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Warenverkaufskunde Mate-Tee

Melanie Haaf, Tobias Dünnebacke | 16. Mai 2017

Der südamerikanische Mate erobert als Limonade oder aufgebrühter Tee die Herzen europäischer Konsumenten. Was steckt hinter dieser Pflanze, die anregt ohne aufzuregen?

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Trank der Götter

Mate-Tee wird beliebter, als Limonade oder reine Tee-Variation. Was steckt hinter dem Erfolg des südamerikanischen Getränks?

„Eine Allgemeine Aktivitätssteigerung, sowohl intellektuell, als auch motorisch und vegetativ, die Schwung und Kraft verleiht sowie ein allgemeines Wohlbefinden hervorruft“, so beschrieb der französische Arzt Dr. Doublet 1885 die Wirkung eines frisch aufgebrühten Mate-Tees. Das könnte, mit einer kleinen sprachlichen Renovierung, auch heute noch ein guter Werbetext für ein neues Getränk sein. Und obwohl die AfG- wie auch Tee-Abteilungen im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel zunehmend von Produkten mit Mate-Tee geprägt werden, handelt es sich bei dem Getränk natürlich nicht um einen neuen Trend. Mate gehört besonders in Südbrasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay bereits seit Jahrhunderten zum Alltag und wurde sogar schon vor der Kolonialisierung von den Ureinwohnern Südamerikas getrunken. So war die Verwendung von Mate zur Bereitung von Getränken laut dem Tee-Hersteller Bad Heilbrunner bereits bei den Inka bekannt: „In präkolumbianischen Gräbern wurden die Blätter in der Nähe von Lima (Peru) gefunden, ganz in der Nähe von anderen Lebensmitteln und Gefäßen“, heißt es in einem Informationstext des Herstellers, der auch Mate-Tee anbietet.

Der Name „Mate“ leitet sich von dem Inka-Begriff „mati“ ab, der eine ausgehöhlte Kalebasse als Trinkgefäß bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen Kürbis, der heute in Europa zwar nur wenig verbreitet ist, in einigen Fachgeschäften aber durchaus noch verkauft wird. Früher wurde der Mate-Tee von den Südamerikanern als Ritual für Familie und Gäste zubereitet.

Ein rituelles Getränk
Alle tranken dabei aus einer Kalebasse und befolgten einige Vorschriften und Regeln. Diese waren beispielsweise, dass der Gastgeber den ersten Aufguss alleine trank, da dieser der bitterste war. Danach setzte er den zweiten Aufguss an und reichte das Gefäß weiter. Hierbei musste die Bombilla (Trinkröhrchen) auf denjenigen zeigen, für den der Mate Tee in diesem Moment bestimmt war. Diese Bräuche sind natürlich in Europa nicht verbreitet. Darum wird Mate als ganz normaler Tee in einer Tasse aufgebrüht. Er kann auch mit Milch, Minzblättern oder aromatisiert getrunken werden. Als Erfrischungsgetränk passt kalter Mate mit etwas Limonensaft gut zusammen. Besonders Hersteller alkoholfreier Getränke setzen derzeit auf Erfrischungsgetränke mit Mate als Alternative zu Energy- und Softdrinks (beispielsweise Club Mate, Mate Mate, Maya Mate und Mio Mate).

Anregend ohne Aufzuregen
Doch was ist jetzt so besonders an Mate? Der Tee wirkt zwar ähnlich stimulierend wie Kaffee, die Wirkung hält aber deutlich länger an und ist besser verträglich, da er das sogenannte Matein besitzt. Der Bad Heilbrunner Tee-Experte Heinz Dittrich erklärt das so: „Das Matein ist an Chlorogensäure gebunden, es wirkt darum sanfter und gleichmäßiger als das Koffein zum Beispiel beim Kaffee. Außerdem enthält Mate im Gegensatz zu anderen koffeinhaltigen Getränken nur Spuren des Stoffes Theophyllin, der sehr stark auf den Herzmuskel wirkt. Mate-Tee ist daher anregend ohne aufzuregen.“ Hinzu kommt, dass Mate neben dem Matein, auch Gerbsäuren und Vitamine enthält und somit auf eine gesunde Art wach macht.

Die Wirkung kann individuell bestimmt werden, indem man die Ziehzeit verändert. Außerdem wird Mate eine leistungsfördernde Eigenschaft beim Lernen oder beim Sport nachgesagt. Ebenfalls soll Mate helfen den Hunger leichter zu überbrücken, den Stoffwechsel sowie die Verdauung anzuregen und scheint somit ein geeigneter Begleiter bei Diäten zu sein.

Mate als Therapie

Mate-Tee ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen, wird aber auch im LEH verkauft. Traditionell wird er als leistungssteigernd und hungerstillend eingeschätzt, auch als „Schlankmacher“ wird Mate Tee angepriesen. Weitere Eigenschaften: anregend für Nerven, Muskeln und Stoffwechsel, harntreibend, die Speichel- und Magensaftbildung fördernd und damit hilfreich bei der Verdauung, schweißtreibend, aufgrund des Koffeingehaltes aktivierend und kreislaufstärkend.

Tipps für einen Starken Abverkauf im handel
Mate-Tee hat das ganze Jahr über Saison. Allerdings ist das Wissen über das südamerikanische Getränk noch nicht weit verbreitet. Für den Handel gibt es neben der gewöhnlichen Platzierung im Teeregal noch viele weitere Platzierungsmöglichkeiten. DA Mate-Tee ein idealer Schlankmacher ist, können zum Jahresbeginn und im Frühjahr Aktionen mit Mate-Tee-Produkten den Umsatz ankurbeln. Auch eine Zweitplatzierung wäre zu diesem Zeitpunkt ideal.

Interessant ist es auch, den Mate-Tee im Rahmen von Länder-Sortimenten zu platzieren. Oft gibt es über das Jahr hinweg Länder-Specials im Handel. Neben Curaçao, Limetten und anderen Spezialitäten aus Südamerika macht der Mate-Tee eine sehr gute Figur und lenkt die Aufmerksamkeit gekonnt auf sich. Die effektivste Methode, um neue Kunden anzusprechen ist sicherlich eine Verkostung mit den verschiedenen Varianten anzubieten. Denn so lassen sich auch hartnäckige Kaffee-Fans vom Geschmack und der Wirkung der abwechslungsreichen Mate-Tees überzeugen.

Der „Mate- Baum“

Beheimatet ist der Mate Strauch im Urwald des sogenannten Paraná-Beckens. Dieser Fluss fließt durch Paraguay, Brasilien und Argentinien. Der Strauch ist eine immergrüne Pflanze, die zur Gattung der Stechpalmen gehört. Im Wildwuchs kann sie eine Höhe von insgesamt 12 bis 14 m (5 bis 6 m beim Anbau) erreichen. Der Stammdurchmesser beträgt rund 30 cm; der Strauch wird deshalb häufig auch als Mate-Baum bezeichnet. Am wohlsten fühlt sich der Mate-Strauch bei 20 bis 23 Grad C.


Lange Zeit zum Reifen

Vom Anbau bis zur Ernte und Herstellung des fertigen Tees: Mate unterliegt einer langen Reifezeit.

Mate braucht einige Zeit, bis er schließlich reif für die Ernte ist. In den ersten beiden Jahren ist der Strauch lichtempfindlich und benötigt Schatten. Danach werden die Pflanzen kurz über dem Boden abgeschnitten, die neuen Sprossen sind dann kräftiger. Nach vier Jahren erfolgt die erste Ernte, weitere Ernten sind je nach Anbaugebiet in einem Intervall von einem oder zwei Jahren möglich. Danach folgen mehrere Produktionsschritte:

Anbau
Der Anbau stellt sich als Herausforderung dar, da die Früchte aufgebrochen werden müssen. Dies passiert durch mechanische Beanspruchung. Es dauert drei weitere Monate, bis sich ein Trieb ausbildet.

Ernte
Die Ernte beginnt im südamerikanischen Winter, das heißt in den Monaten von Mai bis September. Nicht nur die Früchte, sondern die kompletten Äste werden dabei von dem Strauch abgenommen.

Sapeco
Beim „Sapeco“, werden die Blätter etwa 90 Sekunden bei Temperaturen um 300 Grad C erhitzt. Ein Wasserverlust von 40 Prozent ist die Folge. Das geschieht auf dem Feld oder in modernen Produktionsanlagen.

Trocknung
Bei der weiteren Trocknung wird der Wassergehalt auf 10 bis 15 Prozent und weiter auf unter 5 Prozent reduziert. Wesentlicher Teil der Prozedur ist die Trocknung der Blätter über längere Zeit in heißem Rauch.

Cancheamento
Die Blätter werden anschließend in einem als „Cancheamento“ bezeichneten Schritt grob zerkleinert und je nach Qualität mehr oder weniger von Stängelanteilen befreit. Das Material heißt „Mate cancheada“.

Chá Mate
Ein Teil dieses Zwischenprodukts wird als grüner Mate-Tee (in Südamerika als „Chá Mate“ bezeichnet) genossen oder in einem weiteren speziellen Verfahren zu geröstetem Mate-Tee weiterverarbeitet.

Chimarrão
Die Hauptmenge des Mate cancheada wird weiter sortiert, mit Stängelanteilen versetzt, zerkleinert und gemahlen. Je nach Rezeptur des Herstellers werden diese Zwischenstufen zu „chimarrão“ vermischt.

Verbrauch
Dieser sowie grüner und gerösteter Mate-Tee bilden die Handelswaren, die direkt aus der Verarbeitung entstehen. Laut Bad Heilbrunner werden in Südamerika 300 bis 400 t Mate verbraucht.

Die Geschichte

In den frühen Tagen der spanischen Eroberung war der Gebrauch von Mate bei den ‧Eingeborenen in Paraguay bekannt. Die Jesuiten erkannten den Wert der Mate-Pflanze und studierten ihre Kultivierung. Daher leitete sich auch der in Europa lange Zeit gebräuchliche Name „Jesuiten-Tee“ ab. Von 1610 bis 1768 bestimmte die katholische Ordensgemeinschaft Anbau und Handel mit Mate. Sie berichteten, dass die Indianer Mate-Blätter mit heißem Wasser zubereiteten und ohne das Getränk nicht arbeiten konnten, da es ihre einzige Nahrungsquelle war. Auch den spanischen Kolonisatoren war bekannt, dass die physische Stärke der Guaraní-Indios auf Mate beruhte. Im Jahre 1768 wurden die Jesuiten aus Südamerika vertrieben. Das Monopol der Jesuiten auf die Produktion von Mate zerfiel. Bereits 1775 wurde Mate nach Portugal und somit Europa gebracht.


Macht munter
Die hohe Beliebtheit von Mate resultiert nicht zuletzt durch den hohen Koffeingehalt des Teegetränks. Dieser unterscheidet sich maßgeblich vom Kaffee.

Mate-Tee wird in Südamerika auch „Trank der Götter“ genannt. Arbeiter nutzen den „Zaubertrank“ gegen körperliche und geistige Ermüdung und zur Überbrückung des Hungergefühls. Auch in Europa schätzt man Mate für seine belebende Wirkung, da die Mateblättern das enthaltene Koffein sanft an den Körper abgegeben. Koffein zählt zur Gruppe der Methylxanthine. Kaffee, Cola, Kakao oder Kolanüsse sind die bekanntesten „Träger“ von Koffein. Etliche Kaffee- und Teesorten – darunter auch Mate-Tee – besitzen in ihrem Ursprung zudem noch die Xanthine Theophyllin oder Theobromin, deren Wirkungsweise deutlich sanfter ist.

Auf einen Blick

Geschichte, Herstellungsweise und Verkaufstipps. Wem der Kopf von zu vielen Informationen brummt, bekommt hier nochmal eine Zusammenfassung.

Mate ist ein Aufgussgetränk aus den zerkleinerten Blättern des Mate-Strauchs. Das Getränk ist besonders in Südamerika weit verbreitet mit Brasilien, Argentinien und Paraguay als wichtigste Produktionsländer. Mate war bereits zu Zeiten der Inka bekannt, erfuhr aber insbesondere während der spanischen Kolonialisierung einen Boom. Mate wirkt appetithemmend und durch das Koffein belebend, wobei der Wirkstoff anders als bei Kaffee langsamer und sanfter an den Körper abgegeben wird. Getrunken wird der Mate traditionell aus einer ausgehöhlten Kalebasse (Kürbis). Mate war ursprünglich ein sehr rituelles Getränk, beispielsweise beim Empfang von Gästen. Alle tranken aus einer Kalebasse und befolgten einige Vorschriften und Regeln. Dazu gehörte, dass der Gastgeber den ersten Aufguss alleine trank, da dieser der bitterste war. Obwohl Mate-Tee vor allem eine südamerikanische Spezialität ist, gibt es derzeit einen Trend in Europa und Deutschland. Dies betrifft sowohl frisch aufgebrühten Tee als auch Erfrischungsgetränke, die als gesündere Alternative zu Energy-Drinks vermarktet werden. Besonders in den Metropolen sind diese Wachmacher bei einer jüngeren Zielgruppe beliebt. Für den Handel bieten sich viele Möglichkeiten: Mate lässt sich gut als Begleiter zu Diäten vermarkten. Auch im Rahmen von Länderspecials macht der Tee neben Curaçao, Limetten und anderen Spezialitäten aus Südamerika eine gute Figur. Besonders wichtig aber sind Verkostungen, denn viele Verbraucher kennen das Getränk noch nicht. Ein Erfrischungsgetränk auf Basis von Mate kann man auch selbst mit frisch aufgebrühtem Tee zubereiten. Dabei kann man vor allem bei der Süßung und den Fruchtzutaten variieren.

Gut gegen Bluthochdruck

Um die Auswirkungen von Mate Tee auf die Gesundheit zu ergründen, untersuchte eine Forschergruppe des Grundlagenforschungsinstituts für Biologie und Medizin mit Sitz in Paris im Jahre 1964 Mate Tee. Im Ergebnis kamen die Wissenschaftler laut der Seite matetee.org zu dem Schluss, dass in dem Aufgussgetränk alle Vitamine, Spuren-elemente und Mineralstoffe enthalten sind, die der menschliche Organismus benötigt.

Da Mate-Tee das Blutgefäßsystem entspannt, wirkt es Bluthochdruck entgegen, ohne dabei das zentrale Nervensystem zu belasten.

Wissen checken

Wer gut gelesen hat, kann die Fragen beantworten.

Frage

  1. Wie heißt das Gefäß aus dem Mate getrunken wird?
  2. Nenne zwei Eigenschaften, die dem Mate nachgesagt werden!
  3. Wie kann Mate beworben werden?

Antworten

  1. Kalebasse.
  2. Mate gilt als appetithemmend und die Verdauung fördernd. Mate gilt außerdem als sanfter Wachmacher.
  3. Als Diät-Produkt oder im Rahmen von Länderwochen.

Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis. Wir danken Bad Heilbrunner und Melanie Haaf für die zur Verfügung gestellten Informationen und Fotos.

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