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Interview mit Olaf Schomaker „Mindestlohn gefährdet keine Arbeitsplätze“

Olaf Schomaker, Leiter Personal bei Globus, hält das neue Gesetz für die richtige Entscheidung. Globus selbst hat schon vorher das eigene Entgeltsystem GLENS eingeführt.

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Wie haben Sie reagiert, als die Bundesregierung den Mindestlohn beschlossen hat?
Olaf Schomaker: Ich halte den Mindestlohn und die festgelegte Höhe von 8,50 Euro für die richtige Entscheidung und glaube nicht, dass dadurch, wie vielfach in der Öffentlichkeit kommuniziert wurde, tausende Arbeitsplätze verloren gehen. Bei Globus liegen wir bereits über dem Mindestlohn und beginnen unser eigenes Entgeltmodell bei 8,67 Euro für Aushilfen. Bei der ersten Entgeltstufe liegt das Gehalt bei uns bei 9,51 Euro pro Stunde.

Gab es Schwierigkeiten bei der Einführung, z. B. mit der Dokumentationspflicht?
Nein, für uns war das kein Mehraufwand. Wir dokumentieren in unserem Zeiterfassungssystem alle notwendigen Informationen.

Wo sehen Sie Optimierungsbedarf?
Optimierungsbedarf sehe ich bei der Praktikumsvergütung. Ich kann zwar die Absicht der Bundesregierung nachvollziehen, dass Praktikanten nicht mehr für ein Jahr oder länger ohne eine angemessene Vergütung beschäftigt werden sollen. Ich sehe es auch als richtig an, diese Zeit entsprechend zu reglementieren. Allerdings halte ich die drei Monate ohne Anspruch auf Mindestlohn für zu knapp bemessen. Zudem sollten auch zwischen einem Bachelorabschluss und dem Master Orientierungspraktika möglich sein. In der Realität ermöglichen Unternehmen immer seltener für die Ausbildung wichtige Orientierungspraktika mit längerer Laufzeit. Grund dafür ist, dass Kosten und Nutzen im Ungleichgewicht sind.

Welche Vorteile hat das Gesetz für Globus?
Das Gesetz glättet in einigen Teilbereichen des Lebensmittel-Einzelhandels die Wettbewerbsverzerrung. Für Globus direkt sehe ich ansonsten keine Vorteile.

Herr Bruch hat schon vor der gesetzlichen Mindestlohn-Einführung 2014 gesagt, dass bei Globus dank der Globus-eigenen Entgeltstruktur GLENS bereits alle Mitarbeiter mindestens Mindestlohn verdienen. Welche Motivation hatte das Unternehmen, GLENS einzuführen?
Der Geschäftsführung war es wichtig, eine marktgerechte und wettbewerbsorientierte Vergütung einzuführen, um den veränderten Strukturen in den Häusern gerecht zu werden. Deshalb haben wir 2012 gemeinsam mit unseren Betriebsräten ein eigenes Entgeltsystem entwickelt. Mit GLENS können wir alle 65 Tätigkeiten, die es derzeit bei Globus gibt, abbilden und entsprechend entlohnen.

Werden jetzt alle Globus-Mitarbeiter nach GLENS bezahlt?
Wir haben mittlerweile die Globus Personal Servicegesellschaft (GPSG) aufgelöst und die 1.450 Mitarbeiter direkt in den Betrieben eingestellt. Ziel ist es, zeitnah auch die Mitarbeiter der Warenverräumung ins Unternehmen einzugliedern.

Wurde GLENS überall gut angenommen, oder gab es Schwierigkeiten bei den Verhandlungen?
Wie bereits zuvor geschildert, haben wir GLENS gemeinsam mit unseren Arbeitnehmervertretern entwickelt. Die Basis war also geschaffen.

Welche Auswirkungen hat GLENS heute?
Der wichtigste Erfolg von GLENS ist, dass alle ehemaligen GPSG-Mitarbeiter direkt in einem Betrieb eingestellt wurden. Gleiches gilt für Mitarbeiter mit Tätigkeiten, die im Einzelhandel typischerweise ausgelagert sind. Auch diese sind inzwischen weitestgehend direkt bei Globus beschäftigt.

Gibt es z. B. mehr Bewerbungen als vorher?
Wir werden generell als attraktives Unternehmen wahrgenommen. Dies liegt allerdings mehr an unserer besonderen Unternehmenskultur. Inwieweit GLENS dies zusätzlich positiv beeinflusst, kann ich nicht beurteilen.

Welche Reaktionen gibt es von anderen Handelsunternehmen?
Einige Kollegen der Branche waren sehr interessiert und haben sich beispielsweise nach den rechtlichen Bedingungen sowie der Einführung und konkreten Umsetzung erkundigt. Nachgeahmt hat es aber unseres Wissens bisher keiner.

Welches sind Ihre nächsten Ziele für die Personalarbeit bei Globus?
Eine wichtige Grundlage unserer Zusammenarbeit ist das Prinzip der dialogischen Unternehmenskultur. Wir wollen unseren Mitarbeitern Gestaltungsspielräume eröffnen, die ihre eigene Entfaltung zulassen und ein optimales Arbeiten im Sinne des Ganzen ermöglichen. Ein gutes Beispiel ist eine unserer sieben Mitarbeitergarantien, die 500-Euro-Entscheidungsgarantie. Sie besagt, dass jeder Mitarbeiter über Reklamationen bis zu einem Betrag von 500 Euro eigenständig entscheiden kann. Ohne zusätzlichen Abstimmungsprozess mit einer Führungskraft erleichtert sie nicht nur den Arbeitsalltag im Sinne des Kunden, sondern verdeutlich das Vertrauen, das wir in unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stecken. In Zukunft wird es darum gehen, selbstverantwortliches Arbeiten mit Blick auf das Ganze weiter zu fördern.

Was zählt noch zu den sieben Mitarbeitergarantien?
Wir sprechen insgesamt sieben Mitarbeitergarantien aus: die Mitunternehmergarantie, die Azubi-Übernahmegarantie, die Altersvorsorgegarantie, die 500-Euro-Entscheidungsgarantie, die Zukunftsdialoggarantie, die Karrieregarantie sowie die Treuegarantie. Auf jede einzelne einzugehen würde den Rahmen sprengen. Deshalb nur kurz zur ersten und bis heute wichtigsten Garantie, unserer Mitunterunternehmergarantie. Als wir diese vor 25 Jahren mit unserem Mitarbeiterbeteiligungsprogramm einführten, ging es unter anderem darum, den Mitarbeiter am Unternehmen und Unternehmenserfolg zu beteiligen. Mittlerweile nehmen etwa 50 Prozent unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Garantie in Anspruch und profitieren aktuell von einem garantierten Zinssatz in Höhe von 8,45 Prozent.

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