Studie zum Milchmarkt Milchalternativen erhöhen Exportdruck für Molkereien

Milchalternativen könnten 2035 bis zu 25 Prozent des Konsums erreichen. Das kann Chancen für Molkereien eröffnen. Doch ohne mehr Exporte gerät die deutsche Milchbranche unter Druck, zeigt eine neue Studie.

Donnerstag, 22. Oktober 2026, 14:37 Uhr
Anke Reimink
Pflanzliche Milchalternativen gewinnen an Bedeutung. Sie lassen sich aus Mandeln, Haferflocken und anderen Rohstoffen herstellen. Bildquelle: Getty Images

Alternative Milchprodukte wie Haferdrink, Sojajoghurt oder Käsealternativen könnten 2035 zwischen 12,5 und 25 Prozent des Gesamtkonsums von Milchprodukten in Deutschland ausmachen – 2023 lag dieser bei 7,5 Prozent. Wenn die deutsche Milchwirtschaft diesen steigenden Konsum nicht durch höhere Exporte ausgleicht, könnte die inländische Milchproduktion unter Druck geraten und um 5,5 bis 19,4 Prozent sinken.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Alternative Milchprodukte – Nachfrageentwicklung und mögliche Auswirkungen auf den Milchmarkt in Deutschland“. Das landwirtschaftliche Thinktank Agora Agrar hat die Studie zusammen mit dem Fachzentrum Landwirtschaft und Lebensmittel der DLG und dem Fachgebiet Agrarmärkte der Universität Hohenheim erstellt. Grundlage für die Annahmen sind Expertengespräche und Marktanalysen.

Milchalternativen haben relevantes Entwicklungspotenzial

„Die Debatte um die Entwicklung alternativer Milchprodukte ist häufig von sehr unterschiedlichen Perspektiven geprägt, die das Potenzial entweder sehr gering oder sehr hoch ansetzen“, sagt Christine Chemnitz, Direktorin von Agora Agrar. „Wir sehen in unseren Analysen keines der beiden Extreme gegeben – wir gehen aber durchaus von einem relevanten Entwicklungspotenzial alternativer Milchprodukte aus, das den Markt dauerhaft verändern kann.“

Die Studie analysiert zwei Nachfrageszenarien. Im konservativen Szenario steigt der Anteil alternativer Milchprodukte von 7,4 Prozent im Jahr 2023 auf 12,5 Prozent im Jahr 2035, im dynamischen Szenario auf 25 Prozent. Die Autorinnen und Autoren nehmen für die Analyse eine über den gesamten Zeitraum konstante Nachfrage nach Milchprodukten an, die sowohl durch Kuhmilch- als auch durch alternative Produkte gedeckt wird.

Milchkonsum sinkt – Exporte müssten steigen

Das bedeutet: Je mehr Alternativen konsumiert werden, desto weniger Kuhmilchprodukte werden gekauft. Wie stark sich das auf die deutsche Milchproduktion auswirkt, hängt daher laut den Wissenschaftlern wesentlich davon ab, ob Molkereien und Milchviehbetriebe einen verringerten Absatz von Milchprodukten durch zusätzliche Exporte ausgleichen können.

Beide Nachfrageszenarien werden unter zwei hypothetischen Handelsszenarien analysiert: Wird die geringere nationale Nachfrage vollständig durch Exporte ausgeglichen, bleibt die inländische Produktion unbeeinflusst. Kann die reduzierte Nachfrage nach Kuhmilch aber nicht durch Exporte kompensiert werden, sinkt die Produktion in Deutschland bis 2035 gegenüber dem Niveau von 2023 um 5,5 Prozent im konservativen und 19,4 Prozent im dynamischen Szenario. 

Molkereien: Chance für neue Geschäftsfelder nutzen

Molkereien könnten laut der Studie auf diese möglichen Entwicklungen reagieren und ihr Angebot an ein verändertes Konsumverhalten anpassen. „Eine veränderte Nachfrage kann für Molkereien neue Handlungsoptionen eröffnen: Anlagen, Produktlinien und Know-how sind da, um neue Geschäftsfelder zu erschließen“, sagt Max Knoll-Rosenberg, Themenmanager Nutztierhaltung von Agora Agrar. „Wenn Molkereien dadurch wirtschaftlich stabil bleiben, profitieren auch die Milchviehbetriebe in der Region.“

Warum der Konsum von Milchalternativen steigen könnte

Die Studie untersucht auch, welche technologischen Ansätze die künftige Entwicklung alternativer Milchprodukte in den nächsten zehn Jahren beeinflussen könnten. Während kurzfristig der Fokus auf Milchalternativen liegt, könnte das langfristig anders sein. „Wir gehen davon aus, dass sich ab Anfang der 2030er Jahre neue Möglichkeiten durch Technologien wie die Präzisionsfermentation eröffnen. Damit könnten Produkte hergestellt werden, die funktional mit tierischen Milchprodukten vergleichbar sind“, Stephanie Wunder, Teamleiterin Nachhaltige Ernährung von Agora Agrar.

Besonders bei Trinkmilch, Joghurt, Sahne und teilweise auch Käse sehen die Studienautoren ein wachsendes Potenzial. Weiterhin können in weiterverarbeiteten Lebensmitteln wie Backwaren, Fertiggerichten, Speiseeis und Süßwaren alternative Zutaten zum Einsatz kommen, ohne dass sich das Produkt für Verbraucherinnen und Verbraucher grundlegend verändert.

Weitere Faktoren, die die Entwicklung alternativer Milchprodukte beeinflussen, sind Produktionskosten, EU-Zulassungsverfahren und Verbraucherakzeptanz. Wie sich diese Faktoren entwickeln, sei mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Dennoch ist es laut den Wissenschaftlern wichtig, frühzeitig und sachlich über mögliche Veränderungen des Milchmarktes zu sprechen. 

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