Tiernahrung Für’s Tier

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Klicken und liefern lassen: Tierhalter zieht es stärker in den Internethandel. Stationäre Händler setzen regionale Angebote dagegen und bieten zudem Frei-von-Produkte, um die wachsende Zielgruppe an sich zu binden.

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Warum selber schleppen , wenn man sich den 15-kg-Sack Hundefutter oder den Vorratspack Katzenstreu auch an die Tür liefern lassen kann? Sind deutsche Verbraucher beim Online-Kauf von Lebensmitteln noch immer zurückhaltend, fällt ihnen der Klick für die Bestellung von Tiernahrung und -bedarf um ein Vielfaches leichter. Die Zahlen belegen: Der Druck auf den stationären Handel verstärkt sich in der Warengruppe. Von 420 auf 450 Mio. Euro kletterten nach Informationen des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) die Online-Umsätze 2015 im Vergleich zum Vorjahr. Damit kommt dem E-Commerce ein Anteil von knapp 10 Prozent an den Gesamtausgaben für die pelzigen Mitbewohner zu. Branchenexperten sind sich sicher, dass sich die dynamische Entwicklung weiter fortsetzen wird.

So wächst der E-Commerce-Kanal innerhalb von Mars Petcare überdurchschnittlich, seine Bedeutung für die eigenen Marken sei enorm, betont Ines Alvarez, Leiterin der Konsumenten- und Marktforschung bei Mars Petcare Deutschland. „In fünf Jahren wird ca. jeder fünfte Euro für Heimtierbedarf im elektronischen Versandhandel ausgegeben“, schätzt Vitakraft-Mann Meyer. Der Heimtierbesitzer wolle heute an jedem Punkt abgeholt werden, daher müssten Marken „multichannel präsent sein, wenn die Erfüllung des Verbraucherwunsches im Fokus ihres Marketing steht“. Das Sortiment von Vitakraft wird heute bereits selektiv auch über Online-Vermarkter angeboten.

Erste Tests mit regionalen Produkten
Mehr denn je gilt es für den stationären Handel, die wachsende Zahl an Tierhaltern (2015 lebten in 43 Prozent der Haushalte Heimtiere – 5 Prozent mehr als 2014) an sich zu binden. Auf der Suche nach neuen Profilierungsfeldern greift der stationäre Lebensmittelhandel z. B. auf den großen Trend zu heimischen Produkten zurück. Mehr Nähe, mehr Vertrauen, mehr Nachhaltigkeit und der Wunsch, die lokale Wirtschaft zu unterstützen – diese Argumente lassen Verbraucher immer häufiger zu regionalem Fleisch, Obst oder Gemüse greifen. Nun überträgt sich der Trend wie so viele Themen aus der Humanernährung auf Produkte für Bello, Mieze und Co. Kunden interessierten sich auch bei Tiernahrung dafür, wo bestimmte Produkte herkämen und fragten gezielt nach nachhaltig hergestellter Ware, weiß Claudia Holzer, Leitung Sortimentsmanagement im Bereich Food-Drogerie bei der saarländischen SB-Warenhauskette Globus. „Wir bei Globus bieten bisher ein überschaubares Sor timent an regionalen Produkten an, erkennen aber ein wachsendes Interesse unserer Kunden für dieses Sortiment.“

Regionale Tiernahrungsprodukte der Marke Unser Land offeriert der selbstständige Rewe-Händler Alexander Kersten in seinem Anfang des Jahres eröffneten Markt. Die Regionalmarke aus dem Raum Augsburg/München ist im Süden Deutschlands vor allem bei Rewe und Kaiser’s Tengelmann erhältlich und bietet neben Lebensmitteln auch Heu, Stroh und Nagerfutter. Die Kunden-Resonanz hat Kersten überrascht. „Die Marke Unser Land ist in unserer Region sehr stark. Unsere Kunden fragen explizit auch nach den Tiernahrungsprodukten der Regionalmarke. Das Heu ist ein Renner in unserem Sortiment.“ Präsentiert werden die Produkte nicht im Regal, sondern prominent in der Obst und Gemüseabteilung. „Das passt. Hier erhalten die Produkte mehr Aufmerksamkeit als ins Regal ,gestopft‘“, meint der Kaufmann.

Edekaner Dieter Hieber profiliert sich in seinen Märkten im Dreiländer-Eck seit einem guten halben Jahr mit frischem Hundefutter eines regionalen Anbieters. Sechs Produkte werden in einem extra TK-Möbel in der Tiernahrungsabteilung angeboten. Die Nachfrage ist gut. „Der Faktor Regionalität ist aktuell in allen Bereichen wichtig. Bei Elis Fress-Sack kommt der wichtige Aspekt der Ganztierverwertung hinzu“, erklärt Hieber. Das Frischfleischfutter wird aus Innereien und Schlachtresten vom Rind und Pferd hergestellt. Die Rohware von Schlachtern rund um Lörrach wird innerhalb eines Tages verarbeitet. Auf Farbstoffe und Geschmacksverstärker wird verzichtet.

Katzen auf Platz Eins

In 43 Prozent der Haushalte hierzulande leben Heimtiere. Von 2014 auf 2015 kletterte die Zahl der tierischen Mitbewohner (ohne Zierfische und Terrarientiere) um 1,5 Mio. auf 30 Mio. Besonders groß ist die Liebe zu Katzen. Knapp 13 Mio. Samtpfoten verteilten sich 2015 auf 22 Prozent der deutschen Haushalte. Hunde kommen mit 7,9 Mio. auf Ranz zwei, Kleintiere mit 5,1 Mio. auf Rang drei.