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Rewe Waldkirch Jeden Tag wie neueröffnet

Sonja Plachetta | 08. November 2016

In einem Jahrzehnt hat Dieter Schneider acht Märkte aufgemacht. Mit Ware von lokalen Erzeugern und einer cleveren Kundenbindungsstrategie ist der größte Rewe-Händler der Region Südwest rund um Denzlingen im Breisgau zur Marke geworden.

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Hindernisse sieht Dieter Schneider als Herausforderungen an. Der Hobby-Sportler fährt mit dem Rad immer noch regelmäßig „mit jungen Kerlen“ auf bis zu 1.200 m hohe Berge. „Und ich komme nicht als Letzter an“, sagt der 64-Jährige. Auch im Hauptberuf geht ihm die Puste nicht aus – im Gegenteil. Der Kaufmann hat innerhalb von zehn Jahren acht Märkte eröffnet, beschäftigt mehr als 350 Mitarbeiter, ist zum größten selbstständigen Händler der Rewe Südwest avanciert und treibt die Expansion voran. Bis 2020 sind vier neue Märkte geplant, die genau wie die bisherigen alle im Umkreis von 15 km um die Zentrale in Denzlingen liegen. „Dann werden wir einen Umsatz knapp unter der 100-Mio.-Euro-Marke erreichen und national zu den Top vier der Rewe-Händler gehören“, prophezeit Schneider.

Fakten im Fokus
  • Verkaufsfläche: 3.100qm
  • Mitarbeiter: 70
  • Artikel: 45.000
  • Bedientheke: 43m
  • Kunden pro Woche 8.500
  • Öffnungszeiten: mo. - Sa., 7 - 22 Uhr

Sein Erfolg basiert darauf, dass es ihm gelungen ist, die Marke „Dieter Schneider“ aufzubauen, die mit den Themen Heimatverbundenheit, Familie und Lokalität in Verbindung gebracht wird. Die Menschen in der Region kennen seine Läden. Und wer dort einkauft, geht eben zu „Schneiders“, nicht zu Rewe.

Mit welchem Konzept Schneider das geschafft hat, lässt sich gut in Waldkirch besichtigen – dem mit 3.100 qm Verkaufsfläche bisher größten Markt und dem bis dato jüngsten, den er selbst geplant hat. Schon in der opulenten Obst- und Gemüseabteilung werden die Kunden neben „Aus Liebe zur Heimat“-Schildern auf lokale Produzenten hingewiesen. 110 Erzeuger aus einem Umkreis von maximal 20 km beliefern ihn. Darunter sind auch welche, die nur ein Produkt herstellen, das auch nur in einigen seiner Märkte angeboten wird.


Das macht viel Arbeit. Die Lieferanten müssen gepflegt, die Konditionen häufig neu ausgehandelt, die Preise durchgerechnet und der Berg an Rechnungen abgearbeitet werden – und das schnell. Denn Schneiders Devise ist, dass die Erzeuger spätestens zehn Tage nach Rechnungseingang ihr Geld haben. Doch der Aufwand lohnt sich: Aufgrund dieser Garantie sind mehr Produzenten bereit, ihn zu beliefern, und das zahlt auf das Image als hochwertiger Lebensmittelladen mit ausgeprägt lokalem Charakter ein.

Bereits 20 Prozent des Umsatzes erzielt der Rewe-Händler mit lokalen Waren wie Kartoffeln, Marmelade, Eiern, Wein oder Bier. Auch an den Frischetheken – mit 34 m das Kernstück des Marktes – sind ihm solche Artikel wichtig. Besonders beliebt sind die Fleisch- und Wurstwaren der lokalen Metzgereien Linder und Schlenker. Mit Schildern an den Wänden, die Fotos von den Lieferanten zeigen, „wollen wir den Produkten ein Gesicht geben“, sagt er. Trotzdem ist gerade bei diesen Artikeln viel Beratung nötig. So arbeiten in Waldkirch 18 der 70 Mitarbeiter an den Theken. Das wirkt sich auf die Personalkosten aus, die höher sind als in einer vergleichbaren Regie-Filiale. Aber Schneider ist sicher: „Das zahlt sich langfristig aus.“


Südbadischer Wein ist Umsatzgarant

Wein, Sekt und Spirituosen machen in Waldkirch 7,1 Prozent des Umsatzes aus. Von den 1.600 Weinen in der 180 qm großen Weinabteilung stammen 1.000 aus zehn deutschen Anbaugebieten.Im Fokus stehen dabei die lokalen Gebiete Kaiserstuhl, Markgräflerland, Breisgau und Ortenau. Ganze 80 Prozent des Gesamtumsatzes mit Wein wird bei Rewe Schneider mit Flaschen aus Südbaden erzielt.

Denn er sieht nur zwei Chancen, um sich gegen die Discounter durchzusetzen: qualifizierte Mitarbeiter und eine stetig wachsende Kundenzahl. Mitarbeiter werden u. a. motiviert durch gemeinsame Feiern und Fahrten sowie die Marktleiter mit je einem Dienstwagen und monatlichen Erfolgsbeteiligungen. Um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen, hat der Kaufmann eigens eine Dienstleistungsgesellschaft gegründet, deren Mitarbeiter für saubere Läden und volle Regale sorgen. „Jeder Laden soll jeden Tag so aussehen, als handele es sich um eine Neueröffnung“, betont Schneider. Warenverfügbarkeit ist für ihn das A und O – auch bei Aktionsware will er sie noch samstags abends garantieren. Deshalb hat er acht mobile Gondelköpfe installiert, die mit Aktionsware bestückt sind. Acht weitere stehen im Lager. Sie werden donnerstags mit den neuen Werbeartikeln bepackt und montags in den Markt gerollt.

Wenn es um Markenpflege und Kundenzufriedenheit geht, denkt Schneider auch nicht nur ans Geldverdienen. Ein Beispiel ist die Fischtheke: „Da steht unternehmerischer Wille dahinter, kein kaufmännisches Denken.“ Er leistet sie sich, weil er überzeugt ist, dass sie ein Kundenmagnet ist und deshalb mehr Menschen bei ihm einkaufen – auch dank der guten Beratung der drei Fischfachverkäufer. Ein anderes Beispiel ist das von ihm eingeführte Reklamationsmanagement. Kunden erhalten bei nachvollziehbaren Beschwerden einen 20-Euro-Gutschein und einen Blumenstrauß. „Das ist die beste Mund-zu-Mund-Propaganda und trägt zu einem guten Image bei.“

Schnell gelesen

Rewe Dieter Schneider, Mauermatttenstraße 26, 79183 Waldkirch

  • Beim Umsatz liegt der Markt in Waldkirch, wie die anderen sieben Standorte auch, „deutlich über Vorjahr“. Das Wochenendgeschäft ist überproportional stark ausgeprägt.
  • Starker Fokus auf lokale Produkte: 110 Erzeuger aus einem Umkreis von 20 km beliefern Dieter Schneider. Der Umsatzanteil dieser Ware liegt insgesamt bei 20 Prozent.
  • Bis 2020 will Dieter Schneider vier weitere Märkte rund um Denzlingen eröffnen.

Kaum vorstellbar, dass der Mann, der von sich sagt, dass er mit Inbrunst bei der Sache ist, sich am Anfang seiner Selbstständigkeit „blutleer“ gefühlt hat. „Die Trauer um den Verlust meiner Geschäftsführertätigkeit bei Rewe Südwest wog damals schwerer als die Freude an den eigenen Läden“, bekennt er. Nach fast 40 Jahren bei Rewe, davon 13 als Geschäftsführer in Wiesloch, gingen Schneider und der Konzern 2006 getrennte Wege, weil es im Zusammenhang mit der Strukturreform unterschiedliche Ansichten über die Betreibungsform der Rewe-Märkte gab. Er erhielt das Angebot, sich mit zwei Läden selbstständig zu machen, doch sein Antrieb, Kaufmann zu werden, war zunächst gering. Seine Frau Erika, seine Kinder Martin und Stephanie sowie sein Schwiegersohn Mike Schneider, der mit ihm heute das Unternehmen leitet, drängten ihn, mit der Selbstständigkeit loszulegen.

Heute ist das anders. Da gibt es schon mal Diskussionen mit seiner Frau und Tochter, die vor einem Jahr Enkelin Lara zur Welt gebracht hat, ob die Familie die Verantwortung für noch mehr Märkte und Mitarbeiter übernehmen sollte. Doch Dieter Schneider ruht nicht. Sein Antrieb ist, seinen Kindern ein gesundes Unternehmen zu hinterlassen: „Dazu mache ich, wenn nötig, auch einen 13. und 14. Markt auf, um unser Gebiet vor Wettbewerbern zu schützen.“ Die Konkurrenz sollte gewarnt sein: Den langen Atem dafür hat der Hobby-Radler allemal.

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