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Meyer’s Neumünster Wir testen die Besten

Silvia Schulz und Reiner Mihr | 08. November 2017

Er ist schon ein bisschen anders: Meyer’s in Neumünster. Nachhaltigkeit und Umweltschutz stellte Inhaber Jan Meifert schon früh heraus, und wer einen Blick auf die Homepage des Ladens wirft, sieht: Der Markt ist anders. Nicht nur deshalb hat er 2016 die Auszeichnung zum „Supermarkt des Jahres“ erhalten. Das LP-Testerteam ist in den hohen Norden gefahren und hat eingekauft.

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Neumünster ist mit 79.000 Einwohnern nach Kiel, Lübeck und Flensburg die viertgrößte Stadt Schleswig-Holsteins. Wenn man erst mal da ist, fällt die Orientierung leicht. Und auch der Edeka-Markt ist gut ausgeschildert, leicht zu finden, und die Zufahrt zum Parkplatz kann nicht verfehlt werden.

Wertung

Die einzelnen Abschnitte des Einkaufstests gliedern wir wie folgt:

  • Vor dem Markt : Eindruck von außen und an der Infotheke.
  • Im Markt: Eindruck innen, Food und Nonfood in SB, vor allem Obst und Gemüse.
  • Bedienung: Bedienung, Personal, Theken, Sauberkeit und Ordnung.
  • Kasse: Wartezeit, Personal, Sauberkeit.

Wir bewerten die Testabschnitte nach einem detaillierten Schema: Pro Abschnitt sind logischerweise maximal 100 Prozent erreichbar. Dieser Wert wird in LP-Punkte umgerechnet.

Die erreichte Prozentzahl entspricht

  • 100 bis 95 Prozent: 6 LP-Punkte
  • 94 bis 85 Prozent: 5 LP- Punkte
  • 84 bis 75 Prozent: 4 LP-Punkte
  • 74 bis 65 Prozent: 3 LP-Punkte
  • 64 bis 55 Prozent: 2 LP-Punkte
  • 54 bis 45 Prozent: 1 LP-Punkt
  • unter 44 Prozent = 0 Punkte

Damit kommen wir dann zu folgendem Ergebnis:

  • 42 bis 48 LP-Punkte = ausgezeichnet
  • 35 bis 41 LP-Punkte = sehr gut
  • 28 bis 34 LP-Punkte = gut
  • 21 bis 27 LP-Punkte = in Ordnung
  • 14 bis 20 LP-Punkte = noch genügend, aber Verbesserungsbedarf
  • unter 13 = ungenügend, deutlicher Verbesserungsbedarf.

Aussenbereich
Wir fahren auf einen großen, aufgeräumten und ordentlichen Parkplatz. Den teilt sich Edeka mit Aldi. Sehr sinnvoll. Aber warum gibt es unterschiedliche Öffnungszeiten beider Läden?

Die Boxen für die Einkaufswagen sind sauber und aufgeräumt. Ganz witzig: An den Boxen für die Einkaufswagen finden sich verschiedenen Sprüche, auch an der Fassade. Die sind charmant und heben die Stimmung.

In den Boxen stehen alte und neue Einkaufswagen vermischt. Zumindest ungewöhnlich. Vor dem Eingang lockt ein mobiler Fischverkauf-Wagen zum Kauf. Er macht einen sehr ansprechenden Eindruck, präsentiert sein Angebot sehr appetitlich. Das passt gut zu Meyer’s, denn auch der Fischhändler ist ausgezeichnet.

Direkt vor dem Eingang stehen riesige Blumenkübel, die Atmosphäre schaffen und gute Laune machen, ohne den Eingang zu behindern.

Die Info-Theke
Wir finden die Info-Theke rechts im Markt vor dem eigentlichen Zugang. Und ehrlich: Die ist ein echter Hingucker. Sie ist als Reminiszenz an eine alte Apotheke gestaltet und gelungen. Hinter der Theke steht eine Mitarbeiterin in Dienstkleidung und spricht mit einer zweiten Kollegin in Zivil (das war dem Gespräch zu entnehmen). Davor warten zwei Kunden und wir. Die Mitarbeiter sprechen miteinander – offensichtlich über den Personaleinsatz. Das ist wichtig. Nur nicht für die Kunden. Ein freundlicher Blick und ein „einen kleinen Moment bitte“ würde viel bewirken. Wir wechseln Geld für den Einkaufswagen, geht reibungslos, dauert nur.

Vor dem Einkauf noch schnell ein Gang zur Toilette. Der Schlüssel für das Unisex-WC liegt laut Schild an der Kundentoilette an der Info aus. Liegt tatsächlich da, ist aber egal, denn die WC-Tür ist nicht verschlossen. Der Aufenthalt wird dann kurz gehalten, denn Toilettenpapier fehlt, der Geruch ist nicht gerade frisch. Ärgerlich ist der defekte Seifenspender – ich wasche die Hände nur mit Wasser und muss dann im Trockner abtrocknen, Papiertücher gab es nicht. Geschweige denn Desinfektionsmittel. Als Kunde wünschen wir uns hier mehr Aufmerksamkeit.

Vor dem Markt

Außeneindruck: 87,5% - 5 LP-Punkte
Infotheke: 75% - 4 - LP-Punkte


Innenbereich
Die Schiebetüren im Edeka Meyer’s öffnen sich. Der Blick fällt zuallererst auf einen ansprechenden herbstlichen Aufbau. Saisongemüse, natürlich Kürbis, wird in den Mittelpunkt gerückt und macht Lust auf den Kauf. Rechts vor dem Zugang (Portamatanlage) finden wir Desinfektionstücher und Einkaufskörbe (auch neben dem Skattisch), daneben greifen wir in den Ständer mit den aktuellen Angeboten. Klar, der Markt ist ein wenig in die Jahre gekommen, aber er hat auf den ersten Blick seinen Charme. Erreicht wird das vor allem durch eine Deckenkonstruktion aus Holz, die Atmosphäre versprüht.

Und wir finden auch noch das ein oder andere Highlight im Markt. Wahrscheinlich erinnert das nicht ungewollt an einen Tante-Emma-Laden – besonders in der Weinabteilung. Die Gangbreiten auf den Hauptwegen sind in Ordnung. In den Nebengängen kommen wir schlecht durch, sie sind arg schmal.

Kundenunfreundlich sind für uns die in diversen Gängen abgestellten Waren auf unterschiedlichen Fördermitteln, Kartons vor den Regalen und leere Kartons in Einkaufswagen. Out-of-Stocks sind in diesem Markt zu vernachlässigen.

Uneinheitlich ist die Beschilderung der Sortimente: Mal an der Wand, mal am Regal, mal über dem Regal, mal größer, mal kleiner. Aber vielleicht soll es auch so sein. Ein Preisscanner steht bereit, wir kommen schlecht ran (zugestellt), aber probieren ihn aus: Leider kaputt. Sollte repariert werden, ansonsten nicht verstecken, sondern raus.

Im Markt
Holz schafft ja meistens eine angenehme Atmosphäre, und bei Meyer’s sind die Holzbalken an der Decke dabei sehr dienlich, aber ebenso auch das Tante-Emma-Mobiliar und ein paar witzige Sprüche, die zum Schmunzeln anregen. Für uns ist der Markt ein wenig dunkel. Aber vielleicht ist das der Ladenbau-Zeitgeist? Schnell fällt der hohe Anteil an Bio-Produkten auf. So zum Beispiel demeter-zertifizierte Backwaren. Wir nehmen bereit stehende Einmalhandschuhe und nehmen Brötchen mit. So soll es sein. Ein stummer Diener bot zudem Bio-Kekse zum Verkosten an. Weniger gut: Notausgänge werden gerade zweckentfremdet genutzt, sie sind mit Displays und/oder leeren und vollen Kartons zugestellt.

Daten und Fakten
  • Meyer´s, Goethestr. 13, 24534 Neumünster
  • Eröffnung: 30. Juli 2008
  • Inhaber: Jan Meifert
  • Öffnungszeiten: montags bis samstags von 7 bis 20 Uhr, auch Bedienung.
  • Verkaufsfläche: rund 1.900 qm
  • Mitarbeiter: rund 100
  • Artikel: etwa 27.000
  • Kassen: 6

Besonders positiv fällt den Testern auf, dass in allen Sortimentsbereichen im Markt Personal vorhanden ist und ungespielt engagiert auf Fragen oder gar ungläubige Blicke sofort reagiert. Wir schlendern im Hauptgang mit suchendem Blick in die Nebengänge und werden sofort gefragt, ob man denn behilflich sein könnte. Und vorher gab es einen freundlichen Gruß. Klasse.

Wegen des jüngsten Sardinien-Urlaubs will der Testkäufer in der Weinabteilung unbedingt einen Wein vor dort. Der Mitarbeiter verwechselt zwar zuerst Sizilien und Sardinien. Wohl auch, weil er da mehr im Regal hat, aber auf den staunenden Blick hin korrigiert er sich. Wir kaufen je eine Flasche Cannonau und Vermentino. Gute Erfahrung auch anderswo. Auf unsere – nun mittlerweile schon standardisierte Frage – nach Ayran (nicht vor dem Kühlregal) zögerte die Verkäuferin nicht einen Augenblick und ging voran zur Kühlung. Insgesamt geben wir dem Personal bei Meyer’S den Stempel „Kundenpfleger“!

Im Markt

Inneneindruck 62;5%  - 2 LP-Punkte
Food/Nonfood/SB: 78,9% - 4 LP-Punkte
Frische SB: 80% - 4 LP-Punkte


Bedienungsbereiche
Zwei Kunden vor uns und eine Verkäuferin hinter der Käse-Theke. Das braucht Zeit, vor allem wenn sie sich den Kunden widmet. Nach einer – für die meisten allein einkaufenden Kunden – gefühlten Ewigkeit (es dauerte tatsächlich knapp 2 Minuten) sind wir an der Reihe. Zwischendurch kommt eine Kollegin vom Fleisch dazu, aber sie kommt ohne Hilfe der Käsefachverkäuferin kaum zurecht.

Die Käsefachverkäuferin macht erstmal keinen guten Eindruck. Unser Eindruck: Nicht so ganz bei der Sache, bedrückt oder… Aber wir haben uns getäuscht. Als wir dran sind, hellt sich das Gesicht auf, beim gewünschten, kräftigen Schnittkäse gibt es die eine und andere Empfehlung. Und ohne zu zögern durften wir bei infrage kommenden Käsesorten probieren. Und super der Hinweis: „Wenn Sie den Käse heute am Abend essen, legen sie ihn gar nicht erst in den Kühlschrank“. Richtig. Wenn es der Dame jetzt noch gelingen würde, mehr zu verkaufen (wir kaufen immerhin zwei verschiedene Käse), sprich: weitere Alternativen anbieten oder passenden Wein empfehlen – wir hätten sie in unser Nachtgebet eingeschlossen.

Frische SB – O+G
Als wir die O+G-Abteilung betreten sorgt ein Mitarbeiter mit einer Verkostung von Weintrauben für besseren Abverkauf. Schade, dass die Abteilung so klein ist, durch die Aktion war es dann richtig eng. Zudem wurden vor den Regalen Kisten, aber auch Körbe und sogar Papierkörbe dafür genutzt, Waren zu platzieren. Wir fühlen uns in der Enge nicht wohl und befürchten, das geht auch anderen Kunden so.

Wir kommen dann an einem sehr schönen Schrank (Tante Emma) vorbei, der als Warenauslage genutzt wird. Dass die Tür ausgehakt ist, stört wohl nur uns: Im Vorbeigehen sehen wir noch, wie nicht mehr der Qualitätsklasse entsprechendes bzw. nicht mehr frisches Obst und Gemüse in Tüten verpackt und hinter einer Kühltheke im Spalt zwischen Wand und Kühlmöbel platziert wird. Insider-Kunden wissen das wohl, denn eine Kundin ging zielgerichtet zu der Lücke zwischen den Kühlmöbeln und wurde fündig. Sicher nicht die Einzige. Gibt es keine bessere Lösung?

Vorbildlich das Verpackungsmaterial. Nur Papiertüten. Ökologisch lobenswert und viel besser zum Obst und Gemüse passend. Auch an der Salattheke (Geschnippeltes) standen für unterschiedliche Haushalts-Größen verschieden große Behältnisse bereit. Was wir in der Obstabteilung vermissten, war die Möglichkeit, sich die Hände zu säubern (Handwaschbecken, Einmalhandschuhe, Desinfektionstücher, Papiertücher).

Frische Bedienung
Wir gehen den Hauptgang außen entlang und steuern die Bedienungsabteilung an. Eine merkwürdige Platzierung von SB-Wurst fällt uns auf. War hier früher die Fischtheke? Dahinter steht ein Tisch mit drei Stühlen. Wird hier Skat gespielt? Und wer spielt? Kunden oder Mitarbeiter?

Die Theken für Fleisch, Wurst, Käse und Salate sind präsent, die Ware ist absolut frisch und appetitanregend. Verkostungshäppchen liegen nicht aus, dafür werden Kunden (nicht nur uns) Appetithäppchen im Verkaufsgespräch gereicht. Bis auf einige der Salate (sehen etwas angetrocknet aus) macht die Abteilung einen einladenden Eindruck. Die Ausleuchtung empfinden wir als ein wenig dunkel. Zudem kommt über der Käsetheke unterschiedliches (Warm- und Kalt-) Licht zum Einsatz.

Bedienung

Bedienung: 90,9% - 5 LP-Punkte
Theke: 88,9% - 5 LP-Punkte

An der Kasse
Nach dem Einkauf geht es an die Kasse: vier von sechs sind besetzt. Auch bei Meyer`s zeigen Ampelmännchen besetzte und unbesetzte Kassenplätze an. Die Wartezeit bis zum Beginn des Scannens liegt bei mehr als 90 gestoppten Sekunden, also über der Schmerzgrenze. Die Kassenkraft agiert aber – wie das andere Personal – kundenfreundlich. Es gibt ein freundliches „Moin Moin“, dem Kunden wird gedankt,und er wird freundlich ins Wochenende verabschiedet.

Es fehlt aber auch etwas: Keine Frage nach der Deutschlandkarte und keine Frage danach, wie denn bezahlt werden möchte. Auch wurde beim Bezahlen mit Karte nicht unterstützt. Und so oft: Die Chance, den Kunden nach dem Bezahlen namentlich anzusprechen, wird wieder mal nicht genutzt.

Kasse

Kasse: 80% - 4 LP-Punkte

Wir LP-Tester sind mit Meyer‘s in Neumünster zufrieden. Der Markt zeigt überdurchschnittliche Leistungen, an einigen Punkten sehen wir noch die Möglichkeit, das Profil weiter zu schärfen. Natürlich erleben wir als Testkäufer nur den Moment. Das aber macht der Kunde ganz genauso.

Gesammtergebnis

33 LP-Punkte, Gut, Sehr gut knapp verpasst

LPV GmbH

Am Hammergraben 14
56567 Neuwied
Tel.: +49 (0)2631 879-0
Fax: +49 (0)2631 879-201

Web: www.lebensmittelpraxis.de

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