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ISM Kontakte und Kontrakte

Dieter Druck | 09. Februar 2012

Die ISM überzeugt als internationale Plattform für eine weiterhin auf verstärkten Export ausgerichtete Süßwarenbranche. Die breite, innovative Umsetzung des neuen Süßstoffs Stevia lässt noch auf sich warten.

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Eigentlich hätte „E 960“ für Furore bei der Internationalen Süßwarenmesse (ISM) in Köln sorgen müssen, aber die süße Revolution blieb aus bzw. fand nur in der Berichterstattung der Medien statt. Immerhin ein emotionales Thema. Entsprechend dünn gesät waren die Neuheiten mit Stevia. „Wir hatten mehr erwartet“, sagt dann auch Annika Kaldewey, Product Management International von Kalfany Süße Werbung, die mit der Umstellung der zuckerfreien Range unter Pulmoll und den neuen Acti-Fresh-Drops unter Kalfany gleich Nägel mit Köpfen gemacht hat. Andere Hersteller nehmen eher die abwartende Position ein bzw. sehen keinen Anlass, zu reagieren. Die Süßgebäck-Hersteller brauchen sich überhaupt keine Gedanken machen, da Stevia für ihre Produkte nicht zugelassen ist. Wahrscheinlich wird im kommenden Jahr die große Welle kommen.

Bei den Schokoladen überwiegt ebenfalls noch die Zurückhaltung, obwohl man beim Entwickler und Lieferanten Barry Callebaut schon die Konzepte bereithält und Beispiele aus Belgien oder der Schweiz anführen kann. Zum Beweis: Die Schokolade mit Stevia aus der belgischen Confiserie Cavalier wählten die Messebesucher zum Top-Produkt der Neuheiten-Schau „New Product Showcase“. Bislang noch nicht für Stevia zugängliche Schokoladen-Hersteller argumentieren mit qualitativen und geschmacklichen Aspekten sowie den vom Konsumenten gewünschten Produktfaktor Genuss. Dem hält Steffen Jarzombeck von Barry Callebaut entgegen: „Wir sind nah dran am Original.“

Das sagen auch die Hersteller lactosefreier Produkte. Ob man das Ganze als Trend bezeichnet oder nicht, ist Ansichtssache. Auf jeden Fall wächst das Angebot. Pionier Omira (minus L) hat aktuell eine NussNougat-Creme und den Doppelkeks in der der lactosefreien Version im Handel eingeführt. Brandt bringt den milchzuckerfreien Zwieback, und Confiserie Heileman eine entsprechende Praline. Die Anbieter sind zuversichtlich, dass sie die in diesem Jahr schwindenden „Diätplazierungen“ im Handel mit lactosefreien, eventuell auch glutenfreien Produkten besetzen werden.

Bei den salzigen Snacks erfährt die Geschmacksrichtung Currywurst starken Zuspruch. Gelungen und schlüssig auch das Konzept von Intersnack, das im Handel etablierte Promotionthema Grillen für die Warengruppe zu nutzen. Fußball-Europameisterschaft sowie die Olympischen Spiele liefern weitere hochkarätige Aufhänger für Zusatzumsatz mit gepflegten Marken. Auch der Trend zum Snacken setzt sich fort, und damit verbunden entsprechende Formate bei den süßen und pikanten Backwaren. Wie zu hören ist, bieten hier neuaufgelegte Take-away-Konzepte der Handelsunternehmen Ansatzpunkte, auch für kühlbedürftige Produkte.

Eng mit Süßwaren, insbesondere Schokolade, verknüpft sind Nachhaltigkeitsaktivitäten. Hier ist der Weg vorgezeichnet. UTZ, Fairtrade, Rainforest Alliance etc. setzen Zeichen in der Branche, die zudem den Nachhaltigkeitsansprüchen und -strategien des Handels über alle Vertriebstypen hinweg entsprechen. Keiner der Hersteller kann und wird sich dem auf lange Sicht entziehen, schon allein aufgrund der medialen Präsenz und einem steigenden Umweltbewusstsein/Nachhaltigkeitsdenken bei der jungen Generation. Ein Beispiel dafür liefert die „Die Gute Schokolade“, entwickelt von der globalen Kinderbewegung Plant-for-the-Planet. Es sind derzeit 100.000 Mädchen und Jungen, die das Ziel verfolgen, durch Anpflanzung von Bäumen weltweit (bislang 12 Mrd. Stück) der fortschreitenden Erderwärmung entgegenzuwirken. Die Gute Schokolade bezieht neben der Klimakrise auch soziale Aspekte wie den Schulbesuch für Kinder von Kakaobauern ein. Derzeit sind die engagierten Kinde r auf der Suche nach Vermarktungslösungen und -partner für ihr Produkt (info@plant-for-the-planet.org).

Allgegenwärtig in den Messehallen: die Preisfrage. Ein unliebsamer Punkt. Aber unvermeidbare Preiserhöhungen stehen an. Die Entwicklung des Zuckerpreises ist nur eine Facette der steigenden Kosten. Die Mehrheit der in Köln anwesenden Aussteller meint, beim Handel inzwischen auf größeres Verständnis zu stoßen. Wachstums-Perspektiven aber liefert der Export, und auch für kleinere und mittelständische Anbieter. Und da fühlten sich die Aussteller in Köln gut aufgehoben. Allenthalben wurden die internationalen Kontakte gelobt. 35.000 Fachbesucher aus 130 Ländern, 3.000 mehr als bei der vorangegangenen Veranstaltung, registrierte die KölnMesse. Der größte Besucherzuwachs kam diesmal aus Fernost, besonders aus Japan, Korea und China.

Messethemen und Trends
  • Nachhaltigkeit insbesondere bei Kakao, aber auch Palmöl aus nachhaltigem Anbau ist auf dem Weg zum Standard, allerdings mangelt es noch an der Rohstoffbasis
  • Entwicklungsprojekte mit sozialen Ansätzen in den rohstoffliefernden Ländern
  • Stevia als neue Süße ist noch nicht als durchschlagender Trend zu erkennen
  • lactosefrei wird mehr und mehr als Attribut (z. B. Pralinen, Zwieback) ausgelobt, aber weiterhin als Nische gesehen. Ersatz für Diätplatzierungen 
  • Frucht in allen Facetten für Sommervarianten z. T. verknüpft mit dem Aspekt heimische Früchte
  • To-go-Konzepte als Reaktion auf entsprechende Handelsaktivitäten und Formate für den schnellen Einkauf. Pikante Snacks und gekühlte Getränke für den Spontan-Verzehr sind im Gespräch
  • Klein- bzw. Mini-Formate sind weiterhin präferiert, insbesondere unter dem Aspekt Snacken
  • Saisonartikel mit traditioneller Optik hochwertig aufgemacht
  • Currywurst und BBQ liefern bei den Salzigen Snacks die Vorlage für neue Verzehranlässe (Grillen) sowie Geschmacksrichtungen
  • Swissness, Absender Schweiz
  • Schokolade wird heller, Vollmilch mit höherem Kakaoanteil ist weiter auf dem Vormarsch
  • Karamell ist in diesem Jahr eine trendige Geschmacksvariante

Bildquelle: Hoppen
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