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Einkaufen mit Jörg Dornseifer „Man muss einfach am Ball bleiben“

Dieter Druck | 18. Mai 2012

Jörg Dornseifer und seine Sicht des Energie-Managements im Lebensmittelhandel.

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Jörg Dornseifer, geschäftsführender Gesellschafter der Dornseifer Unternehmensgruppe, ist verantwortlich für die 19 Lebensmittelmärkte im Sieger- und Sauerland. Seine Devise: Mit Blick auf Energieeffizienz und -einsparungen ist vieles machbar, aber es gilt der Grundsatz, es muss dem Kunden und /oder dem Unternehmen auch Nutzen bringen, ökologisch oder ökonomisch.

Auch Mittelständler müssen sparen und sei es bei der Energie. Spaß beiseite. Der Markt in Siegen ist einer der Vorzeigemärkte von Dornseifer. Wie haben Sie in Sachen Energieeffizienz bzw. -einsparung damals geplant?
Jörg Dornseifer: Vor zwei Jahren wurde der Siegener Markt eröffnet und es wurde das, was seinerzeit technisch ausgereift und auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten vertretbar war, umgesetzt. Wobei wir als mittelständisches Unternehmen nicht den Anspruch haben, Technologievorreiter zu sein. Da genießen die großen Handelsunternehmen einen anderen Status. Aber Optimierung ist auch bei uns ein kontinuierlicher Prozess, wobei die Erneuerungszyklen sich verkürzen. Man muss einfach am Ball bleiben.

Was wird heute im Detail energiespar-technisch umgesetzt?
Eines der Kernstücke ist die Wärmerückgewinnung aus der Abwärme der Kühlaggregate. Damit heizen wir. Das ist aber heute weitgehend Standard bei Neueröffnungen. Darüber hinaus haben wir eine Solaranlage sowie Photovoltaik-Module.

Welche Erfahrungen machen Sie mit der „Technik auf dem Dach“?
Die Warmwasserbereitung über eine Solaranlage macht aus unserer Sicht weniger Sinn. Anders sieht es bei Photovoltaik aus. Hier nutzen wir 90 Prozent des erzeugten Stroms am Standort Siegen selbst, die restlichen 10 Prozent wandern ins Netz.

Und die Amortisation?
Wenn man nur die Installation der Photovoltaik-Panels rechnet, Wartungs- und Reparaturkosten außen vorlässt, sind je nach Standort rund 12 bis 15 Jahre realistisch. Ich denke, das ist vergleichbar mit den Anlagen auf Privathäusern.

Wie ist Ihre Meinung zu LED? Hier gehen ja noch die Ansichten teilweise auseinander.
LED-Leuchten haben wir bislang in den neuen Kühlmöbeln, weil durch geringeren Verbrauch und niedrige Abwärme zwei Effizienzansätze verfolgt werden. Bei der generellen Beleuchtung im Markt sind wir noch nicht so überzeugt von der LED-Technik. Das genügt derzeit nicht unseren Vorstellungen.

Gilt das auch für Türen an den Kühlmöbeln?
Ja . Bislang sind wir noch der Überzeugung, dass Türen in den Frischesortimenten vom Kunden nicht gelernt sind und damit auch den direkten oder spontanen Zugriff hemmen. Wichtig ist doch immer die Frage, akzeptiert der Kunde das, und nutzt es ihm bzw. uns als Unternehmen. Ein aktuelles Beispiel, fällt jetzt nicht unter das Thema Energie, waren unsere Tests mit Papiertüten als Alternative oder Ersatz zur Plastikvariante. Wenn der Kunde die Alternative nicht annimmt, können wir nur reagieren und nicht den Konsumenten erziehen.


Wurden im Nachhinein auch in anderen Filialen die Energiesparmaßnahmen umgesetzt?
Die meisten unserer Filialen sind heute auf einem vergleichbaren Stand wie der Markt in Siegen. Einschränkungen ergeben sich in erster Linie bei Photovoltaik, weil, um eine entsprechende Effizienz zu erreichen, schon Südausrichtung, Dachneigung, Sonnenstunden etc. stimmen müssen. Da ist allgemein der Süden besser dran als das Sauerland. Bislang verfügen drei unserer Standorte über entsprechende Technik auf dem Dach.

Wie bilanzieren Sie den Energieverbrauch?
Wir haben damit begonnen, jeden unserer Standorte hinsichtlich des Energieverbrauchs und Einsparpotenzials zu analysieren. Die Zahlen werden im Herbst vorliegen und sind Bestandteil eines Nachhaltigkeitskonzepts, das sowohl unsere Produktionsbetriebe als auch die Einzelhandelsstandorte einbezieht.

Welche Informationsquellen nutzen Sie in erster Linie?
In der Planung bieten die Baubeschreibungen der Rewe eine gute Basis. Orientiert haben wir uns an der Vorstufe, was die komplette Umstellung auf Grünstrom angeht. Kein Schritt, der Einsparungen brachte, aber Sinn macht. Darüber hinaus ist natürlich der Austausch mit anderen Händlern, beispielsweise beim MLF, eine gute Informationsquelle, und ansonsten halten wir die Augen auf.

Auf welche Förderungen haben Sie bei der Umsetzung energiesparender Maßnahmen zurückgegriffen?
Abgesehen von den üblichen Krediten, nutzen wir bei der Photovoltaik die Einspeisungs- bzw. Selbstnutzungspauschale. Ein interessanter Aspekt ist die Förderung von Kühlaggregaten mit CO²-Technologie. Die waren vor zwei Jahren, als wir in Siegen bauten, noch nicht aktuell und werden auch nur bei der Einstufung als Neubau gewährt. Aber ein Ansatz, den wir natürlich im Auge behalten werden.

Kommunizieren Sie Maßnahmen in Richtung Kunden?
Von Teilaspekten abgesehen, steckt dies noch in den Kinderschuhen. Aber wir werden uns auch in diese Richtung bewegen. Wie gesagt, auch im Rahmen des geplanten Nachhaltigkeitskonzepts.

Ist das Energiesparen nach Ihrer Einschätzung eine imagebildende Maßnahme, die auch den Kunden interessiert und bindet?
Sicherlich sind ökologische Aspekte gut für das Image und das kommt auch bei vielen Kunden irgendwie an. Aber primär sind, so ist unsere Sicht der Dinge, Qualität, Sortimente und Warenpräsentation stärkere Faktoren bei der Wahl der Einkaufstätte.

Und wie werden die Mitarbeiter in diese Thematik einbezogen?
Im Zuge des Nachhaltigkeitsprojektes wird es Mitarbeiter-Workshops geben.

Welche Projekte neben dem Nachhaltigkeitsprojekt stehen an?
Ein wesentlicher Bestandteil ist unsere Positionierung als regionaler Lebensmittelhändler/-hersteller. Das heißt, dass bei uns die Verankerung in unserer Heimat der wesentliche Beweggrund für das Nachhaltigkeitsprojekt ist. Neben den ökologischen Gesichtspunkten wird sich dabei die Vermarktung regionaler Produkte, wie auch unsere soziale Verantwortung in unserem Verbreitungsgebiet wiederfinden. Und nicht zuletzt schaffen wir Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen in unserer Region.

Zur Person
Jörg Dornseifer ist geschäftsführender Gesellschafter der Dornseifer Unternehmensgruppe. Im Zuge der Nachfolgeregelung hat er die Handelssparte von seinem Vater, Friedhelm Dornseifer, übernommen und kümmert sich federführend um die Expansion, das Marketing und die Personalentwicklung.
Bildquelle: Carsten Hoppen
LPV GmbH

Am Hammergraben 14
56567 Neuwied
Tel.: +49 (0)2631 879-0
Fax: +49 (0)2631 879-201

Web: www.lebensmittelpraxis.de

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