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Trends Vielversprechende Trends aus Handel und Industrie

Christina Steinheuer, Bettina Röttig, Heidrun Mittler, Tobias Dünnebacke | 04. September 2015

Mutige und kreative Innovationen sind das Benzin der Lebens-mittelwirtschaft. Die LP stellt Vermarktungskonzepte und Trends vor, die sich entweder längerfristig bewiesen haben oder für die Zukunft großes Potenzial versprechen.

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Edeka deli heißt das Konzept für ultra-frische, gekühlte Snacks und Gerichte, das die Genossen seit diesem Frühjahr lancieren. Zum 40 Artikel umfassenden Sortiment zählen Gerichte, Salate, Müslis, Smoothies, Sandwiches und Wraps. Die selbstständigen Edeka-Kaufleute können sich ihr Sortiment daraus individuell zusammenstellen. In den Filialen findet sich zumeist eine Cabriotheke (vgl. Foto), die in der O&G-Abteilung platziert ist. Das auf den Edeka-Messen präsentierte größere, standähnliche Modul beschäftigt für die Bedienung einen Mitarbeiter. Werden die Deli-Produkte im vorhandenen Convenience-Regal angeboten, sind keine zusätzlichen Mitarbeiter eingebunden. Die Zubereitung der Produkte erfolgt in diesem Fall nicht im Markt. Einige Artikel (z. B. Smoothies) waren zuvor bereits unter der Eigenmarke Edeka erhältlich. Wegen des kurzen MHD sind vorausschauende Planung und präzise Logistik notwendig

Mehr Aufmerksamkeit durch Überraschungseffekt: Auf diese Strategie setzt Hartkorn Gewürzmühle. Das Koblenzer Unternehmen entwickelte unter seiner Marke Hartkorn ein Gewürz-Set für Gin-Fans und dehnt die Präsenz seiner Marke damit auf eine neue Warengruppe aus. Hartkorn „Spice’n Gin“ findet sich direkt im Spirituosenregal und führt so neue Verwender an Marke und die Warengruppe Gewürze heran. Experimentierfreudige können ihren Gin Tonic wahlweise mit Wacholderbeeren, Hibiskusblüten oder Kardamom nach eigenem Geschmack „pimpen“. Das Konzept wird weiter ausgebaut. In Kürze steht mit „Spice’n Drink“ eine Selektion aus acht Gewürzen inklusive innovativer Cocktail-Rezepte für Mixgetränke auf Basis von Rum, Wodka und Co. in der Spirituosenabteilung zur Verfügung.

Von der Online- in die Offline-Welt: Der Matschreis in der Unimensa war schuld, dass sich zwei Studenten des Wirtschaftsingenieurwesens auf die Suche machten nach neuen, hochwertigen Reissorten. Das Ergebnis: Reishunger.de, ein Online-Shop, der 22 Reissorten aus 13 Ländern bietet – sortenrein, ohne Fremdreis und Kornbruch direkt importiert von Bauern aus aller Welt. Dazu gibt es mittlerweile Risotto-Mischungen, Hülsenfrüchte und Getreide, Reis- und Rezeptboxen sowie Zubehör. Nun startet die Marke Reishunger auch im stationären Handel. Listungsgespräche laufen, die Verpackungen werden für derzeit überarbeitet und mit Sichtfenstern versehen.



Positive Trends:

Immer mehr Verbraucher erkennen, dass sie einen Inhaltsstoff in Lebensmitteln nicht gut vertragen. Menschen mit einer Laktose-Intoleranz greifen daher zu Milch und Milchprodukten, in denen der Milchzucker Laktose bei der Herstellung aufgespalten wurde. Verbraucher mit einer Gluten-Unverträglichkeit meiden Getreide, die das Klebereiweiß Gluten enthalten. Mittlerweile gibt es so viele glutenfreie, verarbeitete Produkte wie Brot, Fertiggerichte und Süßgebäck, dass sie im Handel ein komplettes Regal füllen. Hinzu kommt das Thema Gentechnikfreiheit: Als einer der ersten Händler verpflichtete die Kölner Rewe 2013 die Erzeuger aller frischen Hähnchenfleischprodukte der Eigenmarken dazu, auf gentechnisch verändertes Futter zu verzichten. Auch die Edeka bietet zahlreiche solche Lebensmittel an.

Alkoholfreies Bier hatte über viele Jahre einen eher schlechten Ruf und galt als keine Alternative zu „echtem“ Bier. Grund war der technische Stand der Brauwirtschaft in den 1980er- und 1990er-Jahren. In der jüngeren Vergangenheit sprangen aber immer mehr Brauereien auf den Zug auf, da sich der Geschmack der Biere erheblich verbessert hat und eine große Nachfrage bei den Verbrauchern besteht. Auch innerhalb des Segmentes ist noch Platz für Innovationen. So bietet beispielsweise Bitburger seit 2007 als erste große Marke mit der Variante „0,0%“ ein Bier an, das alkoholfrei im wahrsten Sinne des Wortes ist (laut Gesetz ist ein Alkoholgehalt von bis zu 0,5 Volumenprozent möglich). Die isotonische Wirkung soll zudem eine schnelle Regeneration nach dem Sport sowie den Ausgleich von verlorenen Vitaminen unterstützen.

Die Lupine könnte der Problemlöser der Zukunft sein, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Deutschen Forschern ist es gelungen, aus der Lupine den unangenehm-bitteren Geschmack zu entfernen. Dabei zielt man in erster Linie auf das enthaltene Eiweiß. Aus den hochreinen Proteinen lassen sich nicht nur Milch, Käse, Speiseeis und Pudding herstellen. Sie eignen sich auch als Grundlage für Kuchen, Mayonnaise, Wurstwaren, Cremes und Schäume. „Werden Lupinen-Proteine als Alternative zu Milcheiweißen eingesetzt, kann man gut schmeckende Pflanzenmilch, pflanzlichen Joghurt und Frischkäse mit ähnlichem Geschmack und Mundgefühl wie bei herkömmlichen Milchprodukten herstellen“, erläutert Dr. Peter Eisner, der an der „Entwicklung“ beteiligt war.


 

 

Negative Trends:

Bubble Tea ist das Paradebeispiel für einen gefloppten Trend. Quasi über Nacht wurde 2009 das vor allem in China bekannte Getränk mit den quietschbunten Tapioka-Kugeln (eine geschmacksneutrale Stärke) zum Shooting-Star auf dem hiesigen Getränke-Markt. In jeder Innenstadt, an jeder Ecke konnte man die Zucker-Bomben kaufen. Selbst McDonald’s servierte eiskalten Bubble Tea, und auch der Lebensmittel-Einzelhandel fing langsam an, auf den Zug aufzuspringen. Es dauerte jedoch kaum drei Jahre, da war der Boom auch
schon wieder vorbei. Der Grund: Bevor das Getränk fest etabliert war, verbreiteten sich die Meldungen über krebserregende Inhaltsstoffe, den hohen Zuckergehalt sowie künstliche Farb- und Aromastoffe. Bei den in Gesundheitsfragen sensiblen deutschen Konsumenten kam das gar nicht gut an.

Die sogenannten Alkopops, ein Gemisch aus Spirituosen wie Wodka oder Whisky sowie Säften und Limonaden, wurden von Beginn an sehr unterschiedlich bewertet. Die (vornehmlich jungen) Konsumenten schätzten die Sü- ße, welche den alkoholtypischen Bittergeschmack überdeckt. Jugendschützer schlugen allerdings schnell Alarm. Die Befürchtung: Jugendliche könnten sich durch den Konsum schnell an das Trinken großer Mengen Alkohol gewöhnen. Die Folge war 2004 das sogenannte Alkopopsteuergesetz, das eine deutlich höhere Besteuerung vorschrieb. Im Laufe der Jahre brach der Markt fast vollständig zusammen, wobei umstritten ist, ob dies ausschließlich auf die höhere Steuer zurückzuführen ist. Eine der wenigen relevanten Marken, die es heute noch gibt, ist das Wodka-Mischgetränk Smirnoff Ice von Diageo.

Was ist nicht alles geschrieben worden über Functional Food, also Lebensmittel, die mit Inhaltsstoffen angereichert sind, die gesundheitsfördernd sein sollen? Die Klassiker sind Joghurts mit Bakterienkulturen, die mit dem Zusatz „probiotisch“ verkauft werden. Der Markt boomte und immer mehr Produkte kamen in die Regale. Doch seit der Health-Claims-Verordnung im Jahr 2007 müssen die Anbieter wissenschaftlich belegen, was sie bewerben. Das hat das Angebot stark beschränkt. Aber es gibt auch Produkte, die profitieren: zum Beispiel Omega-3-Wurst der Edeka oder Omeghurt, ein Joghurt mit Omega-3-Fettsäuren der Herzgut Landmolkerei. Die Fettsäuren sind wichtig fürs Herz. Dennoch hat sich der Markt für viele Anbieter nicht so entwickelt, wie erhofft.

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