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Italienische Produkte Bella Italia in Schieflage

| 07. Oktober 2011

Der Sparkurs trifft die Italiener hart, die ganz normalen Leute, aber auch die Wirtschaft. Auch wenn der Export schwieriger wird, seine Bedeutung steigt.

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Arrivederci Roma, denkt sich manch italienischer Exporteur von teuren Produkten dieser Tage. Denn wenn die Kaufkraft in Italien sinkt, suchen Unternehmer gerne ihr Wohl im Export. Obwohl Deutschland für italienische Food-Exporteure der Absatzmarkt Nummer 1 ist, erschwert der hiesige, harte Preisdruck das Engagement der Italiener in Deutschland. Doch Ferrari und Prada zeigen, dass es geht, dass man auch hier zu Lande teure, italienische Produkte und Marken liebt, aber eben auch die Inszenierung, das „Storytelling“, das dazu gehört.

Dazu haben die mehr als 1.200 italienischen Aussteller bei der Anuga alle Gelegenheit. Viele von ihnen bieten Produkte an, die einzigartig sind: Naturprodukte oder Spezialitäten mit EU-Schutz wie Parmaschinken – jedenfalls Artikel, mit denen sich eine Geschichte, ein bisschen „Bella Italia“ mitverkaufen lässt. Was die Deutschen wollen, ist Dolce Vita zum Discountpreis. Aber es gibt Wege, dieses Verhalten zu ändern, nämlich an das Qualitätsbewusstsein der Konsumenten zu appellieren, Aufklärung zu betreiben und die Diskussion vom Argument Preis wegzulenken zum Argument Einkaufserlebnis. Einer, der das versteht, ist Domenico Levato, der Marktleiter vom Standa in Köln. Er sorgt bei seinen Kunden immer für „italienischen Momente“, versteht es, das Image Italiens in Szene zu setzen. Gute Beispiele, wie eine erfolgreiche Kampagne auszusehen hat, nennt Claudia Nikolai, die Geschäftsführerin der italienischen Handelskammer für Deutschland. Aus Erfahrung weiß sie: Viele kleine Einzelaktionen bringen nichts. Nikolai fordert eine bundesweite Kampagne, die von mehreren Regionen und Konsorzien gemeinsam getragen wird. Sie weiß auch: Viele Hersteller sind für sich genommen zu klein, um den deutschen LEH beliefern zu können. Oft scheitert es an der Verfügbarkeit der Menge, manchmal aber auch an der Logistik. Eine Chance sind da kleinere Handelsunternehmen wie Dohle und Kaiser’s Tengelmann oder auch selbstständige Kaufleute, die mehrere Märkte betreiben. Benvenuti.

Botschafter Valensine "Wirtschaftsbeziehungen sind optimal"


Michele Valensise, Botschafter der italienischen Republik in Deutschland, über die finanzpolitischen Probleme seines Landes und die Bedeutung der Exportwirtschaft.

Trotz der Turbulenzen auf den Finanzmärkten sind die italienischen Unternehmen aktiv, sie investieren in neue und innovative Produkte und setzen auf den Export. Bei der Anuga gibt es mehr als 1.200 italienische Aussteller, und damit mehr italienische als deutsche Aussteller. Das belegt die Lebendigkeit des italienischen Agrar- und Lebensmittelbereichs.

Italien setzt ein sehr strenges Sparprogramm zur Sanierung seiner Finanzen um, von dem wir positive Auswirkungen nicht nur auf den Staatshaushalt, sondern auch auf die Wirtschaft erwarten. Dieses Programm wurde von der Regierung erarbeitet und in sehr kurzer Zeit vom Parlament verabschiedet. Wir glauben, dass sich auch die Exporte italienischer Produkte nach Deutschland weiterhin so positiv entwickeln wie in den letzten Monaten.

Die derzeitige Wirtschafts- und Finanzsituation in Europa erfordert Einsparungen bei den öffentlichen Ausgaben und wirksame Reformen der öffentlichen Verwaltung. Zu diesen Maßnahmen zählt auch die Abschaffung des Außenhandelsinstituts. Sein Personal, seine Ressourcen und seine Erfahrung mit ausländischen Märkten gehen jedoch nicht verloren: Sie werden mit niedrigeren Verwaltungskosten in das Netz der Botschaften und Konsulate integriert, und das wird zu mehr Effizienz und Kohärenz in der Förderungspolitik im Ausland führen.

Die deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen sind optimal. 2010 überschritt der Wert des Warenaustauschs 102 Mrd. Euro. Im ersten Halbjahr 2011 wurden zweistellige Zuwachsraten im italienischen Export festgestellt. Im Agrar- und Lebensmittelbereich lag der Wert des Warenaustausches 2010 bei ca. 10 Mrd. Euro, davon betrugen die italienischen Ausfuhren ca. 5 Mrd. Euro mit einem Wachstum von 10,6 Prozent gegenüber 2009. Deutschland ist in dieser Branche der erste Absatzmarkt für unsere Exporte. Auch die italienischen Investitionen in Deutschland sind beachtlich: 2010 besaßen italienische Investoren Anteile an 1.800 deutschen Unternehmen.

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