinger. Auch die recht junge Neuzüchtung Regent mit ihren besonderen Eigenschaften (siehe Text unten) gewinnt an Bedeutung. In allen Anbaugebieten ist die Rotweinerzeugung in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen, wobei Rheinhessen und Pfalz die größte Rotweinproduktion haben.

Die Weinbaugebiete

Das Deutsche Weininstitut charakterisiert die heimischen Weine als „leicht, spritzig und fruchtig". Diese Eigenschaften seien auf die Klima- und Bodenverhältnisse zurückzuführen. Die deutschen Anbaugebiete gehören, neben einigen wenigen Ausnahmen, zu den nördlichsten der Welt. Für den Westen ist ein feucht-warmes Golfstromklima charakteristisch, wohingegen im Osten trockenes Kontinentalklima herrscht.

Die unterschiedlichen Bodenarten und Rebsorten sorgen für eine heterogenes und vielschichtiges Angebot bei deutschen Weinen. Von den 13 Weinbaugebieten Deutschlands sind 6 besonders bekannt für die Erzeugung von Rotwein: Ahr, Baden, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen und Württemberg.

Die Ahr ist mit etwa 560 ha Fläche eines der kleineren Weinanbaugebiete. Das milde Klima beschert den Trauben im Tal optimale Voraussetzungen, auch weil die Felsen die Wärme speichern und in der Nacht an die Reben weitergeben. Das Tal im Norden von Rheinland-Pfalz gilt als profiliertes Rotweingebiet. Mit rund 90 Prozent haben die Winzer dort einen weitaus höheren Rotweinanteil in ihrem Portfolio als ihre Kollegen in allen anderen deutschen Anbaugebieten. Charakteristisch sind die Böden aus Schiefer und Vulkangestein: Gute Voraussetzungen für intensive Rotweine. Zu den Spezialitäten gehören Spät- und Frühburgunder.

Baden ist wie kein anderes Weinbaugebiet in Deutschland von der Sonne verwöhnt. In der Mitte (Ortenau) und im Süden werden bevorzugt rote Reben angebaut. Insgesamt ist Baden das wichtigste deutsche Gebiet für Spätburgunder (in Frankreich Pinot Noir genannt). Die Weine werden immer häufiger im Barrique (Eichenfass) ausgebaut, ein Verfahren, das man traditionell eher aus Frankreich oder Spanien kennt. Eine Spezialität aus der Region heißt „Badisch Rotgold", ein roséfarbener Wein aus Spät- und Grauburgundertrauben.

Die Pfalz ist mit 23.000 ha Rebfläche das zweitgrößte deutsche Weinbaugebiet und das größte für Rotwein. Es besteht aus zwei etwa gleich großen Hälften, der Mittelhaardt und der Südlichen Weinstraße, die teilweise schon im Elsass liegt. Wichtige Rebsorten sind Portugieser, Dornfelder, Spätburgunder und Regent. Insgesamt tragen 40 Prozent der Rebstöcke in der Pfalz rote Trauben.

Der Rheingau ist mit seinen 3.100 ha überschaubar. Das Besondere an der Gegend: Das Klima ist besonders mild, da durch die Höhen des Taunus geschützt. Die Südhänge bekommen zudem eine starke Sonneneinstrahlung. Zum Rheingau gehören neben vielen anderen Sehenswürdigkeiten auch traditionelle Weingüter wie das Kloster Eberbach, Schloss Johannisberg oder Schloss Reinhartshausen. Wichtigste Rebe ist der Riesling. Allerdings befindet sich auch das bereits erwähnte Assmanshausen mit seiner herausragenden Spätburgunder-Tradition im Rheingau.


Das Gebiet Rheinhessen umfasst 26.000 ha Fläche und ist damit insgesamt das größte Anbaugebiet in Deutschland. Die Rotweinfläche hat sich hier innerhalb der letzten zehn Jahre mehr als verdoppelt. Auslöser dieser Entwicklung war die gestiegene Nachfrage nach Dornfelder. Mittlerweile ist rund ein Drittel der Fläche mit roten Reben bestockt.

Württemberg ist unter den großen Gebieten das einzige, das mehr Rotwein als Weißwein produziert. Der Anteil liegt hier bei 70 Prozent. Die bekannteste Rebsorte, fast schon ein Synonym für Wein aus dieser Gegend, ist Trollinger. Hinzu kommen Schwarzriesling, Lemberger und Spätburgunder. Schillerwein ist eine aus roten und weißen Trauben hergestellte Weinspezialität, die im Sommer getrunken wird.

Info

  • mit 9,2 Mio. hl Weinproduktion liegt Deutschland auf Platz 9 im internationalen Vergleich
  • der Rotwein-Anteil in Deutschland steigt seit Jahrzehnten.
  • wichtigste Rotwein-Rebe ist mit einem Anteil von über 11 Prozent der Spätburgunder.

Vielversprechender Neuling

Regent ist eine Rebsorte, die noch wenigen Verbrauchern ein Begriff ist, in Zukunft aber stärkere Bedeutung erlangen könnte. Die Neuzüchtung entstand im Institut für Rebenzüchtung auf dem Geilweilerhof bei Siebeldingen in der Südpfalz. Hier gelang im Jahr 1967 eine Kreuzung aus Diana (Silvaner, Müller-Thurgau) und Chambourcin. Das Besondere ist die hohe Widerstandsfähigkeit gegen Pilzbefall und Winterfrost. Durch diese Beschaffenheit kann beim Anbau auf viele chemische Pflanzenschutzmaßnahmen verzichtet werden. Auch die frühe Reife und das überdurchschnittliche Mostgewicht sorgten für ein starkes Interesse bei den Winzern. Mittlerweile findet man Regent in nahezu allen Anbaugebieten. Die moderaten Säurewerte lassen den Ausbau milder und samtiger Rotweine zu.

Qual der Wahl

Früher galt der Korkverschluss als alternativlos, gerade bei Weinkennern. Durch den Naturkork ist ein minimaler Luftaustausch gewährleistet. Dies hilft bei der Reifung qualitativ hochwertiger Weine, die viele Jahre gelagert werden können. Allerdings droht bei diesem Verschluss immer, dass der Wein den Korkgeschmack annimmt und somit ungenießbar wird. Nicht passieren kann dies beim Silikonpfropfen. Der Trend geht aber mittlerweile zum Drehverschluss, der sich von seinem negativen Billig-Image befreien konnte und bei immer mehr Flaschen zu sehen ist. Die Gründe liegen auf der Hand: Es gibt keine Verluste durch Korkschmecker, sie sind günstig und recycelbar.

Schon gewusst?

In diesem Jahr gab es eine sehr warme Frühjahrswitterung. Dies hat dazu geführt, dass in diesem Jahr die Reben in Deutschland etwa 20 Tage früher als im Durchschnitt der vergangenen Jahre blühen. In Baden und Rheinhessen spricht man gar vom frühesten Blütezeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen. Diese Entwicklung ist für die Winzer erfreulich, denn durch die lange Reifezeit können die Trauben ihre Aromen besonders ausprägen, was sich positiv auf die Weinqualität auswirkt. Im vergangenen Jahr hatte kühles und feuchtes Wetter zu einem geringeren Fruchtansatz und weniger Erträgen geführt.

Buchtipp:

Service. Die Getränke. 4., völlig überarbeitete Auflage. Trauner Verlag + Buchservice GmbH: Linz

Frage:

  1. Welche ist die am häufigsten angebaute Rotwein-Traube in Deutschland?
  2. Wo befindet sich die profilierte Rotweine-Domäne Assmanshausen?
  3. Nennen Sie drei Vorteile von Drehverschlüssen!

Antwort:

  1. Spätburgunder.
  2. Im Rheingau.
  3. Kein Verlust durch Korkgeschmack, günstig und recycelbar.

Impressum

Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis
Redaktion: Tobias Dünnebacke
Wir danken dem Deutschen Weininstitut für den fachlichen Rat und das zur Verfügung gestellte
Bildmaterial.

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