DRUCKEN

Karriere Die Chefs von morgen

Myrjam Dobesch | 26. Juni 2018

Jeder Arbeitgeber braucht kompetenten Nachwuchs. Der Schlüssel dazu liegt in der Ausbildung. Hier ist es wichtig und sinnvoll, zu investieren: in Zeit, die Vermittlung von Fachwissen und ein offenes Ohr. Wir geben sieben Einblicke in Vorzeigekarrieren.

Anzeige

Die Chefs von morgen, wo kommen die her? Sicher ist, dass sie nicht vom Himmel fallen. Der Grundstock sind Motivation, Wille und eine fundierte Aus- und Weiterbildung. Die Stationen können dabei so bunt sein wie ein Regenbogen. Entscheidend für den weiteren Weg ist, dass der Auszubildende seine Arbeit positiv erlebt und durch den Betrieb beziehungsweise die Ausbilder unterstützt wird. Ein wichtiger Faktor ist zudem die familiäre Situation. Stehen privat Veränderungen an, sind Kinder ein Thema, und wie lässt sich das mit dem Beruf vereinbaren?

Sieben Karrieren geben Aufschluss darüber, was einen guten Ausbildungsbetrieb ausmacht. Die Geschichten sind auch für die Arbeitgeber interessant. Bindungen entstehen über Wertschätzung. Entscheidungsfreiheit und die Übernahme von Verantwortung sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielen in der Karriere eine große Rolle.

Selber noch in der Ausbildung zum Redakteur, war es interessant, für das Thema zu recherchieren und Einblicke in den Werdegang anderer junger Menschen zu bekommen. Was war für sie der entscheidende Auslöser, genau diesen Weg einzuschlagen? Warum überhaupt Handel beziehungsweise Logistik? Und warum genau dieser Arbeitgeber? Alles spannende Fragen, denen wir auf den Grund gehen durften

ANZEIGE

Karin Hierl-Schmidhammer

Globus Mühldorf

  • Kauffrau im Einzelhandel
  • alleinerziehende Mutter
  • Teamleitung in Einarbeitung

Der Begriff „Hummeln im Hintern“ scheint für Menschen wie Karin Hierl-Schmidhammer gemacht. Stillstand ist ihr ein Gräuel. Die mittlerweile 40-jährige Mutter ist vor 25 Jahren mit einer Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel ins Berufsleben gestartet. Sie hatte sich für den Handel entschieden, da sie den Umgang mit Menschen sowie Teamarbeit schätzt. Es folgten mehrere Jahre bei Edeka. 2003 kam ihr Sohn zur Welt und die junge Frau ging in Erziehungsurlaub. Nach zwei Jahren kehrte sie auf die Ladenfläche zurück. Alleinerziehend in Vollzeit – für die Kauffrau dank Unterstützung ihrer Eltern kein Problem.

Vor fünf Jahren hörte sie, dass Globus Mühldorf eine Thekenkraft sucht. Als familienfreundlicher Arbeitgeber bekannt, bewarb sie sich mit dem Wunsch der Weiterentwicklung. Wenige Tage später kam die Zusage, und kurz darauf startete Hierl-Schmidhammer an der Fischtheke. Nach und nach übernahm sie mehr Aufgaben und bewarb sich Anfang vergangenen Jahres für die interne Ausbildung zum Teamleiter „GLUP 1“. Das Schicksal kam dem Start zuvor: Eine Kollegin wechselte kurzfristig das Globus-Haus und das Energiebündel übernahm deren Aufgaben zum März 2017. Als „Teamleitung in Einarbeitung“ ist sie für die Fisch- sowie Käsetheke zuständig. „Ich mag die Herausforderung und wachse Tag für Tag mit den Aufgaben“, erzählt die engagierte Frau. „In dem Jahr habe ich vor allem gelernt, ein Team zu führen, und mein Sohn sagt mir, wie stolz er ist“, fügt sie hinzu. Und in der Freizeit? Auch hier ist sie aktiv. Neben ihrer Ukulele liebt sie Gartenarbeit. Zudem geht es einmal die Woche zum Darts-Training, zusammen mit ihrem Mann, dem sie vor vier Jahren das Jawort gab.

Alexander Kreuzberg

Edeka Kreuzberg

  • Informationstechniker
  • Führungskraft Handel
  • Familienvater

Mit Erlangen der Mittleren Reife stand für Alexander Kreuzberg fest: „Ich stehe nicht um 5 Uhr auf und räume Bananen ein.“ Der Kaufmanns-Spross entschied sich zunächst für eine Ausbildung zum Informationstechniker. Nach Abschluss stellte er schnell fest, dass doch ein Händler-Herz in ihm schlägt. Sein Vater war zu Tränen gerührt, als Kreuzberg Junior verkündete: „Ich habe mich getäuscht und möchte deinen Beruf erlernen.“ Nach der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei Edeka Vogl wechselte er zu Edeka Osterkamp. Dort nahm der Kaufmanns-Nachwuchs am Junioren-Aufstiegs-Programm (JAP) teil und lernte seine spätere Frau kennen.

Nach einem Jahr stieg er schließlich mit Vollgas in den väterlichen Betrieb ein. Bereits während des JAP hatte Kreuzberg bei der Planung des neuen Ladens in Neuwied geholfen und konnte nun tatkräftig bei der Anlaufphase helfen. Eine Weiterbildung zur Führungskraft-Handel folgte. Mit seinen 28 Jahren teilt er sich nunmehr die Geschäftsführung für alle drei Läden mit seinem Vater.

„Jeder Tag sieht anders aus“, antwortet Alexander Kreuzberg auf die Frage, was er an seinem Beruf besonders schätzt. Besondere Freude hat er an Verkauf und Beratung. So gilt sein Augenmerk vor allem dem Frischebereich, wie etwa der Fleischtheke. Die Geburt seines Sohnes besiegelte im vergangenen Jahr sein privates Glück. Beruflich steht in ein paar Jahren das Unternehmer-Kompetenz-Programm auf dem Plan. Ein weiteres Ziel am Tag X: „Meinen Vater in Rente schicken und die Märkte nach seinem Vorbild weiter führen“, sagt der junge Mann und lacht verschmitzt.

Marco Linder

Kaufland Heilbronn

  • Aushilfskraft
  • BA-Studium
  • Hausleiter

Marco Linder wurde Kaufland bereits in die Wiege gelegt: Seine Mutter arbeitet bereits seit mehr als 26 Jahren bei dem Unternehmen. Während des Abiturs begann er seine eigene Karriere in dem Unternehmen. In Heilbronn arbeitete er drei Tage in der Woche in der Getränkeabteilung, in den Sommerferien auch als Urlaubsvertretung für festangestellte Mitarbeiter. Nach dem Abitur absolvierte er das Duale Studium BWL – Konsumgüter-Handel Filiale bei Kaufland. Dann ging es sehr schnell: Zum Ende seines dualen Studiums wurde Marco Linder Leiter des Warenbereichs Food in Rottweil und anschließend Marktleiter in Einarbeitung. Eineinhalb Jahre nach Abschluss seines Studiums, mit gerade einmal 25 Jahren, ging es weiter auf der Karriereleiter: Marktleiter in Schramberg (Schwarzwald). Seit einem Jahr führt er nun die umgebaute Filiale in Heilbronn.

Seine Lieblingsabteilung ist die Obst- und Gemüseabteilung. Der junge Mann schätzt die Kreativität. „Bei Obst und Gemüse gibt es viel Spielraum. Hier kann man den Kunden immer wieder Neues zeigen.“

An seiner Arbeit gefällt dem 27-Jährigen besonders, dass jeder Tag anders ist und er mit den unterschiedlichsten Menschen zusammenarbeiten kann.

Künftige Herausforderungen sieht er vor allem in einem veränderten Kundenverhalten: „Der Online-Einkauf wird zunehmen. Wir müssen es schaffen, dass der Kunde den Genuss in unseren Filialen stärker erfährt.“

Privat hat der passionierte Fußballer sein Glück gefunden: Im Sommer kommt Nachwuchs auf die Welt.


Daniel Lugert

Lidl Dettingen

  • Aushilfe
  • Gruppenleiter
  • Verkaufsleiter

Daniel Lugert arbeitete schon in seiner Schulzeit als Kommissionierer im Lidl-Lager in Dettingen an der Iller. Nach dem Abitur begann er ein Duales Studium außerhalb von Lidl. Er kehrte aber während seines Masterstudiums, BWL mit Schwerpunkt Management, an seine alte Wirkungsstätte zurück. „Während dieser Zeit ist mir aufgefallen, dass Lidl ein sehr interessanter Arbeitgeber ist. Die gelebte Hands-On-Mentalität hat mich überzeugt. Hier kann man immer etwas bewegen.“ Nach seinem Studium stieg er im Alter von 25 Jahren als Gruppenleiter im Lager in Dettingen ein. Als Schnittstelle zwischen Lager und Filiale gehörte es unter anderem zu seinen Aufgaben, die Filialen mit Ware zu versorgen und die Aufgaben in seinem Team zu verteilen. Dabei gefiel ihm neben der Abwechslung, vor allem, dass er schon früh viel Verantwortung übernehmen konnte. Nach zwei Jahren wechselte Daniel Lugert vom Betrieb in den Vertrieb. Als Verkaufsleiter betreut der 28-Jährige jetzt fünf Filialen mit rund 120 Mitarbeitern. Mit den Filialleitern bespricht er unter anderem aktuelle Vertriebsthemen und setzt gemeinsam mit dem Filialteam firmenspezifische Konzepte um. Außerdem kümmert er sich um die Entwicklung von jedem einzelnen Mitarbeiter. „Mir ist es wichtig, die Mitarbeiter so zu fördern, dass jeder sich wohl fühlt und sich optimal in seinen Job einbringt“.

Daniel Lugert selbst arbeitet nun seit mehr als einem Jahr als Verkaufsleiter. „Ich lerne immer noch viel und möchte mir in den nächsten Jahren einen großen Erfahrungsschatz aufbauen.“

Arthur Sattler

Rewe Arthur Sattler

  • Abitur
  • Handelsfachwirt
  • Selbstständiger Kaufmann

Für Arthur Sattler stand schon immer fest, dass er irgendwann einmal in den Handel gehen würde: „Schon als Kind hat es mir gefallen, Menschen dabei zuzusehen, wie sie anderen Menschen etwas verkaufen.“ Nach dem Abitur stieg er bei der Rewe in das Abiturientenprogramm ein und schloss dieses eineinhalb Jahre später als Handelsfachwirt ab.

Es folgten Stationen als stellvertretender Marktleiter und Marktleiter bei Filialmärkten der Rewe in Ebersberg und Wasserberg. Mit 25 Jahren machte sich Arthur Sattler mit dem Markt in Ebersberg selbstständig, nachdem dieser privatisiert wurde. Viele Mitarbeiter sind mit ihm in den neuen Markt gewechselt. „Ich wusste, dass ich mich auf sie verlassen konnte. Das hat den Start sehr vereinfacht.“ Vor zwei Jahren wurde ihm ein weiterer Markt, den die Rewe privatisieren wollte, zur Übernahme angeboten. Als Rewe-Kaufmann betreibt er seitdem neben dem Markt in Ebersberg einen zweiten in Kirchseeon.

Mit seiner Erfahrung unterstützt er die Rewe bei der ständigen Weiterentwicklung. So arbeitet er unter anderem im „TeK-Arbeitskreis“ mit. Hier treffen sich Kaufleute, Marktmanager und Manager aus der Zentrale und Logistik, um die Zusammenarbeit auf allen Ebenen besser zu koordinieren. Als Beobachter bei Assessment-Centern engagiert er sich für einen starken Nachwuchs.

In seinen Märkten legt Arthur Sattler viel Wert auf den persönlichen Umgang mit den Kunden. „Wir sind der einzige Nahversorger im Ort. Da ist es wichtig, dass sich die Menschen bei uns wohlfühlen und auch mal in Ruhe eine Runde ratschen können.“

Sven Scheve

Aldi Süd Ruppichteroth

  • Verkäufer
  • stellvertretender Filialleiter
  • Ziel: Filialleiter

Sven Scheve liebt Ordnung und Sauberkeit. Darauf legt er auch bei der Arbeit wert. Der 28-Jährige ist stellvertretender Filialleiter bei Aldi Süd in Ruppichteroth und sein Ziel der eigenen Filiale liegt in greifbarer Nähe. „Seit ich im Handel angefangen habe, wollte ich immer gerne die Leitung übernehmen“, berichtet Scheve. Seine Laufbahn begann nach der Mittleren Reife mit einer dreijährigen Ausbildung als Verkäufer. Sein Fleiß wurde unter anderem mit einer Begabtenförderung der IHK belohnt. Im Anschluss war er ein paar Jahre in Teilzeit angestellt und übernahm bedarfsabhängig die Filialvertretung. 2013 bekam der junge Mann den ersehnten Vertrag für die interne Ausbildung zum Filialvertreter. Ausgelegt auf fünf Jahre, hat er diese nach vier Jahren bereits abgeschlossen und ist seit November 2017 als „zweiter Mann“ angestellt.

Zeitgleich gab es noch etwas zu feiern. Der Rheinländer wurde Vater eines Sohnes und nahm zunächst eine vierwöchige Elternzeit. Seitdem steht die Familie an erster Stelle. Abstriche macht Scheve lieber bei seinen Hobbies. Um beruflich flexibel zu sein, hängte er das aktive Fußballspiel an den Nagel. Ihm bleibt noch der Radsport: „Aber mit Power und keine gemütliche Tour!“ Überhaupt packt er gerne mit an. „Nur am Schreibtisch sitzen, ist nichts für mich. Mein Beruf bietet mir Abwechslung, und es steht immer wieder etwas Neues an“, so Scheve. Besonders den Bereich Obst und Gemüse mag er, da sich die Früchte schön präsentieren lassen und man schnell einen Erfolg sieht. Auch um die Bestellung kümmert er sich gerne: „Bei dem manuellen Teil wird man gefordert und muss beispielsweise das Wetter und Feiertage berücksichtigen.“


Katharina Schneeweiß

Real

  • Duales Studium bei Real
  • bald Geschäftsleiterin
  • Work & Travel in Australien

Eigentlich wollte Katharina Schneeweiß Biologin am Amazonas werden. Jedoch, so fragte sie sich: „Woher kommt das Geld, wenn ich durch den Regenwald krieche?“ Ein Job bei Real während ihrer Abiturphase brachte die Alternative. Kurz vor Abschluss der Hochschulreife verwies ein Aushang im Laden auf ein Duales Studium. „Klasse“, dachte sie und bewarb sich. Nach drei Jahren hatte die junge Frau den Diplom-Betriebswirt in der Tasche und konnte in Dortmund direkt als Teamleiterin für den Food-Bereich einsteigen. Zwei Jahre später nahm sie an der internen Weiterbildung zur stellvertretenden Geschäftsleiterin teil.

2012 musste das Unternehmen einige Zeit auf sie verzichten. Die Berlinerin erfüllte sich einen Kindheitstraum und ging für ein Jahr nach Australien. Danach konnte sie in ihre alte Position zurückkehren. „Australien war großartig, aber ich habe mich auf mein Team gefreut“, berichtet sie.

Im Frühjahr 2016 bekam sie eine besondere Chance. Der Real-Markt in Krefeld wurde zur Markthalle umgebaut, und sie half als Koordinator-Food bei dem Pilotprojekt. „Ich durfte aktiv bei der Planung helfen. Das war toll!“, so die zielstrebige Frau. Seit März ist sie „Geschäftsleiterin in Einarbeitung“ und freut sich darauf, nach einem Jahr ihren eigenen Markt zu übernehmen. Schneeweiß mag die Großfläche, auf der sie jeden Tag beachtliche Strecken zurücklegt. Außerdem schätzt sie die Abwechslung sowie den Kontakt mit Menschen im Arbeitsalltag. Als Genussmensch ist ihr gesunde Ernährung ein Herzens-Thema. Wenn sie nicht über die Marktflächen flitzt, dann ist sie gerne in der Natur und geht reiten. Ein weiteres Ziel? „Ein Altersruhesitz in Australien wäre schön“, ergänzt sie augenzwinkernd.

LPV GmbH

Am Hammergraben 14
56567 Neuwied
Tel.: +49 (0)2631 879-0
Fax: +49 (0)2631 879-201

Web: www.lebensmittelpraxis.de

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Angebotes darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fällt insbesondere auch die Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM oder Online-Dienste.

All rights reserved. Reproduction or modification in whole or in part without express written permission is prohibited.

Noch kein Account? Registrieren!

Login