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Handel International Versteckte Juwelen

Boris Planer | 05. Oktober 2017

Blicken Sie auf der Suche nach Absatzimpulsen auch mal über den Tellerrand: Die wachsenden urbane Zentren in Schwellenländern bieten mittelständischen Herstellern viele Chancen, weiß Boris Planer von Planet Retail.

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Man kennt es aus der Arbeitswelt: die lautesten Kollegen mögen gut sein. Sie sind aber nicht in jedem Fall automatisch die besten. Denn nicht selten wird herausragende, ja existenziell wichtige Arbeit im Schatten der großen Bürodebatten geleistet. Wer als Manager auf der Suche nach den besten Ideen im Unternehmen ist, der sollte sich deshalb hin und wieder auf den Weg machen, um ganz bewusst auf die leisen Töne zu achten. In der Konsumgüterwirtschaft verhält es sich derweil so, dass zahlreiche interessante Märkte und Marktnischen nicht bearbeitet werden. Manchmal liegt das daran, dass sie überhaupt nicht wahrgenommen werden. Und das wiederum hat seinen Grund darin, dass sie über keine statistische Stimme im öffentlichen Raum verfügen.

Der Autor

Boris Planer ist Global Chief Economist bei Planet Retail. Er berichtet im Wechsel mit seinen Kollegen über Entwicklungen im internationalen Handel.

Wer als Entscheidungsträger dafür bezahlt wird, Wachstum zu generieren und Gewinne einzufahren, dem sollte es folglich nicht schaden, sich in regelmäßigen Abständen auch jenseits der offensichtlichen Pfade nach neuen Absatzmöglichkeiten umzuschauen. Zu den spannendsten, aber häufig übersehenen, Absatzmöglichkeiten gehören die schnell wachsenden urbanen Megazentren in Schwellenländern. Zu diesen Städten gibt es oft überhaupt keine brauchbaren Regierungsstatistiken – denn wenn es um den Verbraucher und seine Gewohnheiten geht, sind die Statistikämter der Schwellenländer im besten Fall noch ganz auf die nationale Ebene eingeschossen. In den meisten Fällen gibt es allerdings nicht einmal dort repräsentative Verbraucherdaten.

Auch unter Entscheidungsträgern hierzulande ist es durchaus weit verbreitet, bei der Sondierung von Marktpotenzialen routiniert auf die nationale Ebene zu schauen. Und bei diesem Blick fallen viele Schwellenländer direkt durchs Raster: zu arm, zu korrupt, zu schlechte Straßen, zu viele Stromausfälle, zu wenig Internet, zu hoher Krankenstand, zu wenig Fachausbildung, und vor allem: zu wenig Stabilität.

Aber so, wie es in einer Rezession meistens auch wachsende Marktsegmente gibt (während der Finanzkrise 2008/09 waren in Großbritannien etwa Supermärkte und Fertiggerichte die großen Gewinner, während es der Gastronomie an den Kragen ging), so geht auch in einem Schwellenland während einer Krise nicht alles zu Bruch. Städte wie São Paulo, Mexico City in Lateinamerika; Seoul, Shanghai, Chongquin, Taipei und Manila in Asien; Kairo und Teheran im Nahen Osten; sowie Lagos und Johannesburg im subsaharischen Afrika ruhen, nein stehen, nämlich allesamt auf mehreren Wachstumssäulen zugleich.

In guten Jahren wachsen die Märkte, weil Bevölkerung, Einkommen, ausländische Direktinvestitionen, die Qualität der Infrastruktur sowie Investitionen in Gesundheit und Bildung sich allesamt durchgängig positiv entwickeln.

In schlechten Jahren bleibt zumindest das Bevölkerungswachstum als positiver Impuls erhalten, getragen von den drei Säulen, nämlich der Urbanisierung, der Migration und den im globalen Vergleich noch immer hohen Geburtenraten. Rutschen Brasilen und Nigeria in eine Wirtschaftskrise, wie in den vergangenen Jahren geschehen, so zeigen sich die Einzelhandelsmärkte von São Paulo (22 Mio. Einwohner) und Lagos (25 Mio. Einwohner) zäh und widerstandsfähig.

Mittelständische Markenhersteller sind für die Erschließung dieser riesigen urbanen Märkte nicht einmal auf internationale Handelsunternehmen angewiesen. Es gibt diverse Möglichkeiten, mit relativ geringem Aufwand über lokale Händler und Großhandelswege im unabhängigen Handel neue Märkte zu erschließen , die viel zu bieten haben: Einkommen deutlich über dem nationalen Durchschnitt, eine relative gute Infrastruktur, eine erstaunliche Krisenfestigkeit und, über außergewöhnlich hohe Bevölkerungsdichten, einen äußerst effizienten Zugang zu Verbrauchern.

Wir haben uns das für 155 aufsteigende Megacities genauer angeschaut. Diese Ständte werden im Jahr 2022 für fast 25 Prozent des weltweiten Einzelhandels stehen. Es lohnt sich, sich jetzt umzuschauen.

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