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Karriere Die fantastischen Vier

Heidrun Mittler | 03. Juni 2016

Wie gelingt es jungen Frauen, Karriere im Handel zu machen? Auf jeden Fall nicht ohne Männer. Welche Voraussetzungen nötig sind, zeigt das Beispiel Real.

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Wer kennt es nicht, das Mantra der Personalentwickler? „Nur wer heute die Führungskräfte von Morgen ausbildet, hat in Zukunft Erfolg.“ Fragt sich nur, wie man dieses Ziel in der Praxis umsetzen kann. Dabei gibt es naturgemäß zwei Blickwinkel: Einmal die des Mitarbeiters, der selbst Karriere machen möchte, und zum zweiten die der Führungskraft, die junge Nachwuchskräfte in die richtige Spur bringt. Hannelie Bohnes, Hauptabteilungsleiterin Personalentwicklung bei der Real SB-Warenhaus GmbH mit Sitz in Mönchengladbach, weiß: „Nur, wenn sich eine bestimmte Person gezielt und nachhaltig um eine Nachwuchskraft kümmert, klappt auch wirklich der Schritt nach vorn.“ Dabei kann die Abteilung Personalentwicklung im Unternehmen nur die Instrumente zur Karriereförderung liefern. Im Gegenzug muss jede Führungskraft ihr „eigener Personalentwickler“ sein, sich also selbst um die Führungskräfte in spe kümmern. Übrigens: Das gilt für einen kleinen Supermarkt genauso wie fü r die Großfläche.

Katy Koch

25, Handelsassistentin, arbeitet im Real SB-Warenhaus Wiesbaden Äppelallee als Teamleiterin Getränke. In dem mehr als 12.000 qm großen Haus warten täglich neue Herausforderungen auf die Nachwuchskräfte, deshalb möchte sie nachdem Abschluss des Programms zur stellvertretenden Geschäftsleiterin gern erst einmal dort bleiben. Privat ist sie ein ANPACKEN UND EIN GUTES BEISPIEL GEBEN - DANN ZIEHEN AUCHDIE MÄNNER MIT. Katy Koch Familienmensch, sie geht gern mit ihrer 85-jährigen Großmutter einkaufen, „mit Oma shoppen ist immer ein Abenteuer“.

Wie Personalentwicklung in der Praxis gut funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Thorsten Beineke. Als Regionalleiter Süd ist er Tag für Tag in 14 Real-Märkten mit 1.500 Mitarbeitern unterwegs, sein Gebiet reicht von Saarlouis im Saarland bis nach Groß-Gerau im Frankfurter Raum. Er selbst beschreibt seine Arbeit als spannend und vielseitig, denn jede seiner betreuten Filialen sei anders.

Nach dem Studium der internationalen Wirtschaftslehre ist Beineke bei Aldi Süd in den Handel eingestiegen, dann wechselte er zur Real SB-Warenhaus GmbH. Mit 25 Jahren wurde er dort Geschäftsleiter, mit 32 folgte bereits die Position Regionalleiter. Beineke ist also ein „ganz Schneller“ was die eigene Laufbahn angeht. Nachvollziehbar, dass er heute als eine seiner obersten Prioritäten angibt, die Karriere aussichtsreicher Mitarbeiter zu fördern. Er ist stolz darauf, dass aktuell vier junge Frauen aus seinem Einzugsgebiet die entsprechenden Real-Förderprogramme absolvieren: Zwei sind auf dem Weg zur stellvertretenden Geschäftsleiterin, eine beginnt die Teamleiter-Laufbahn, die Vierte könnte schon in einem Jahr stellvertretende Geschäftsleiterin sein. Dass es gerade vier Frauen sind, die Karriere machen, findet der Regionalleiter „besonders schön“, schließlich sei es ja erklärtes Ziel, mehr Frauen in Führungspositionen einzusetzen.

Yasmin Mas-Distler

35, arbeitet „mit Leidenschaft“ als Teamleiterin Nonfood im Real SB-Warenhaus Ingelheim. Sie absolviert gerade das Förderprogramm zum dem Abschluss des Programms zur stellvertretenden Geschäftsleiterin gern erst einmal dort bleiben. Privat ist sie ein ANPACKEN UND EIN GUTES BEISPIEL GEBEN - DANN ZIEHEN AUCH DIE MÄNNER MIT. Katy Koch Familienmensch, sie geht gern mit ihrer 85-jährigen Großmutter einkaufen, „mit Oma shoppen ist immer ein Abenteuer“. stellvertretenden Geschäftsleiter und hat das Ziel Geschäftsleiterin fest im Blick. Ihre Freizeit verbringt sie „am liebsten mit ihrer Familie“.

Recruiting beginnt vor Ort
Was macht er denn konkret anders als viele andere Führungskräfte? Der 35-Jährige schmunzelt und schickt voraus, dass Recruiting von Führungskräften in den Märkten beginnt, die Geschäftsleiter vor Ort sind immer die ersten Ansprechpartner auf dem Weg nach oben. Außerdem dürfe man auch die Trainer nicht vergessen, die großen Einfluss aufs Weiterkommen haben. Doch dann wird er konkret und lässt seiner Leidenschaft für Fußball freien Lauf: „Bei mir darf auch ein 19-Jähriger in der Nationalelf spielen.“ Nicht das Alter, sondern die Leistung entscheide über das Fortkommen. Zudem pflegt er eine Kultur, in der Mitarbeiter auch Fehler machen dürfen – gerade, wenn sie jung sind, denn nur so entstehe auch der Lernprozess. Zu einem Teil führt er seine erfolgreiche Nachwuchsförderung auch auf sein „Dasein als Coach“ zurück. Er investiert viel Zeit ins Fördern, ebenso wie die Geschäftsleiter vor Ort. Gemeinsam versuchen sie unter anderem, die Chefs von Morgen für unbekannte und unbequeme Situationen zu wappnen. „Bei uns gibt es jeden Tag Premieren“, sagt Beineke, die Kunden kommen teilweise mit sehr ungewöhnlichen Anliegen in die Märkte. „Da nutzt nur: Tief durchatmen und ruhig nach einer Lösung suchen“, weiß der Regionalleiter.


Welche Eigenschaften junge Mitarbeiter mitbringen müssen, damit Beineke auf sie aufmerksam wird, um sie für ein Förderprogramm vorzuschlagen? Klare Antwort: Ehrgeiz und den Willen, Menschen zu führen. Teamfähigkeit ist dabei eine weitere wichtige Bedingung. Sind diese Voraussetzung vorhanden, braucht man noch einen aufmerksamen Geschäftsleiter, der das Talent der Nachwuchskraft erkennt.

Aber sind nicht gerade die Geschäftsleiter ein Hindernis, weil sie die guten Mitarbeiter selbst behalten wollen? Thorsten Beineke überlegt kurz: „Es liegt in der Natur der Sache, dass der Ausbilder an seinen guten Kandidaten hängt, sie ungern für weitere Karriereschritte und damit andere Häuser freigibt.“ Doch er halte „viel davon, dass die Nachwuchskräfte den Rest der Real-Welt kennenlernen“. Wenn man hingegen deren Karriere deckele, besteht die Gefahr, dass sie von der Konkurrenz abgeworben werden.

Als Vater von drei Kindern bezieht Beineke klar Stellung zur Frage nach Beruf und Karriere. Wenn eine Nachwuchskraft mitteilt, dass sie schwanger ist, beglückwünscht er sie von Herzen, „genauso wie ich das auch im privaten Umfeld mache“. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass sich alles ändert und die werdende Mutter ihr Privatleben neu ordnen muss. „Aber damit ist ihr Karriereweg nicht vorbei, er ist nur unterbrochen.“ Wenn sich die Mutter richtig organisiert, ist vieles möglich: „Für einen guten Kandidaten finden wir immer eine geeignete Stelle.“ Beineke weiß, dass es sich lohnt, den Wiedereinstieg zu erleichtern: „Mitarbeiter, die man selbst an die Hand genommen hat, geben am meisten zurück, weil sie eine starke Bindung ans Unternehmen haben.“

Gabriela Patriota

23, hat gerade die Prüfung zur Handelsassistentin abgelegt. Im Real- Markt Bad Sobernheim kümmert sie sich als Teamleiterin um Trockensortiment und Getränke. Ihr Ziel: die Fortbildung zur stellvertretenden Geschäftsleiterin. Wenn sie nicht arbeitet, tanzt sie als Funkenmariechen in einem Bingener Fastnachtsverein.

Perspektiv-Wechsel: Wie geht es den angehenden weiblichen Führungskräften auf ihrem Weg nach oben auf der Karriereleiter? Yasmin Mas-Distler, Katy Koch, Gabriela Patriota und Nathalie Weyand treffen sich zum Fototermin im Real-Markt in der Wiesbadener Äppelallee. Die jungen Frauen im Alter von 23 bis 35 Jahren sind unisono der Auffassung, dass sie ebenso gute Chancen im Unternehmen haben wie ihre männlichen Mitstreiter. Wenn das Potenzial vorhanden ist und die Person den nötigen Einsatz zeigt, mache Real ihren Erfahrungen nach keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Bewerbern.

Trotzdem müssen sich die Vier natürlich in einer Männerdomäne behaupten. Katy Koch bringt es auf den Punkt: Als Teamleiterin Getränke in der Äppelallee arbeitet sie mit sieben Männern zusammen, „und ich bin die Jüngste“. Gerade am Anfang sei es nicht einfach gewesen, sich den Platz in dieser Männerrunde zu erarbeiten. Ihr Rezept? „Anpacken und ein gutes Beispiel vorleben – dann ziehen auch die Männer mit.“ Gabriela Patriota, gerade mit der Ausbildung fertig und demnächst Teamleiterin Trockensortiment und Getränke in Bad Sobernheim, kennt das Problem: Gerade als Frau ist es nicht einfach, Anerkennung und Respekt von männlichen Mitarbeitern zu bekommen. „Führung ist ein spannendes Thema, aber ein schwieriges“, so ihre Erfahrung. „Nur durch den Zusammenhalt und die Mitarbeit im Team können Häuser gebaut werden.“

Auch Yasmin Mas-Distler, Teamleiterin Nonfood in Ingelheim, nennt als größte Herausforderung im Alltag „die Schwierigkeit, alle Mitarbeiter zu überzeugen, den Weg mitzugehen“. Die besten Ideen, der sensibelste Zugang zu den gestellten Aufgaben nutze im Alltag nichts, wenn man sie nicht im Team umsetzen könne.

Nathalie Weyand

24, arbeitet als Teamleiterin Food abteilungsübergreifend im Real-Markt Wiesbaden an der Mainzer Straße. Sie strebt die Laufbahn Stellvertreterin und dann Geschäftsleiterin an. In ihrer Freizeit engagiert sie sich ehrenamtlich für Flüchtlinge.

Jeder Tag brinGt neue Aufgaben
Für Nathalie Weyand, Teamleiterin Food im Real Wiesbaden Mainzer Straße, ist der nicht planbare Arbeitstag die größte Herausforderung, aber zugleich auch der Reiz an ihrem Beruf. „Immer platzt irgendetwas dazwischen.“ Ganz gleich, ob der Leergut-Automat streikt oder ein Außendienst-Vertreter ungeplant vor der Tür steht, ein Kollege ausfällt und vertreten werden muss oder die Polizei wegen eines Diebstahls in die Filiale kommt – sie muss mit ihren 24 Jahren alle diese und weitere Herausforderungen meistern. Genau das aber mache ihr Spaß, deshalb möchte sie ins Stellvertreter- und später ins Geschäftsleiter-Programm von Real aufgenommen werden.

Und wie sieht es mit dem Thema Familie aus? Diese Frage gehen die Vier ganz entspannt an. Sie nennen als wichtiges Argument, dass auch Teamleiter bei Real in Teilzeit arbeiten können. Zudem werden im aktuellen Teamleiter-Entwicklungsprogramm derzeit Kollegen fortgebildet, die 20 Jahre älter sind als sie selbst. Also besteht auch die Möglichkeit, sich erst der Familie zu widmen und anschließend weiter Karriere zu machen. Was ist denn wirklich entscheidend für den Weg nach oben? „Ein vertrauensvoller und guter Draht zum Geschäfts- und Regionalleiter“, sagt Weyand.

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