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Studie Auf der Suche nach der besten Strategie für Multichannel-Logistik

Sonja Plachetta | 02. November 2014

Der reibungslose Vertrieb auf mehreren Kanälen ist auch für Lebensmittelhändler in Zukunft zwingend notwendig, um Erfolg am Markt zu haben. Welche Herausforderungen es gibt, zeigt eine aktuelle Studie zur Handelslogistik.

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Auch wenn im deutschen Lebensmittelhandel das Onlinegeschäft noch überschaubar ist, feilen die meisten Unternehmen mit Hochdruck an der richtigen Strategie, wie sie ihre Waren auch über das Internet optimal vertreiben können. Sobald die Nachfrage steigt, wollen sie gerüstet sein. Das stellt gerade die Logistiker vor große Herausforderungen. Es müssen Antworten gefunden werden auf Fragen wie z. B.: Wie können die Zustellkonzepte flexibler, Zeitfenster- und Expresslieferungen verbessert werden? Welche Modelle eignen sich, um Lieferungen zu bündeln? Was kann bei der Verpackung der überwiegend kleineren Sendungsgrößen optimiert werden? Wie ist mit der im Vergleich zum stationären Handel deutlichen höheren Retourenquote umzugehen? Und: Wie können die durch den E-Commerce neu hinzugekommenen Kanäle in die bestehenden Logistikstrukturen integriert werden, ohne Reibungsverluste zu verursachen und ohne die Wirtschaftlichkeit des kompletten Logistikkonzepts infrage zu stellen?

Die Anfang Oktober erschienene branchenübergreifende Studie „Trends in der Handelslogistik 2014“ des EHI Retail Institutes und des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) mit dem Schwerpunkt Multichannel-Logistik zeigt, wie Multichannel-Vertriebskonzepte derzeit im Handel bereits logistisch umgesetzt werden. Von den 35 befragten Handelsunternehmen aus Deutschland (28), Österreich (2) und der Schweiz (5) sind gut ein Viertel im Lebensmittelsektor tätig. Fast alle (97 Prozent) betreiben stationäre Filialen, die große Mehrheit auch einen Online-Kanal (85 Prozent). 9 Prozent wollen einen solchen künftig aufschalten. Social Commerce über Plattformen wie Facebook und Twitter (52 Prozent) und M-Commerce für Nutzer mobiler Endgeräte (48 Prozent) sind weitere Vertriebswege, wobei speziell M-Commerce an Bedeutung gewinnen wird. Gut ein Viertel der befragten Händler will dieses Angebot in Zukunft ebenfalls machen.

Die Herausforderung, weitere Systeme mit dem bestehenden Vertriebskanal auch logistisch zu verbinden, löst gut die Hälfte (52 Prozent) mit einer gemeinsamen Logistikabteilung. Bei 49 Prozent gibt es separate Abteilungen, bei 14 Prozent gar getrennte Unternehmen als Betriebsform. Davon ungeachtet, haben neun von zehn Händlern eine gemeinsame Warenbeschaffung für Online- und stationären Vertrieb, und 81 Prozent verfügen über eine systemübergreifende IT-Lösung. Während im stationären Handel dabei Standard-Software vorherrscht (61 Prozent), wird im Online-Vertrieb eigenentwickelte Software vorgezogen (54 Prozent).


Ob wegen der fehlenden Kompatibilität der Distributionsstrukturen oder ganz allgemein wegen des Wettbewerbs: 83 Prozent der befragten Unternehmen betreiben keine Logistikkooperationen mit anderen Händlern. Zusammengearbeitet wird eher in Einkaufskooperationen.

Zur Omierunptig von Transport- sowie Personalkosten sowie zur besseren Adaptierbarkeit an Saisonschwankungen ist Outsourcing von logistischen Dienstleistungen im Handel sehr verbreitet. Mehr als die Hälfte der Befragten hat beispielsweise sowohl bei der Filialbelieferung als auch im Online-Vertrieb den Fuhrpark ausgelagert. Der LEH gehört hier jedoch eher zu den 27 Prozent, die nicht outsourcen, weil sich die kurzen Transportwege von einer Filiale zum Endkunden mit eigenen Fahrzeugen bewerkstelligen lassen.

Generell wird die Warenauslieferung im Online-Vertrieb überwiegend von Logistik- oder Kurier-, Express- und Paket-Dienstleistern (KEP) übernommen. Auslieferung mit eigenen Fahrzeugen rangiert nach der Selbstabholung an dritter Stelle. Für Dominique Locher, CEO von LeShop.ch, ist klar: „Bei Lebensmitteln hat unter den Zustellkonzepten aus Sicht von LeShop die Selbstabholung in den Drive-in-Stationen die größten Wachstumschancen.“

Sowohl im stationären wie im Online-Vertrieb dominiert das klassische Zentrallager mit Warenbevorratung (70 Prozent). Uneins sind sich die befragten Unternehmen, wie sich die Multichannel-Logistik auf die Planung von Lagerstandorten auswirkt. Bei mehr als der Hälfte gibt es noch keine einheitliche Vorgehensweise bzw. noch keine generelle Entscheidung darüber. Ein Drittel erweitert bestehende Lagerstandorte, nur gut jedes zehnte Unternehmen eröffnet extra neue Lager.

Was die Kommissionierung für den Online-Vertrieb angeht, lässt sie sich bei 41 Prozent der Händler nicht in das bestehende Kommissionierungssystem integrieren, deshalb wurde ein eigenes Lager für den Online-Handel aufgebaut. Bei 35 Prozent gelingt die Integration, bei jedem fünften Händler ist die Kommissionierung sowohl im Lager als auch in der Filiale möglich.

Bleibt das Thema Retourenmanagement, das beim Online-Vertrieb mit 17 Prozent deutlich höher liegt als im stationären Handel (7 Prozent). Mehr als zwei Drittel der Händler (71 Prozent) übernehmen die Rücksendekosten weiter selbst. Fast genauso viele (67 Prozent) bieten die Rückgabe sowohl über den Versandweg als auch in der Filiale an. Ziel ist es jedoch, die Rücksendequote zu senken.